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StartseiteSport am Wochenende"Laschets Geschichtsbewusstsein finde ich ungeheuerlich"28.02.2021

Olympia 2036"Laschets Geschichtsbewusstsein finde ich ungeheuerlich"

Olympia 2032 an Rhein und Ruhr scheint gescheitert. Das IOC präferiert Queensland in Australien. Die Nonchalance, mit der CDU-Chef Armin Laschet eine Bewerbung für 2036 ins Spiel brachte, schreckt den Sporthistoriker Lorenz Peiffer ab. Für Spiele 100 Jahre nach 1936 bräuchte es Aufarbeitung, so Peiffer im Dlf.

Lorenz Peiffer im Gespräch mit Marina Schweizer

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Armin Laschet spricht in ein Mikrofon. (picture alliance/dpa/|Federico Gambarini)
Armin Laschet (CDU), bei den Beratungen über Olympische und Paralympische Spiele 2032 (picture alliance/dpa/|Federico Gambarini)
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"Ich finde das Geschichtsbewusstsein, das Herr Laschet an den Tag legt, ungeheuerlich", sagt Sporthistoriker Lorenz Peiffer im Dlf. Für ihn ist vor allem die Art und Weise erschreckend, mit der NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet eine erneute Bewerbung für 2036 in Erwägung zog.

Laschet sagte: "Die Botschaft, die diese Spiele haben, sind ja auch eine inhaltliche Botschaft. Die Welt ist eine andere, 100 Jahre nach den Spielen von '36. Und dies zu zeigen, dies sichtbar zu machen, das ganze größere, inhaltliche Konzept mit diesen Spielen zu verbinden, würde bei jeden Spielen in den 30er-Jahren passen: '32 und '36."

Sporthistoriker Lorenz Peiffer im Studio des DeutschlandfunksSporthistoriker Lorenz Peiffer

Für Peiffer beachtete Laschet dabei zu wenig, unter welchen Umständen die Spiele 1936 stattfanden: Die 1930er Jahre sind für ihn "gekennzeichnet durch einen Zivilisationbruch, sind gekennzeichnet durch die Abschaffung humanistischer Werte und Moralvorstellungen."

Historisches Datum auch als Chance nutzbar.

Dabei ist Peiffer kein genereller Gegner von Spielen in Deutschland 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von 1936. Unter gewissen Bedingungen:

"Ich denke, man müsste dann im Vorfeld auch mal deutlich sagen: ‚die Spiele '36 haben, in dem und dem Rahmen in Deutschland stattgefunden.' Und dieser Rahmen war gekennzeichnet durch eine faschistische Diktatur, durch die Selbstgleichschaltung des Sports mit den Grundsätzen des Nationalsozialismus, mit der Frage des Rassismus, mit der Frage von Führertum, also Abschaffung sämtlicher demokratischer Strukturen, mit Militarismus…", sagt Peiffer.

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"Zeigen: Wir haben aus der Geschichte gelernt"

"Wenn man das mal deutlich machen würde, würde man sagen: 'Okay, wir nutzen das auch als Chance, mal deutlich zu machen, was in dieser Zeit passiert ist.' Und dann kann man ja im nächsten Schritt sagen: 'So Leute, schaut, wie sich sowohl Deutschland wie sich auch der Sport in Deutschland in der Nachkriegszeit dann verändert hat.' Ich finde, das wäre ein reelles Anliegen. Aber nicht einfach so zu tun: 'Ok, '36 war ja mal. Und hundert Jahre später kann man es dann auch noch mal wieder in Deutschland durchführen.'"

Diese Prämisse könne sogar dazu führen, dass Deutschland demonstrieren könnte, dass man aus der Geschichte gelernt habe. Dann könnte sich Peiffer sogar erneut Spiele in Berlin vorstellen. Als Gegenargument gegen Rhein und Ruhr will der Sporthistoriker das allerdings nicht verstanden wissen.

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