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Neues Programm des Kabarettisten Robert Griess"Hauptsache, es knallt!"

Es kracht und scheppert an allen Ecken und Enden der Welt. Wie treffend, dass das neue politische Kabarett Programm des Kölner Kabarettisten Robert Griess "Hauptsache es knallt!" heißt. Am 17. Februar feierte es im Düsseldorfer Kommödchen seine Premiere. Und punktete nicht mit Knallern sondern mit den leisen Zwischentönen.

Von Daniela Mayer | 20.02.2017

Der Kölner Kabarettist und Autor Robert Griess.
Der Kölner Kabarettist und Autor Robert Griess. (imago / Rainer Unkel)
Knalliger Einmarsch zu Rammstein im Düsseldorfer Kommödchen. Auf der Bühne singt und marschiert sich Robert Griess zum Takt der wummernden Bässe für die Premiere seines neuen Programms ein.
Wer ihn nicht kennt, Robert Griess, das ist dieser
"Kabarettist aus dem Bionade Ghetto"
Also bitte
"Dieser abgebrochene Waldorfstudent"
Jetzt reicht's aber. Ruhe! Obwohl. Der darf das. Stapper heißt er.
"Ja ich bin echter Kölscher Assi Adel"
Und Robert Griess alter Ego. Ein Fußball Fan aus bestem Prekariat, mit goldener Jacke und markanten Sprüchen:
"Pass auf, jetzt wird’s relevant."
Politischer Lieblings-Antiheld
Der Stapper ist schon seit Jahren einer von Robert Griess beliebtesten Figuren, auch bei der Premiere am Freitag im ausverkauften Düsseldorfer Kommödchen. 20 Minuten dauert es bis der Kölner Kabarettist seinen Lieblings-Antihelden auf die Bühne lässt. Und der pöbelt dann prompt das trotz Rammstein leicht vor sich hin dümpelnde Premieren Publikum aus den plüschigen Sitzen.
"Komm Sie halten sich doch für das kritische Milieu, Sie sind doch die Leute, die im Café unterm Heizpilz zur französischen Chanson sich den Kapitalismus mit Rhabarbersaftschorle schön trinken."
Vorher hielt sich die Begeisterung eben dieses Klientels noch stark in Grenzen. Sowohl bei Robert Griess expressiven Intro, als auch bei seinen ambitionierten Gesänge gegen die FDP und seinem, zugegeben etwas sehr boulevardesken Ausblick auf Deutschland unter Kanzler Dieter Bohlen. Gut, dass sich Stapper im neuen Programm von seiner inhaltlich und politisch besten Seite zeigt:
"Ich sag euch mal was. Aus Angst vor sozialem Abstieg AFD zu wählen, das ist als würdest du dein Geld verbrennen aus Angst, es könnte jemand klauen."
Griess: "Mir war es ein Anliegen mit der Figur auch rein zu gehen und zu zeigen: Nein, wir lassen uns nicht ausspielen, Arme gegen noch Ärmere und Schwächere gegen noch Schwächere sondern Solidarität, das hat er so auseinanderklamüsert."
Bekannte Themen und Feindbilder
Die überraschend wenig stereotypen Figuren wie Stapper sind in "Hauptsache es knallt" wieder Robert Griess Stärken. Auch andere alte Bekannte tauchen auf. Der friedensbewegte Grüne Theo zum Beispiel, der sich ganz Öko-Mittelstands - und selbstgerecht mehr über die SUV fahrende Ehegattin als über das Weltgeschehen echauffiert.
Ein wenig anachronistisch wirkt allerdings die für Robert Griess auch typische Kapitalismus- und Neoliberalismuskritik. Wie ein etwas schlaff gewordener roter Faden zieht sie sich auch durch das neue durch Programm. Gewohnt fest gemacht an bösen Bankern, Lobbyisten und überbezahlten Managern, wie der ja durchaus aktuelle Winterkorn. Aber leider auch an kaum noch relevanten Charity Ladies wie Ute Ohoven. Alles Themen und Feindbilder, die man schon aus Robert Griess vorherigen Programmen kennt und durchaus zu schätzten weiß. Die allerdings angesichts der akuteren Problematik eines weltweiten Rechtspopulismus, nicht gerade frisch und krachend um die Ecke kommen.
Griess: "Ich finde aber, die wahren Probleme, die kommen trotzdem daher. Auch der Sozialneid, auch der Neid meinetwegen wenn Arbeitslose sagen, die Flüchtlinge kriegen alles in den Arsch geschoben und wir nichts. Das ist auch alles eine Folge von neoliberalen Maßnahmen und das ist auch eine Folge davon, dass die Sozialsysteme immer weiter runter gefahren werden. Die soziale Frage, die darf man halt nicht ausklammern. Die kommt aber medial total aus dem Fokus. Und deswegen möchte ich das eben weiter auch thematisieren."
Originell und trotzdem aktuell
Tatsächlich kommen dagegen die derzeit medialen Knaller, die Lieblinge der Satire, die Pointen und Gags über die Auswüchse der Trumps, der Höckes und Petrys, für ein aktuell politisches Programm noch überraschend kurz. Aber auch dafür hat Robert Griess seine guten Gründe.
Griess: "Es sind einmal die Themen, die es schwierig machen. Aber auf der anderen Seite auch, dass im Moment so viel Kabarett oder politische Comedy im Fernsehen auch läuft. Und da sind alle naheliegenden Witze schon gemacht. Deswegen versuche ich immer Zugang zu den Themen zu finden, die man im Fernsehen halt nicht sieht."
Das gelingt zum Beispiel sehr gut in Form eines originellen Dramas im zweiten Teil. Überhaupt sind es diese formal überraschenden Momente, die im neuen Programm am besten funktionieren. Sein Lied Mittelmeer zum Beispiel berührt. Weil es politisch aktuell ist, dicht am Zeitgeschehen und trotzdem nicht mainstreamig und krachend.
"Mal Urlaub machen vom Weltverbessern. Hier im Club Med kann ich alles vergessen. Ibiza All-Inclusive, auf Rhodos glücklich sein. Die Ertrunkenen höre ich beim Cocktail nicht mehr schreien."
Und so wünscht man sich am Ende der Premiere, zwischen den gut eingespielten Figuren, einfach noch ein bisschen mehr. Mehr von diesen tiefgründigen, formal originellen und trotzdem aktuellen Momenten. Oder einfach nur ein bisschen mehr Mittelmeer.
"Immer mehr vom Mittelmeer. Mittelmeer, das Leben hier ist leicht, nicht schwer."