
Klar sei, dass die NATO europäischer werden müsse, um transatlantisch bleiben zu können, sagte Pistorius und betonte zugleich das gegenseitige Interesse an einer Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa.
Der SPD-Außenpolitiker Stegner verteidigte Bundeskanzler Merz. Stegner sagte im Deutschlandfunk, der Truppenabzug sei offenbar eine Reaktion auf die Kritik von Merz an der mangelnden US-Strategie im Iran-Krieg. Stegner erklärte, er könne daran nichts Grobschlächtiges finden. Unterwürfigkeit führe bei Trump zu nichts.
Hardt (CDU) sieht Abschreckungsnarrativ unterminiert
Der CDU-Politiker und außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hardt, zeigte sich beunruhigt. Hardt sagte im Deutschlandfunk, mit der Ankündigung aus Washington werde das gemeinsame Abschreckungsnarrativ, dass man als NATO-Parter in Europa zusammenstehe, ein Stück weit unterminiert. Perspektivisch müssten amerikanische Truppen durch europäische ersetzt werden, er glaube jedoch, dass die Entscheidung von US-Präsident Trump innenpolitisch motiviert sei. Man bediene sich der Legende, alles Böse, was Amerika widerfahre, komme von außen. Das Land schade sich damit selbst. Das sei vielen in den USA bewusst - auch auf republikanischer Seite. Die Drehscheibe Ramstein sei etwa für amerikanische Einsätze sehr wichtig, betonte Hardt.
NATO: Europa muss sich stärker engagieren
Auch die NATO sieht im angekündigten Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland ein Signal, dass sich Europa stärker in der Selbstverteidigung engagieren müsse. Man sei zuversichtlich, dass die Abschreckung und Verteidigung der NATO weiterhin gewährleistet werden könne, während sich ein Wandel hin zu einem stärkeren Europa fortsetze, sagte eine Sprecherin.
US-Verteidigungsminister Hegseth hatte am Abend den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Abzug soll in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein. Es wird gemutmaßt, dass die Entscheidung eine Reaktion auf kritische Äußerungen von Bundeskanzler Merz zum Irankrieg ist. Trump drohte allerdings schon mehrfach mit dem Abzug von Soldaten aus Europa. Unter anderem kritisierte er NATO-Mitgliedstaaten für fehlende Unterstützung im Irankrieg.
Im März hatte Trump Bundeskanzler Merz nach dessen Angaben noch zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. Trump wollte schon in seiner ersten Amtszeit Tausende Soldaten aus Deutschland abziehen, sein Nachfolger Biden stoppte die Pläne.
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte. Bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner sind sie von großer Bedeutung: Hier sind Truppen, Waffen, Schiffe und Flugzeuge stationiert, es werden Drohnen gesteuert und Verletzte versorgt. In Deutschland gehören dazu das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart und als Drehkreuz der US-Luftwaffe der Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz. Weitere wichtige Stützpunkte unterhalten die USA in Italien und in Großbritannien.
Diese Nachricht wurde am 02.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.







