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StartseiteHintergrundRusslands ungeliebte Minderheit20.06.2014

MuslimeRusslands ungeliebte Minderheit

Mehr als 10 Prozent der russischen Bürger sind Muslime. Aber sie fühlen sie zunehmend unwohl in ihrem Land - vor allem in Moskau wird das deutlich. Gläubige werden verjagt und verprügelt, Moschee-Bauten blockiert. Und immer wieder wird deutlich, dass die russische Regierung dabei ihre Finger im Spiel hat.

Von Boris Schumatsky

Russische Muslime beten vor der Hauptmoschee in Moskau. (AFP / Denis Sinyakov)
Russische Muslime beten vor der Hauptmoschee in Moskau. (AFP / Denis Sinyakov)
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Zwei junge Männer und ein fünfjähriger Junge haben ihre Gebetsteppiche auf dem Bürgersteig ausgebreitet. Es ist Opferfest und zigtausende Menschen beten draußen vor der Kathedral-Moschee von Moskau. Das Areal ist weiträumig abgesperrt. Die Gläubigen müssen durch Tore mit Metalldetektoren gehen. Hinter der Absperrung kann man die Fahrbahn nicht mehr sehen. Ein Meer gebeugter Rücken, soweit das Auge reicht.

Aber hier, auf dem Bürgersteig vor den Toren, ist beten verboten. Ein Passant ruft die Polizei, sie soll "die da" wegräumen. Er meint die zwei Männer mit dem Jungen, die unsicher vor ihren Gebetsteppichen stehen. "Räumen Sie sofort den Gehweg", fordert ein Polizist sie auf, und als einer der Gläubigen bittet, die Religion anderer Menschen zu respektieren, brechen die Passanten in Lachen aus.

"So führt man sich nicht auf, wenn man zu Gast ist", lautet ein Kommentar zu diesem Internet-Video. Der Begriff Muslim ist in Russland zum Synonym für "Fremder" geworden. Dabei leben Millionen Muslime seit über tausend Jahren auf dem Staatsgebiet der russischen Föderation. Der Islam kam im 8. Jahrhundert nach Russland, früher als das orthodoxe Christentum, die offizielle Religion der Zaren und der heutigen Machthaber. Heute sind über 10 Prozent der Bürger Russlands Muslime. In vielen Regionen bilden sie die Mehrheit. Seit Jahrhunderten gehört der Islam auch zur Hauptstadt Moskau.

Obwohl in Moskau dreimal mehr Muslime leben als etwa in London, gibt es hier anders als in der britischen Metropole, kaum Moscheen - genau gesagt: sechs. Alfred muss vierzig Minuten lang mit der Metro fahren, um zur nächsten Moschee zu kommen. Der junge Mann plant deshalb seine Wege durch Moskau so, dass er dort auch an Wochentagen zum kurzen Gebet vorbeifährt.

"Die Moschee, zu der wir jetzt unterwegs sind, ist in Hinterhöfen versteckt. Selbst viele Anwohner wissen nicht, dass dort eine steht. Allein die Kathedral-Moschee ist von Weitem zu sehen. Neue werden nicht gebaut. Einerseits sind die Muslime selbst nicht sehr aktiv, sie versuchen nur selten, den Bau von Moscheen durchzusetzen. Andererseits gibt es jedes Mal Proteste in der Nachbarschaft, wenn sie doch einmal ein konkretes Bauprojekt vorschlagen. Keiner will, dass in seinem Wohnbezirk eine Moschee steht."

Alfred schreitet sicher durch das Labyrinth der Plattenbauten in Moskaus Stadtzentrum. Er erzählt, dass er Tatare ist. Die Tataren bilden die nach den Russen zweitgrößte ethnische Gruppe des Landes. Sie leben seit dem Mittelalter in der russischen Hauptstadt.

Alfred selbst wurde in Tatarstan geboren, einer der 21 nationalen Teilrepubliken der Russischen Föderation. Europäische Vornamen waren dort zu Sowjetzeiten sehr modern, während muslimische Namen damals zu religiös geklungen hätten. In Alfreds Familie aß man kein Schweinefleisch, doch die Tagesgebete hielten seine Eltern nicht ein. Keine richtigen Muslime in Alfreds Augen. Er selbst habe mit 18 Jahren angefangen, das Namaz zu beten, kurz bevor er zum Studieren nach Moskau kam.

Die Polizei gibt sich hilflos

Heute arbeitet Alfred an einer Doktorarbeit in Afrikanistik. Mit seiner modernen Brille und Sportjacke fällt er auf Moskaus Straßen nicht auf. Die kleine Moschee erscheint hinter einem Hochhaus. Es ist die älteste Moschee in Moskau. Die Minarette an ihren Ecken sind so niedrig, dass das Gebäude nicht gleich als Gottesthaus zu erkennen ist. Denn zur Zarenzeit durften die Türme nicht höher als die der kleineren Kirchen gebaut werden. Zur Sowjetzeit war in der Moschee ein Militärkommissariat untergebracht. Seit zwei Jahrzehnten gehört sie wieder der Tatarischen Gemeinde Moskaus. Nicht alle Anwohner freuen sich darüber.

"Ich wusste, dass jemand hinter mir her geht, aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Plötzlich bekam ich einen starken Schlag gegen den Kopf."

Vor zwei Jahren wurde der ältere Gebetsvorsteher direkt hier, in der Nähe seiner Moschee überfallen. Der Angreifer brach dem 75-Jährigen den Kiefer und floh. Der Imam blieb bewusstlos auf dem Asphalt liegen. Passanten holten Hilfe. Ein muslimischer Videoblogger besuchte den Verwundeten Tage später im Krankenhaus.

"Die Polizei war auch hier, Abteilung organisierte Kriminalität. Sie versprach, denjenigen zu finden, der mich überfallen hat, wie auch die Person, die den Überfall in Auftrag gegeben hatte. Denn das war ein geplanter Überfall."

Die Polizei wollte Hinweise auf einen islamfeindlichen Hintergrund jedoch nicht prüfen. Als Tatmotiv vermutete sie persönliche Rache. Die Täter fand sie bis heute nicht.

Der Imam Chassan Farchetdinow ist der älteste von drei Geistlichen an der alten Moschee. Alfred kommt manchmal mehrmals in der Woche hierher zum Beten, hat aber den Imam bisher nie gesprochen. Der Geistliche mitweißemTurban empfängt die Besucher in Anzug mit Krawatte und mit Hausschuhen. Der Gemeindevorsteher grüßt auf Arabisch und redet dann Russisch mit dem jungen Mann.

Alfred erzählt, dass er aus der tatarischen Großstadt Nabereschnyje Tschelny an der Wolga kommt. Beide Männer haben zwei Muttersprachen, Tatarisch und Russisch, wie es schon in der Sowjetunion üblich war. Damals hatte Moskau erfolgreich Frieden zwischen den Regionen und Religionen durchgesetzt.

"Wir haben damals überall hin reisen können. Es gab keine Angst und keine gegenseitigen Anfeindungen. Ich selbst habe in den 70er Jahren oft Urlaub in Tschetschenien gemacht. Freunde aus dem Süden haben uns oft in Moskau besucht. Ich meine jetzt nicht nur Tataren, alle möglichen Nationalitäten kamen zu uns und wir haben sie wie Brüder empfangen. Und heute? Man hört nur: Diese Tschetschenen! Sie sind doch alle Mörder. Sie kommen, um Menschen in die Luft zu jagen, diese Terroristen! Das ist ein beliebtes Wort geworden."

Nach dem Zerfall der Sowjetunion führte der Kreml zwei Kriege gegen die Teilrepublik Tschetschenien. Es wurden schwere Menschenrechtsverletzungen an der hauptsächlich muslimischen Bevölkerung verübt. Der über ein Jahrzehnt dauernde Konflikt breitete sich auf die Nachbarregionen aus und erreichte Moskau und andere Großstädte, wo schwere Terroranschläge verübt wurden. Seit 2009 gilt der Krieg als beendet – offiziell.

"Kaum geschieht ein Verbrechen, hört man: Aha, wieder die Islamisten!"

Die Regierung nimmt nur Rücksicht auf die Muslime, wenn sie gebraucht werden. So machte sich der Kreml im Vorfeld der Krim-Annexion Sorgen wegen der Krimtataren. Diese Volksgruppe, die lange vor den Russen die Halbinsel bewohnt hatte, will nicht von Moskau regiert werden. Angesichts der Gefahr eines Rebellenkrieges wie in Tschetschenien, versuchte Präsident Putin höchstpersönlich, dem Vorsteher der Krimtataren in einem längeren Telefonat die Kremlherrschaft schmackhaft zu machen.

Muslime klagen über zu wenig Platz

In diesem Fall ohne Erfolg. Doch meistens bekommt die Regierung von den islamischen Gemeinden, was sie will. Bei den Wahlen in von zahlreichen Muslimen bewohnten Regionen sorgen die muslimischen Landesfürsten dafür, dass Putins Unterstützer sogar überdurchschnittlich hohe Ergebnisse erzielen. Als Gegenleistung dürfen sie sich auf Kosten der Bevölkerung bereichern.

"Einmal hat uns vor den Wahlen Schirinowskij hier besucht. Er bat uns, für ihn zu stimmen. Er hat alles Mögliche versprochen. Er sagte, Muslime sind unsere Brüder. Er wollte sogar einen Kleinbus an die Moschee spenden. Und nach der Wahl fragten wir ihn 'Was jetzt, lieber Herr Schirinowsk?' Er antwortete mit einem russischen Sprichwort: 'Auf Versprochenes wartet man drei Jahre.'"

Wenn Staatsbeamte und Abgeordnete zu uns kommen, sagen wir ihnen, dass Muslime genauso wie orthodoxe Christen einen Ort brauchen, um zu ihrem Schöpfer zu beten. Aber schauen sie, für die Orthodoxen will man in Moskau 200 neue Kirchen bauen. Dabei sind in den alten Kirchen häufig nur ein oder zwei Menschen anzutreffen. Die sind immer leer, dennoch stehen Kirchen an jeder Ecke. Bei uns Muslimen ist es anders. Wir gehen jeden Freitag, ja jeden Tag in die Moschee. Wir brauchen mehr Platz. Und wissen Sie was sie uns antworten? "Für euch Tataren reicht der Platz doch, und die anderen kommen auch so zurecht".

Die "Anderen" sind die Arbeitsmigranten. Die einen kommen aus den Teilrepubliken Russlands, wie Dagestan oder Tschetschenien, russische Staatsbürger, die aber genauso wenig als Russen angesehen werden wie die Arbeitsmigranten aus dem Ausland. Dazu gehören überwiegend Menschen aus ehemaligen Sowjetrepubliken, die sich von Moskau abgespalten haben, darunter viele muslimisch geprägte Länder wie Usbekistan oder Tadschikistan.

Der Gebetstraum fasst ein paar hundert Leute. In Moskau leben bis zu zwei Millionen "Gastarbaitery", wie sie hier in Anlehnung an das deutsche Wort genannt werden. Viele von ihnen kommen nur für einige Monate nach Russland. Sie arbeiten bis zu vierzehn Stunden am Tag, mieten oft zu Zehnt oder noch mehr kleine Wohnungen am Stadtrand - und sie schicken ihr ganzes Geld an die Familien in Turkmenien oder Usbekistan.

Es gibt aber auch Migranten, die seit Jahren in Moskau leben und arbeiten, ihre Kinder dort zur Schule schicken und längst russische Staatsbürger sind. Sie sind als gewalttätig verschrien. In den Medien wird die Angst vor ihnen geschürt, vor Vergewaltigern, die "weiße" russische Frauen überfallen.

Im vergangenen Herbst kam es in der Moskauer Vorstadt Birjuljowo zum ersten großen Pogrom gegen die Migranten, von denen die Mehrheit Muslime sind.

Die Menge zerstörte einen großen Gemüse-Markt, der viele Migranten beschäftigte. Die Polizei schritt, wie meistens in solchen Fällen, nur unwillig ein. Hätte sie noch länger gezögert, wären Todesopfer zu beklagen gewesen. Als Reaktion auf den Pogrom entschieden die Behörden, den Großhandel zu schließen. Die randalierenden Anwohner hatten erreicht, was sie wollten.

Rechtsradikale Gruppierungen, die sich bei solchen Ausschreitungen beteiligen, kämpfen dafür, ganz Russland von sogenannten "Schwarzen" zu befreien. Stolz dokumentieren sie ihre Aktionen im Internet.

Immer mehr Muslime in Moskau - trotz islamfeindlicher Stimmung

Das blutüberströmte Gesicht eines Jugendlichen in der Moskauer Metro. Die Stimme des Schlägers: 'Sag: Ich entsage Allah ... Und wem entsagst Du..? Sag's lauter!' Der junge Mann sagt alles.

Aber trotz aller Fremden- und Islamfeindlichkeit kommen immer mehr Muslime nach Moskau. Während die russischsprachige Bevölkerung im ganzen Land schrumpft, wächst die Bevölkerung in den traditionell islamischen Gebieten Russlands.

Die Metropole lockt Menschen aus dem vergleichsweise wohlhabenden Baschkortostan oder Tatarstan an, genauso wie aus den verarmten Regionen Dagestan oder Inguschetien. Die einen sind bereit, jede Arbeit anzunehmen, die anderen wollen studieren, sie wollen Karriere als Staatsbeamter oder Filmregisseurin machen - oder sie wollen einfach ein Großstadtleben führen.

Nach dem Mittagsgebet geht Alfred meistens in eins der umliegenden Cafés. Ein Mittagessen dort ist sogar für einen Doktoranden erschwinglich und es ist nach islamischen Vorschriften zubereitet. Usbekische Teigtaschen und Milchtee vom Pamir-Gebirge – die Speisekarte ist eine kulinarische Reise durch die ehemalige Sowjetunion. Die meisten Gäste sind wie Alfred gerade aus der Moschee gekommen. Alles Männer bis auf eine junge Frau, die mit ihren Freunden an einem der Tische sitzt. In der Ecke ist hinter einem Tüllvorhang eine Gebetsnische eingerichtet, kaum so groß wie eine Dusche.

Vier Männer in schwarzen Lederjacken am Nachbartisch sehen sich laut ein Video auf dem Handy an. "Das müssen Kaukasier sein", sagt Alfred. In den meisten Moskauer Gaststätten hätten sich andere Gäste gestört und in ihren Vorurteilen bestätigt gefühlt. Die Menschen aus den armen Bergregionen des Kaukasus gelten als ungehobelte Draufgänger.

"Ich habe noch nie Islamfeindlichkeit direkt erlebt. Wie auch der Hass gegen Kaukasier, ist sie, glaube ich, meist unpersönlich. Sie bezieht sich nicht auf konkrete Menschen, die man persönlich kennt, sondern auf abstrakte Feindbilder. Und diese sind das Ergebnis gezielter Propaganda. Es gibt eine Tendenz zur Faschisierung der Bevölkerung, die sehr weit fortgeschritten ist."

In dem vielleicht beliebtesten russischen Film "Der Bruder" richtet der Held seine Pistole auf einen Kaukasier. Dabei sagt er einen inzwischen sprichwörtlich gewordenen Satz, den auch der islamische Rapper Dub Dervish am Anfang seines Songs zitiert.

"Du bist nicht mein Bruder!"

"Hier herrschen Rassentreue

Und orthodoxe Extremisten,

Mit ihrem Hass, ihrem Nazismus."

Der russisch-orthodoxe Glauben wird in Politik und Medien als die wahre Religion der russischen Nation dargestellt. Der Islam als die falsche. Zur Schau gestellte orthodoxe Kreuze im Ausschnitt sind richtig, muslimische Gebetsketten falsch.

"Junge Frauen, die ein Hidschab tragen, müssen sich tagaus, tagein Beleidigungen anhören. Sie werden in der U-Bahn als Terroristinnen beschimpft. Oder man sagt: Wieso kommt ihr nur alle hierher? Oder man wird bemitleidet: Wie haben sie dich eingehüllt, du Arme!

Seit dem Krieg in Tschetschenien, vor allem aber seit der Nationalismus sich zur Staatsdoktrin hochgemausert hat, fällt es Muslimen zunehmend schwer, sich als vollwertige Bürger Russlands zu fühlen. Immer mehr Menschen in den Regionen und Teilrepubliken wollen deshalb die Unabhängigkeit vom Kreml.

Russland vor religiöser Spaltung

An der Wolga denken Tataren und Baschkiren über eine gemeinsame Republik nach. Im Nordkaukasus hat der islamistische Untergrund bereits 2007 das Kaukasus-Emirat ausgerufen. Die öffentliche Befürwortung des Separatismus machte Präsident Putin zum Strafdelikt, der mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft wird.

Doch die Separatisten weisen auf die Krim und fordern dasselbe Recht auch für sich. Russland droht eine Spaltung entlang ethnisch-religiöser Grenzen. Die steigende Repression bleibt wirkungslos oder geht nach hinten los. Die ausgegrenzten Muslime radikalisieren sich und kämpfen im Untergrund für einen Gottesstaat. Heute rangiert im Global Terrorism Index Russland auf Platz neun.

"Russland ist unter den zehn am schwersten vom Terrorismus betroffenen Ländern das einzige Land mit einem oberen mittleren Pro-Kopf-Einkommen. Und die Zahl der Opfer von Terrorattacken steigt seit 2002. Von den Anschlägen, für die es Bekenner gab, wurde die Mehrheit von tschetschenischen Rebellen und dem Kaukasus-Emirat verübt."

Statt auf Integrationspolitik setzt der Kreml als Reaktion auf Polizeiterror und Hetze gegen angebliche Wahhabiten. Sehr gläubige Menschen werden schnell als Islamisten abgestempelt. Das spürt Alfred sogar in seiner ruhigen Heimat Tatarstan.

"Der Wahhabismus war in Tatarstan nie ein Problem, das Problem wurde gezielt durch die Medien aufgeblasen. Und dann wurde die islamische Gemeinde durch Verhaftungen verunsichert, sodass die Leute Angst bekamen, in die Moschee zu gehen."

Die überwiegende Zahl der russischen Muslime gehört zur traditionellen hanafitischen Richtung des Islam. Die Wahhabiten oder Salafisten sind in Tatarstan kaum vertreten. Diese wenigen Islamisten versuchen, sich gegen die Übermacht des traditionellen Islam durchzusetzen, auch mit den Mitteln des Terrors. Die Obrigkeit reagiert mit pauschaler Gewalt gegen alle Andersgläubigen.

"Menschen werden gefoltert – diese Situation ist absolut inakzeptabel! Das Problem des Wahhabismus wird maßlos übertrieben. Wenn ich in Tatarstan bin, sehe ich nichts dergleichen und kann nicht verstehen, warum darüber so viel geredet wird. Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber da vermute ich, dass die Ordnungshüter selbst dahinter stecken. Sie haben ein Interesse daran, für diese Aufgabe zusätzliche finanzielle Ressourcen und mediale Anerkennung zu bekommen. Ich selbst weiß, dass ich unschuldig bin. Sogar wenn sie mich zum Beispiel abhören würden, das wäre mir egal. Denn ich bin genauso ein Muslim wie Millionen anderer Muslime in Moskau."

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