
PFAS (per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) begegnen uns täglich, ohne dass wir es merken. Sie stecken unter anderem in Lebensmittelverpackungen, Kleidung, Kosmetik oder Zahnseide. Mehr als 10.000 dieser künstlich hergestellten Stoffe gibt es insgesamt. Und weil sie kaum abgebaut werden, nennt man sie auch Ewigkeitschemikalien. Längst finden sich PFAS in Böden, in der Luft, in unserer Nahrung und sogar im Trinkwasser. So gelangen sie auch in unsere Körper und reichern sich dort an.
Inhalt
- Welche Produkte enthalten PFAS?
- Wie gelangen die Ewigkeitschemikalien in den menschlichen Körper?
- Welche gesundheitlichen Auswirkungen werden mit PFAS in Verbindung gebracht?
- Welche Rolle spielen Ernährung, Wohnort und Beruf bei der Belastung?
- Wie lassen sich PFAS im eigenen Körper messen und kann man sie aktiv reduzieren?
Welche Produkte enthalten PFAS?
Überall dort, wo etwas besonders gut gegen Nässe, Fett oder Schmutz geschützt sein soll, können PFAS im Spiel sein. Denn die Chemikalien sind schmutz-, fett- und wasserabweisend. Genau das macht sie auch so praktisch.
So finden sie sich zum Beispiel in Funktionskleidung, Backpapier, Zahnseide, Kosmetikprodukten und beschichteten Pfannen. Auch in Verpackungen können sie vorkommen, etwa in der glänzenden Innenschicht von Coffee-to-go-Pappbechern oder anderen beschichteten Fast-Food- und Lebensmittelverpackungen. In Gebäuden können ebenfalls PFAS stecken, zum Beispiel in Beschichtungen, Imprägnierungen, Teppichböden, Klebstoffen und anderen Baustoffen.
Eine wichtige Rolle spielten PFAS lange auch im Feuerlöschschaum. Solche Schäume wurden früher bei Bränden und Feuerwehrübungen eingesetzt. Inzwischen ist ihr Einsatz allerdings stark eingeschränkt; in fünf bis zehn Jahren sollen PFAS in Löschmitteln vollständig verboten sein. Doch über Jahre gelangten die Chemikalien auf diese Weise in Böden und ins Grundwasser und von dort teilweise auch ins Trinkwasser. Durch Einsätze und Übungen mit PFAS-haltigem Löschschaum sind etwa nahezu alle Flughäfen in Deutschland bis heute belastet.
Wie gelangen die Ewigkeitschemikalien in den menschlichen Körper?
PFAS wurden bereits in Böden, Gewässern und sogar im Meeresschaum von Nord- und Ostsee nachgewiesen. Sie gelangen in Tiere und Pflanzen und schließlich auch in unsere Nahrung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt, dass Menschen PFAS vor allem über Lebensmittel aufnehmen, besonders über Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Der Grund: Die Chemikalien lagern sich im Fettgewebe der Tiere an. Aber auch in Obst und Gemüse finden sich PFAS, wenn auch meist in geringeren Konzentrationen.
Wie verbreitet PFAS inzwischen sind, zeigt auch ein Test der Naturschutzorganisation BUND aus dem Jahr 2025: Von 46 untersuchten Trinkwasserproben waren nur vier frei von nachweisbaren PFAS. Auch in Mineralwasser wurden die Stoffe gefunden, in drei von fünf getesteten Marken.
Das Problem mit den Ewigkeitschemikalien könnte aber noch viel größer sein als bislang angenommen, warnt der Chemiker Jörg Wohlgemuth. Denn PFAS seien auch im Hausstaub und im Schwebstaub nachweisbar, den man über die Luft aufnehmen könne. „Und es sieht wohl so aus, dass dabei durchaus gesundheitsrelevante Konzentrationen entstehen können.“
Bei Alltagsprodukten ist die Lage weniger eindeutig. Solange etwa die Beschichtung einer Pfanne intakt bleibt und sie normal genutzt wird, besteht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr. „Das Problem ist aber die Herstellung und auch die Entsorgung der Pfanne. Denn dabei können die PFAS in die Umwelt gelangen und dann über das Essen auch wieder zurück in unseren Nahrungskreislauf“, erklärt Janna Kuhlmann vom BUND.
Welche gesundheitlichen Auswirkungen werden mit PFAS in Verbindung gebracht?
Ganz geklärt ist noch nicht, was jede Einzelne der mehr als 10.000 PFAS-Verbindungen im Körper genau anrichtet. Doch für einige ist nachgewiesen, dass sie krank machen können und teilweise krebserregend sind. PFAS werden auch mit einer geschwächten Immunantwort, möglichen Nierenschäden und veränderten Cholesterinwerten in Verbindung gebracht. Viele Auswirkungen sind jedoch noch nicht vollständig erforscht. Gerade weil die Stoffe in Umwelt und Körper verbleiben, gilt ihr Risiko als schwer kontrollierbar.
Die Stoffe wurden auch schon in der Plazenta und in der Muttermilch nachgewiesen. Für Neugeborene könnte das laut Umweltbundesamt unter anderem eine geringere Reaktion auf Impfungen und eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten bedeuten. Luise Körner vom BUND betont aber, dass Stillen trotzdem vielmehr Vor- als Nachteile hat.
Doch für viele PFAS gibt es noch keine Daten, wie sie sich auf die Gesundheit auswirken. Das Umweltbundesamt warnt davor, fehlende Daten mit fehlender Gefahr zu verwechseln. „Nur weil man bei den einen noch nicht so genau weiß, was für gesundheitliche Auswirkungen es hat, kann man jetzt nicht sagen: No data, no problem“, sagt Wiebke Drost, Chemikerin beim Umweltbundesamt.
Welche Rolle spielen Ernährung, Wohnort und Beruf bei der Belastung?
Die Ewigkeitschemikalien lassen sich inzwischen bei nahezu allen Menschen im Blut nachweisen. In Europa sind die Werte vielerorts sehr hoch. Selbst Stoffe wie POS, PFOS und PFHxS, die in der EU teils schon seit Jahren verboten sind, finden sich noch immer im Körper, weil sie nur sehr langsam abgebaut werden.
Doch nicht alle tragen gleich viel davon in sich. Wie stark jemand belastet ist, hängt unter anderem von der Ernährung ab. Weil sich PFAS besonders in tierischen Lebensmitteln anreichern, können Menschen, die vegetarisch oder vegan leben, tendenziell niedrigere Werte aufweisen.
Auch der Wohnort ist entscheidend: In Regionen mit belastetem Trinkwasser oder ehemaligen Einsatzorten von Löschschaum kann die Aufnahme höher sein. Im Rahmen des „Forever Pollution Projects“ wurden allein in Deutschland mehr als 1.500 PFAS-belastete Orte identifiziert, darunter über 300 Hotspots mit erheblichen Gefahren für die menschliche Gesundheit.
Auffällig ist außerdem, dass vor allem ältere Männer besonders hohe PFAS-Werte im Blut haben. Der Grund ist laut Luise Körner vom BUND vor allem, dass sie den Stoffen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt waren. Denn PFAS sammeln sich im Laufe der Zeit im Körper an und werden nur langsam wieder ausgeschieden, zum Beispiel über den Urin. Bei Frauen gibt es zusätzliche Wege, PFAS wieder loszuwerden, etwa über die Menstruation und über die Muttermilch. Doch so können die Stoffe an das Kind weitergegeben werden.
Wie kann man PFAS vermeiden?
PFAS gezielt aus dem Körper zu bekommen, ist kaum möglich. Aber man kann versuchen, weniger neue Stoffe aufzunehmen. Dabei helfen schon ein paar einfache Schritte im Alltag: möglichst weniger Einwegverpackungen benutzen und lieber zu Mehrweg greifen, bei Pfannen eher Edelstahl oder Gusseisen wählen und bei Kosmetika genauer auf die Inhaltsstoffe schauen. Tauchen dort Begriffe wie „fluoro“ oder „PTFE“ auf, kann das auf PFAS hindeuten.
Auch bei Kleidung, Teppichen, Polstern oder anderen Textilien lohnt ein genauer Blick. Bezeichnungen wie „wasserabweisend“, „ölfest“ oder „fleckgeschützt“ können ein Hinweis darauf sein, dass PFAS verwendet wurden. Hilfreich sind auch Aufdrucke wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorcarbonfrei“.
Auch beim Essen lässt sich etwas verändern. Wer möglichst wenig PFAS aufnehmen will, kann versuchen, öfter zu pflanzlichen Lebensmitteln zu greifen, oder Bio-Produkte kaufen, die keine chemisch-synthetischen Pestizide enthalten. Beim Einkaufen können Apps wie CodeCheck oder ToxFox helfen: Dort lässt sich per Barcode prüfen, ob in einem Produkt Giftstoffe stecken könnten.
Ganz vermeiden lässt sich der Kontakt mit PFAS trotzdem kaum. Das Umweltbundesamt nennt sie „ubiquitär“ – sie sind also praktisch überall nachweisbar. Eine dauerhafte Belastung ohne strengere Gesetze lässt sich kaum stoppen.
Einige europäische Länder fordern deshalb PFAS zu regulieren. Erste Regeln gelten schon. So gibt es etwa in Deutschland seit 2026 Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser oder Verbote in bestimmten Produkten wie Kosmetika. Ein vollständiges Verbot der gesamten Stoffgruppe ist aber noch nicht beschlossen.
Online-Text: Elena Matera























