Samstag, 22.09.2018
 
Seit 20:05 Uhr Hörspiel
StartseiteSport AktuellKorruption kein Strafbestand mehr14.08.2018

Neuer FIFA-EthikkodexKorruption kein Strafbestand mehr

Der Weltfußballverband FIFA hat seinen Ethikkodex angepasst. Korruption ist darin neuerdings kein Strafbestand mehr. Bestechungen und Spielmanipulationen können nur zeitlich beschränkt untersucht werden.

Von Dietrich Karl Mäurer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der WM-Abschluss-Pressekonferenz im Lushniki Stadion in Moskau.  (imago sportfotodienst)
FIFA-Präsident Gianni Infantino (imago sportfotodienst)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Korruption Ermittlungen gegen Kolumbiens Verbandschef

Fußball-WM 2022 Sabotage-Vorwürfe gegen Katar

FIFA-Prozess Warten auf das Strafmaß

WM-Bilanz Die FIFA feiert sich

Als Gianni Infantino an die Spitze der FIFA gewählt wurde, hofften viele, der neue Präsident des Fußballweltverbands würde den Korruptionssumpf austrocknen. Nun gelten seit dem Wochenende neue Ethik-Richtlinien - veröffentlicht auf der Webseite des Verbandes.

Das Wort Korruption findet sich in dem Text nicht mehr. Die Nachrichtenagentur AP kommentierte diesen Fakt sarkastisch mit den Worten: "Die FIFA hat die Korruption offiziell ausgerottet. Alles, was es dazu brauchte, war ein Druck auf die Löschtaste." Und weiter schreibt die Agentur: Die Entscheidungen den Begriff in dem Text zu streichen, seien in geheimen Treffen gefällt worden. Die neue Fassung der Ethik-Richtlinien - die dazu dienen sollen, Korruption und Bestechung zu bekämpfen - würden noch mehr Fragen aufwerfen.

Bestechung nach zehn Jahren verjährt

So sollen Fälle von Bestechung, Veruntreuung und Manipulation von Fußballspielen oder Wettbewerben nach Ablauf von zehn Jahren nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Bislang wurde in jedem Bestechungsfall - ohne zeitliche Beschränkung - ermittelt.

Und noch eine Änderung im überarbeiteten Ethikkodex lässt aufhorchen. So verbieten die Richtlinien auch verbandsinterne Kritik. Wer als Person an den Kodex gebunden ist und - Zitat - "diffamierende öffentliche Erklärungen" abgibt, kann für bis zu fünf Jahre von jeglichen Fußball-bezogenen Aktivitäten ausgeschlossen werden.

FIFA weist Kritik zurück

Die FIFA wies die Darstellung der Agentur AP zurück. Sie spricht von wegweisenden Änderungen hin zu mehr Transparenz, Rechtssicherheit und hin zu einem möglichst effizienten Verfahren. Das Wort Korruption sei aus Gründen der sprachlichen Klarheit gestrichen worden, entsprechende Vergehen seien jedoch weiterhin strafbar. Der Kodex sehe nun sogar Mindeststrafen vor. Und in der französischen Textfassung sei das Wort Korruption weiterhin enthalten.

Die Verfolgung von Bestechung zeitlich zu beschränken, entspreche dem allgemeinen Rechtsgrundsatz der Verjährung. Und schließlich: der Verleumdungsartikel diene nicht nur dem Schutz der FIFA, sondern jeder anderen Person, die unter den Kodex fällt. Im übrigen - so heißt es vom Fußballweltverband - enthalte der neue Kodex eine Reihe wichtiger Änderungen, die die Arbeit der Ethikkommission stärken und der Fifa helfen würden, die Integrität und das Ansehen des Fußballs weltweit zu wahren. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk