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StartseiteWirtschaft und GesellschaftÖkostromzulage steigt nur wenig14.10.2011

Ökostromzulage steigt nur wenig

Kaum Mehrkosten für Verbraucher und Industrie

Der Umstieg auf Erneuerbare Energien kostet Geld: Betreiber von Windparks oder Solaranlagen bekommen für ihren produzierten Strom mehr als den eigentlichen Marktpreis - die sogenannte EEG-Umlage: Diese Ökostrom-Einspeisungsgebühr wird regelmäßig angepasst. Der befürchtetet Preissprung blieb diesmal aus.

Von Vincent Neumann

Windkraftanlagen liefern Öko-Strom. (AP)
Windkraftanlagen liefern Öko-Strom. (AP)

Die Sorge war groß: Bereits für dieses Jahr mussten Verbraucher einen Anstieg der Ökostromumlage von rund zwei auf 3,53 Cent pro Kilowattstunde verkraften. Eine Steigerung um mehr als 70 Prozent. Grund war vor allem die deutliche Zunahme an Photovoltaikanlagen, für deren Strom jeder Betreiber eine Einspeisevergütung erhält. Auch für das kommende Jahr waren deshalb deutlich höhere Öko-Kosten befürchtet worden, zumal der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im ersten Halbjahr 2011 deutlich von 17 auf rund 20 Prozent gesteigert wurde. Doch heute kam die Entwarnung: Zumindest kurzfristig steigt die EEG-Umlage nur leicht – der Verbraucher zahlt 0,062 Cent mehr pro Kilowattstunde. Bei einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt also gerade mal 18 Cent pro Monat. "Die Maßnahmen zur Kostenbegrenzung zeigen Wirkung", sagt deshalb Bundesumweltminister Norbert Röttgen, doch die Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages, Eva Bulling-Schröter von den Linken, kommt zu einem anderen Urteil.

"Ich find jetzt die EEG-Umlage erstmal moderat – da gab es ganz andere Zahlen. Aber sie könnte wesentlich niedriger sein, ich sag mal für Otto Normalverbraucher und -verbraucherin, wenn nicht die Industrie massiv privilegiert würde. Und das würde insgesamt sogar 1,2 Cent pro Kilowattstunde ausmachen."

Bei einigen Firmen mit sehr hohem Stromverbrauch soll es mittlerweile sogar üblich sein, sich in Kraftwerke einzukaufen, um selbst als – von der EEG-Umlage befreiter –Stromerzeuger zu gelten. Nur eine von zahlreichen Ausnahmeregelungen für die Industrie, die eine geringere Umlage für den Privatkunden erschweren. Doch auch ein Zuwachs der Erneuerbaren Energien könnte die Kosten drücken, sind Energie-Experten überzeugt.

"Wenn immer mehr regenerative Energien ans Netz gehen, dann werde, ich sag mal so: die alten Gurken wie alte Kohle- und Ölkraftwerke abgeschaltet, die sehr teuer sind, einen niedrigen Effektivitätsgrad haben, und dadurch wird sich auch der Strompreis etwas nach unten verlagern. Das gibt auch die Bundesregierung zu."

Die Bundesregierung hatte zuletzt betont, dass die Energiewende nicht auf Kosten der Verbraucher gehen dürfe. In der Energie-Branche wird deshalb jetzt auch von einer "politischen Umlage" gesprochen – die Regierung habe ein Interesse daran gehabt, die Umlage nicht zu stark steigen zu lassen. Gerade Verbraucherschützer warnen schon länger vor rasant steigenden Kosten. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Joachim Pfeiffer, kritisierte unlängst, man habe bereits die höchsten Strompreise in Europa. Und auch bei der SPD sorgt man sich um die Entwicklung auf dem Energiemarkt. Beim Symposium in Gedenken an den vor einem Jahr verstorbenen alternativen Nobelpreisträger Hermann Scheer mahnte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel dazu, jetzt auch die nächsten Schritte anzugehen.

"Es gibt eine große Befriedigung darüber, dass die Abkehr von der Atomenergie gelungen ist. Nur die große Sorge, die ich habe, ist, dass viele Menschen glauben – insbesondere auch in den Parlamenten, aber nicht nur da – dass mit den Gesetzesüberschriften nun sozusagen die Arbeit getan sei und der Rest von alleine kommt. Aber klar ist auch, dass diese Energiewende nur gelingt, wenn wir sie konsequent und entschlossen anpacken."

Und das wollen anscheinend auch die Verbraucher: Nach einer aktuellen Umfrage halten fast 80 Prozent aller Bürger die momentane EEG-Umlage für angemessen oder sogar zu niedrig.

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