Dienstag, 06. Dezember 2022

Hockey-Nationalspielerin Lorenz zur "One Love"-Debatte
"Es geht um Menschenrechte, nicht um Gelbe Karten"

Hockey-Nationalspielerin Nike Lorenz hat während der Olympischen Spiele in Tokio erfolgreich für das Tragen der Regenbogenbinde gekämpft. Mit dem Verbot der "One Love"-Binde" habe die FIFA ein Zeichen gegen die Werte der Regenbogenbinde gesetzt, sagte Lorenz im Dlf.

Nike Lorenz im Gespräch mit Maximilian Rieger | 23.11.2022

Hockey-Nationalspielerin Nike Lorenz
Hockey-Nationalspielerin und Vorkämpferin gegen Diskriminierung : Nike Lorenz (IMAGO / ANP)
Viel wurde geredet und debattiert über Zeichen oder nicht Zeichen, über Regenbogenbinden und Stellungsnahmen während der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Auch bei anderen Sportarten sind politische Zeichen während der Wettkämpfe nicht unumstritten. Die deutsche Hockeyspielerin Nike Lorenz hat sich vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Tokio das Recht, erkämpft eine Regenbogenkapitänsbinde zu tragen.

Lorenz: "FIFA setzt Zeichen gegen Werte der Regenbogenbinde"

Bei der Debatte um die "One-Love"-Binde, die von der FIFA nach Beginn der WM verboten wurde, sieht Lorenz nicht das autokratisch regierte Katar als Urheber. Die FIFA sei es, die sich wie eine Diktatur verhalte, sagte Lorenz im Deutschlandfunk, indem sie Regeln nicht offen lege. Der Weltfußballverband, so Lorenz, sei in einer Machtposition und zeige deutlich auf, welches Zeichen er setze wolle: nämlich eins gegen die Werte der Regenbogenbinde.
Gleichzeitig sieht sie aus ihrer Perspektive als Sportlerin auch die Unverhältnismäßigkeit, was angedrohte Sanktionen angeht. Auf die Frage, wie sie bei Strafen gegen ihre Mannschaft reagiert hätte, antwortete sie, dass sie sich das mit der Regenbogenbinde in Tokio überlegt und vermutlich nicht gemacht hätte. So wie die Diskussion gerade laufe, werde der Kampf um Werte und Normen komplett auf die Schultern der Sportler und Sportlerinnen übertragen, so Lorenz, dies findet sie nicht fair.

"Umstände in Katar viel extremer als in Japan"

Die Umstände in Katar seien auch andere, extremer für die Fußballer, als die Umstände während der Olympischen Spiele in Tokio. Die Situation sei so aufgeladen, so Lorenz, dass jetzt eine Stellungnahme der Nationalmannschaft und der einzelnen Sportler noch einmal viel mehr Bedeutung hätte, viel extremer und viel wertvoller sei. Gleichzeitig sei es eben auch problematischer, ein Zeichen in einem Emirat wie Katar zu setzen als in einem demokratischen Staat wie Japan oder Deutschland.

Lorenz: Iranische Nationalmannschaft – das Mutigste der Welt

Im Gespräch machte die Hockey-Nationalspielerin auch deutlich, was für ein Privileg es sei, sich als europäische Sportlerin oder Sportler zu solchen Themen äußern zu können. Sie machte den Vergleich zur iranischen Nationalmannschaft auf. Für das Nicht-Singen der Hymne drohe den Fußballern in der Heimat Konsequenzen. Man müsse sich, so Lorenz, immer wieder verdeutlichen, um was es bei der Regenbogenbinde eigentlich gehe: Menschenrechte. Und nicht etwa gelbe Karten oder Punktverluste.