Tropische Krankheiten in Europa
Warum Stechmücken gefährlicher werden

Mit den hohen Temperaturen beginnt jedes Jahr nicht nur die Badesaison, sondern auch die Saison der Stechmücken. Die Insekten sind allerdings nicht nur lästig. Sie verbreiten in Europa zunehmend auch gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber.

    Mehrere Mücken der Art Aedes vexans sind auf dem Arm einer Frau zu sehen.
    Übertragen zunehmend auch in Europa tropische Krankheiten: Mücken. (picture alliance /dpa / Patrick Pleul)
    Chikungunya-, Dengue- oder West-Nil-Fieber: Immer öfter übertragen eingewanderte Mückenarten in Europa gefährliche Tropenkrankheiten. Doch auch heimische Wald- und Wiesenmücken verbreiten die Krankheiten inzwischen. Was sind die Ursachen? Und wie kann man sich schützen?

    Inhalt

    Wie hängen Mückenpopulationen und Temperaturen zusammen?

    Der Klimawandel führt in Europa zunehmend zu früheren Hitzeperioden. Tropische Nächte treten häufiger auf, die Winter werden milder. Das alles sind gute Bedingungen für die heimischen Mückenarten, um sich zu vermehren.
    Durch die steigenden Temperaturen können inzwischen aber auch eingewanderte Mückenarten wie die Anopheles- oder die Asiatische Tigermücke in Europa gut überleben. Die Tigermücke etwa breitet sich seit den 1990er-Jahren in Südeuropa und Teilen Mitteleuropas aus. Aber auch in Deutschland ist sie heimisch geworden. Im Raum Bonn wurden die ersten Asiatischen Tigermücken in diesem Jahr schon im Februar gemeldet. Eigentlich sind die Tiere erst im Mai oder Anfang Juni aktiv.

    Welche Tropenkrankheiten können Mücken in Europa übertragen?

    Die Asiatische Tigermücke kann Dengue- und Chikungunya-Viren übertragen. Beide Krankheiten kommen ursprünglich aus Afrika und Asien und können sehr schwer verlaufen. Eine Dengue-Infektion kann auch tödlich sein. Laut dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin steigt das Risiko für eine Infektion in Deutschland im Zuge des Klimawandels.
    Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) teilte mit, dass es 2025 in Europa so viele Infektionsfälle mit Dengue-, West-Nil- und Chikungunya-Viren gab wie nie zuvor. Betroffen sind vor allem Frankreich und Italien, dort wurden im letzten Jahr unter anderem knapp 200 Chikungunya-Fälle verzeichnet. Außerdem wurde erstmals eine Ansteckung im französischen Elsass dokumentiert. Der Fall zeigt, dass das Verbreitungsgebiet weiter nach Norden wandert. In Deutschland gibt es bislang aber noch keine nachgewiesenen Dengue- und Chikungunya-Infektionen.
    Das West-Nil-Virus (WNV) wird sowohl durch die Asiatische Tigermücke als auch andere, heimische Mückenarten übertragen. Vom West-Nil-Fieber sind inzwischen laut RKI alle Erdteile betroffen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Aus den Tropen gelangte das Virus durch Zugvögel auch in Gebiete am Mittelmeer und Europa.
    Das ECDC meldete im vergangenen Jahr rund 1.100 WNV-Infektionen in Europa, davon 97 mit tödlichem Ausgang. Am stärksten war Italien betroffen. Aber auch im Osten Deutschlands wurden Infektionen nachgewiesen: in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin. Die Überträger waren laut Bernhard-Nocht-Institut vor allem heimische Wald- und Wiesenmücken. Etwa 80 Prozent aller Infektionen verlaufen aber ohne Symptome. Bei rund 20 Prozent der Infizierten kommt es zum sogenannten West-Nil-Fieber. In weniger als einem Prozent der Fälle entwickelt sich eine schwere neuroinvasive Erkrankung.

    Können Dengue-Fieber und Co. behandelt werden?

    Bei Dengue-, Chikungunya- und West-Nil-Fieber können bisher nur die Symptome behandelt werden. Medikamente gegen die Viren gibt es nicht. Gegen Dengue und Chikungunya gibt es allerdings erste Impfstoffe, die vorbeugend eingesetzt werden können.
    Laut Bernard-Nocht-Institut sind die in der EU zugelassenen Impfstoffe für Chikungunya für Personen ab zwölf Jahren verfügbar und für Menschen empfohlen, die in Risikogebieten leben.
    Den in Deutschland zugelassenen Impfstoff gegen Dengue empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für Personen ab vier Jahren, die in Risikogebiete reisen und in der Vergangenheit eine Dengue-Virusinfektion durchgemacht haben.
    Keinen Impfstoff für Menschen gibt es gegen das West-Nil-Virus. Lediglich für Pferde existiert ein Vakzin. Zum Schutz gegen das West-Nil-Virus werden vor allem präventive Maßnahmen wie eine angepasste Kleidung, Mückensprays und Moskitonetze empfohlen.