Freitag, 02. Dezember 2022

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Pianist Lucas Leidinger
"Einfach Machen!"

Lucas Leidingers Musik steckt voll impressionistischer Harmonien und schöner Melodien, doch der Kölner kennt keine Angst auch vor abstrakten und schroffen Sounds. Im Porträt spricht Leidinger über positiven Kontrollverlust, die kindliche Freiheit, einfach loszulegen und Uno Spielen als Hilfe beim Musikmachen.

Von Anja Buchmann | 15.07.2021

    Ein junger Mann sitzt mit aufgestützten Ellbogen hinter einem Flügel. Er hat die Hände gefaltet.
    2016 erhielt Lucas Leidinger den Jazzpreis der Stadt Köln. (Niclas Weber)
    Im Alter von fünf Jahren begann Lucas Leidinger, Klavier zu lernen, zunächst nach Gehör. Auch klassische Stücke spielte er lieber aus dem akustischen Gedächtnis als nach Noten. Sein intuitiver Zugang zum Musikmachen führte ihn schließlich zum Studium der Jazzimprovisation in Köln. Beim Aufbaustudium am Kopenhagener „Rytmisk Musikkonservatorium“ u.a. bei Jacob Anderskov setzte er sich auch mit Kompositionen für Streicher auseinander - Kenntnisse, die in sein Projekt Lucas Leidinger Trio & Strings einflossen. Dabei versucht er, möglichst nicht zu planvoll ans Schreiben heranzugehen. Ein gelungenes Stück Musik kann einem im Traum einfallen, und manchmal ist es hilfreich, dafür ein paar Regeln zu ignorieren, findet der Kölner. Als Co-Leader ist der bekennende Beatles-Fan im Duo mit dem belgischen Saxofonisten Daniel Daemen aktiv, gründete das faszinierend luftig klingende, basslose Trio Aurora und ist Teil des internationalen Improvisationsquartetts Mount Meander. Im Quartett des Posaunisten Janning Trumann spielt Lucas Leidinger auch E-Piano und Synthesizer - ein uraltes, monophones Modell, mit dem ihn eine jugendliche Hassliebe verbindet.