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Startseite@mediasresFacebook holt (fast) alle an Bord02.03.2021

Neues News-AngebotFacebook holt (fast) alle an Bord

Facebook will im Mai in Deutschland sein neues Nachrichtenangebot starten. Mit Facebook News wolle man Verlage und Redaktionen unterstützen, teilte das US-Unternehmen mit. Dennoch machen nicht alle mit. Die Kritik ist die gleiche wie schon beim Google News Showcase.

Text von Michael Borgers / Stephanie von Unruh im Gespräch mit Annika Schneider

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Ein großes Schild, das Facebook zeigt und sein Daumen-Symbol (picture alliance/AP Photo | Ben Margot)
Ab Mai sollen in Deutschland will Facebook von Menschen kuratierte Nachrichteninhalte anbieten (picture alliance/AP Photo | Ben Margot)
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Für CNN Business war nicht die Ankündigung selbst, sondern die Reaktion des Verlags Axel Springer das Thema: Facebook starte sein Nachrichtenprodukt in Deutschland ohne diesen deutschen "Medienriesen", hieß es im Bericht der US-Webseite. Springer werde nach eigenen Angaben wegen der "unangemessen niedrigen Vergütung" für journalistische Inhalte nicht teilnehmen.

Zuvor hatte Facebook bekanntgegeben, Facebook News mit einer "großen Bandbreite an führenden Verlagen und Medienmarken" in Deutschland im Mai zu starten. In seiner eigenen Pressemitteilung zählt das Unternehmen deutschlandweite Marken wie "Zeit", "Spiegel" oder "Frankfurter Allgemeine", aber auch regionale wie "Rheinische Post", die Mediengruppe Oberfranken oder die Nordwest-Zeitung.

In den USA läuft die Zusammenarbeit schon

Man werde Verlage und Medien dafür bezahlen, "die von ihnen bereits auf unserer Plattform veröffentlichten Nachrichten um zusätzliche Inhalte zu ergänzen", so Facebook. Außerdem schaffe man "weitere Möglichkeiten, um aus Traffic Werbeeinnahmen und Abonnements zu generieren". Den Wert dieses Traffics für Verlage in den USA schätze man auf neun Milliarden US-Dollar.

In den USA läuft Facebook News bereits seit Juni 2020. Wenig später hatte das Unternehmen angekündigt, sein Angebot auch in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Indien und Brasilien auf den Markt bringen zu wollen.

"Identifizierung glaubwürdiger Nachrichteninhalte"

In Deutschland arbeitet Facebook noch an den Strukturen für das Angebot: Unter anderem über das Karrierenetzwerk LinkedIn bietet das Unternehmen zur Zeit Journalistinnen und Journalisten Jobs für die Redaktion an, die in Hamburg entstehen soll.

Es gehe um die "Identifizierung von glaubwürdigen Nachrichteninhalten, das Treffen von redaktionellen Entscheidungen und die Reaktion auf Eilmeldungen", heißt es in der Stellenausschreibung.   

Facebook steht immer wieder in der Kritik, der Verbreitung von Desinformation Tür und Tor zu öffnen. Bislang regeln Algorithmen die Ausspielung von Inhalten in die Profile von Userinnen und User, auch die von redaktionell-nachrichtlichen.

Kritik wie beim Google News Showcase

Facebook News gleicht dem Modell des Google News Showcase, bei dem auch Verlage und Redaktionen finanziell gefördert werden, aber keine konkreten Zahlen dieser Zusammenarbeit genannt werden.

"Die Summen, die Facebook und Google uns zahlen, sind nicht so hoch, dass wir von ihnen abhängig werden könnten", teilte die taz mit, die bei Facebook News mitmacht. Auch hätten weder Google noch Facebook Einfluss auf die Berichterstattung, sie würden "lediglich die Plattform für unsere Texte stellen".

"Für uns rechnet sich das auf jeden Fall", sagte Stephanie von Unruh, Geschäftsführerin der ebenfalls beteiligten Nordwest Mediengruppe (NWM) und der "Nordwest-Zeitung" ("NWZ") im Deutschlandfunk. Genaue Zahlen wollte von Unruh nicht nennen. Inhaltlich würde Facebook keinen Einfluss nehmen: "Das ist für ein wichtiges Kriterium in der Erarbeitung der Kooperation gewesen, dass wir natürlich dort frei sind, unsere Artikel bzw. auch nur den Link auf die Headline und maximal ein Bild oder in einer weiteren Ausbaustufe einen Teaser zur Verfügung zu stellen." Man setze schon jetzt und weiterhin einen Fokus auf Bezahlinhalte. 

Warten auf neues Urheberrecht 

Der Medienkonzern Springer hatte Google bereits beim News Showcase eine Absage erteilt mit dem Verweis auf eine "wirkungsvolle Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie". Man setze auf ein "europäisches Copyright, das transparent alle Verlage an einer angemessenen Vergütung teilhaben lässt", begründete nun ein Unternehmenssprecher die Absage an Facebook. Und auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) wiederholte seine bereits an Google gerichtete Kritik, Gelder würden nach "Gutsherrenart" verteilt.

  (imago/ Rafael Henrique) (imago/ Rafael Henrique)Google News Showcase
Rund 855 Millionen Euro will Google in den nächsten drei Jahren an Medienunternehmen weltweit zahlen. Deren Inhalte will der Tech-Konzern dafür in seinem "News Showcase" anbieten. Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender Streit mit einigen Verlagen.

Bis zum 7. Juni 2021 – also einen Monat nach dem Start von Facebook News – muss Deutschland die neue EU-Richtlinie zum Urheberrecht umzusetzen.  Damit sollten die Regeln den digitalen Entwicklungen gerecht werden. Dazu gehört auch, wie Google und Facebook angemessen für journalistische Inhalte zahlen.

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