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Startseite@mediasresKeine Einschränkungen für Nutzer, die nicht zustimmen31.05.2021

Neue Nutzungsbedingungen bei WhatsappKeine Einschränkungen für Nutzer, die nicht zustimmen

Whatsapp hat im Mai seine Nutzungsbedingungen geändert. Wer den neuen Regeln nicht zustimmt, muss wohl doch nicht mit Einschränkungen rechnen - der zu Facebook gehörende Messengerdienst hat eine dahingehende Ankündigung zurückgezogen. Ein Überblick.

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ILLUSTRATION - 17.09.2019, Hessen, Rüsselsheim: Das Logo der Messenger-App WhatsApp ist auf einem Display eines Smartphones zu sehen. Foto: Silas Stein/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance | Silas Stein | dpa)
Am 15. Mai hat Whatsapp seine Nutzungsbedingungen geändert (picture alliance | Silas Stein | dpa)
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Schon seit Jahren gibt es Kritik daran, dass Whatsapp eine Vielzahl von Nutzerdaten speichert. Besonders kritisch wurde daher auch das Update der Geschäftsbedingungen für die Nutzung von Whatsapp am15. Mai diskutiert. Die Whatsapp-Nutzerinnen und -Nutzer sollten zustimmen, dass der Messengerdienst seine Daten an Facebook-Unternehmen und -Dienstleister weiterleiten darf.

Wer den Nutzungsbedingungen nicht zustimmte, sollte mit Einschränkungen rechnen. Nach viel Kritik und einer Abwanderung der Nutzer, gab Facebook Ende Mai jedoch bekannt, auf die Einschränkungen verzichten zu wollen.

Was sind die Gründe für Facebooks Rückzieher?

Wer Whatsapp nutzt, wurde schon Anfang des Jahres dazu aufgefordert, den neuen Nutzungsbedingungen und der überarbeiteten Datenschutzrichtlinie bis zum 8. Februar 2021 zuzustimmen. In der Folge gab es jedoch massive Kritik und eine Abwanderungswelle. Nutzer verließen Whatsapp und gingen zur Konkurrenz.

Hier zeige sich, dass Whatsapp und Facebook ein "PR-Eigentor" geschossen hätten, sagte Simon Hurtz, Fachjournalist für Digitalthemen, im Deutschlandfunk: Man habe unterschätzt, wie groß der Widerstand und die Aufregung sein würden.

Daraufhin verschob der Messengerdienst die Einführung der neuen Regeln auf den 15. Mai 2021. Dabei hieß es, dass Nutzern, die dem Update nicht zustimmen, nach einigen Wochen mit Warnhinweisen der schrittweise Verlust wichtiger Funktionen drohe. Das nahm Facebook nun zurück: Es würden aufgrund der Aktualisierung weder Accounts gelöscht, noch die Funktionalität von Whatsapp eingeschränkt, heißt es laut dpa seitens Facebook. Stattdessen werde man diese Nutzer von Zeit zu Zeit an das Update erinnern.

Eine Person hält eine Handy in der Hand, auf dem Display vom Handy sind die neuen Nutzungsbedingungen, AGBs, von dem Messenger WhatsApp zu sehen sind (IMAGO / Fotostand) (IMAGO / Fotostand)Verbraucherschützerin: "Es ändert sich nicht viel, aber das ist keine Beruhigung" 
Dass Unterhaltungen auch weiterhin verschlüsselt sein sollen, sei ein "Ablenkungsmanöver", so Verbraucherschützerin Miriam Ruhenstroth. Beim Datenschutz blieben viele Fragzeichen.

Welche Datenschutzbedenken gibt es bei Whatsapp?

Das Unternehmen hat Zugriff auf Milliarden von Telefonnummern, Kontakten und Standortdaten. Darüber hinaus übertragen alle, die Whatsapp nutzen, automatisch die Rechte an den verschickten Bildern, Texten und Videos - und gewähren laut AGB "eine weltweite, nicht-exklusive, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung der Informationen". Whatsapp verweist darauf, dass diese Regelung nötig sei, um die Messengerdienste betreiben zu können.

Darüber hinaus können die Inhalte auch an andere Unternehmen weitergegeben oder auf anderen Plattformen veröffentlicht werden: "Whatsapp verwendet die ihm zur Verfügung stehenden Informationen und arbeitet auch mit Partnern, Dienstleistern und verbundenen Unternehmen zusammen".

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager im EU-Parlament am 18. Mai 2021 (AFP / POOL / Francisco Seco) (AFP / POOL / Francisco Seco)Vestager: "Steuergelder sollten da landen, wo Unternehmen ihr Geschäft betreiben" 
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Was ändert sich durch die neuen Nutzungsbedingungen?

Den neuen Geschäftsbedingungen nach soll Whatsapp seine Daten an Facebook-Unternehmen und Facebook-Dienstleister weiterleiten dürfen. Die Datensammlung, die das betrifft, ist äußerst umfangreich. Whatsapp erfasst nämlich unter anderem die Telefonnummer, das Mobilfunknetz, das Smartphone-Modell samt Betriebssystem, die Kontakte aus dem Adressbuch und Standortinformationen. Die Privatheit und die Sicherheit der persönlichen Chats mit Familie und Freunden sollen sich nach Angaben von Facebook aber nicht ändern.

Aktivisten des Kampagnennetzwerks Campact demonstrieren vor dem Sitz des Internet-Konzerns Facebook unter dem Motto "Stoppt den WhatsApp-Datenklau" gegen neue Nutzungsbedingungen der Kommunikations-App "WhatsApp". (dpa/picture alliance/Daniel Reinhardt) (dpa/picture alliance/Daniel Reinhardt)Neue Datenschutzbestimmungen bei WhataApp 
Die neuen Datenschutzbestimmungen von Whatsapp sind hochumstritten. Whatsapp-Nutzer stimmen dabei zu, dass ihre Daten an Facebook-Unternehmen und Facebook-Dienstleister weitergeleitet werden dürfen. 

Der Journalist Simon Hurtz betonte im Deutschlandfunk, dass sich insgesamt nichts Wesentliches ändere: "Innerhalb der EU ist es so, dass Whatsapp die Nutzungsbedingungen dahingehend überarbeitet, dass die Kommunikation mit Unternehmen ermöglicht wird, aber die normalen Nachrichten zwischen Nutzer*innen bleiben völlig unberührt davon." An Facebook fließen weiterhin ausschließlich Metadaten, die in der EU allerdings nicht für Werbezwecke ausgewertet werden dürfen.

Nutzerinnen und Nutzer außerhalb der EU seien stärker von den Veränderungen betroffen, so Hurtz. Deren Daten würden "sehr wohl dafür eingesetzt, zum Beispiel personalisierte Werbung zu schalten".

Was bezweckt Whatsapp mit den Änderungen?

Whatsapp bzw. die Konzernmutter Facebook wollen mit den Nutzungsbedingungen und der überarbeitete Datenschutzrichtlinie eine engere Verknüpfung der einzelnen Dienste (Facebook, Instagram und Whatsapp) ermöglichen – damit etwa eine direkte Kommunikation zwischen den Angeboten entsteht. Seit einiger Zeit ist das zwischen Facebook und Instagram bereits möglich.

Branchen-Insider gehen schon lange davon aus, dass Facebook seinen mit rund zwei Milliarden Kundinnen und Kunden beliebtesten Messenger langfristig auch als Plattform für Werbung nutzen will. In Ländern außerhalb der EU dürfte die neue Datenschutzrichtlinie das zur Folge haben.

Seit Facebook 2014 Whatsapp übernommen hat, nähern sich die Dienste immer weiter an. Seit 2016 erlaubt die Datenschutzrichtlinie die Weitergabe von Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook – dem kann man in Europa jedoch aufgrund der Datenschutzgrundverordnung widersprechen.

Eine Hand hält ein Smartphone, wo die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp zu sehen sind (Deutschlandfunk / Michael Borgers) (Deutschlandfunk / Michael Borgers)Warum die neuen Facebook-Regeln in der EU nicht greifen
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Welche Alternativen gibt es?

Zu den wichtigsten Whatsapp-Alternativen zählen Signal, Threema und Telegram.

Allerdings gibt es auch hier deutliche Unterschiede bei der Datensicherheit: Bei Telegram etwa ist die Verschlüsselung weniger umfassend. Die App wird oft auch von Kriminellen und zum Verbreiten von Verschwörungserzählungen genutzt. Doch im Zuge der Corona-Pandemie sind auch über Whatsapp vermehrt Falsch-Nachrichten aufgetaucht.

Quellen: Simon Hurtz, Whatsapp, dpa, Peter Welchering

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