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StartseiteInterview"Welche Flüge braucht es noch und welche nicht mehr?"31.10.2020

Proteste am Flughafen BER"Welche Flüge braucht es noch und welche nicht mehr?"

Klimaaktivistin Lena Tuncak hat eine drastische Reduktion des Flugverkehrs gefordert. Kurzstreckenflüge und Inlandsflüge müssten auf zwingend auf die Bahn verlagert werden, wenn man die Klimakrise ernst nähme, sagte Tuncak im Dlf. Auch Urlaubsflüge gelte es zu überdenken.

Lena Tuncak im Gespräch mit Stefan Heinlein

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31.10.2020 Wirtschaft Verkehr, Eröffnung der Berliner Flughafen - BER Pressekonferenz 2020 emspor, Demonstranten im Flughafen Gebaeude fuer Burn Borders not Kerosene Berlin (imago-images / Jan Huebner)
Demonstranten im Berliner Flughafen-Gebäude des neuen Airports Berlin am Samstag, 31.10.2020 (imago-images / Jan Huebner)
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Nun ist der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg offiziell eröffnet. (31.10.2020) Mehrere Umweltbewegungen und Bürgeninitiativen haben gegen diese Eröffnung protestiert, darunter auch Lena Tucnak von der Klimabewegung "Am Boden bleiben". Sie zeigten Plakate, auf denen "Fliegen versenkt Urlaubsinseln", "Fliegen nur für Vögel" sowie "Flieger stoppen statt Klima schrotten" stand. Einige Aktivisten in Pinguin-Kostümen kletterten auf die Gebäude. Die Polizei war mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Es seien Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs erstattet worden.

Flugtickets teurer machen

Der Sinn der Proteste sei, "dass das Ganze ins Gespräch kommt", sagte die Umweltaktivistin Lena Tucnak im Dlf. "Es geht einfach nicht, dass wir kaum darüber diskutieren, was ist eigentlich diese Klimaschädlichkeit von Flügen, was sind Flüge, die wir in Zukunft noch wirklich dringend brauchen, und was sind aber Flüge, die wir einfach abschaffen müssen", so Tuncak. Es könne auch nicht sein, dass ein Flugticket weiterhin billiger sei als eine Zugfahrt. Wichtig sei zudem, eine Kerosinsteuer einzuführen.

Der Flughafen BER im Testbetrieb mit Komparsen am 15.09.2020 (imago / Stefan Zeitz) (imago / Stefan Zeitz)Der Countdown läuft - BER wird doch noch eröffnet
Der Eröffnungstermin wurde immer wieder verschoben – doch jetzt nimmt der Hauptstadtflughafen BER mit jahrelanger Verspätung den Betrieb auf. Manches wirkt wie von gestern, doch die Testphase verlief gut. 

Businessflüge könnten reduziert werden

Sie hoffe, dass die Krise, in der die Luftfahrtindustrie stecke, noch eine Weile anhalte. "Die Flüge sind gerade ganz stark nach unten gegangen, das ist aber letztendlich was Kurzfristiges, und wir müssen jetzt Wege einleiten, Maßnahmen setzen, damit es auch was Längerfristiges ist. Zum Beispiel seien 30 Prozent der Flüge in Deutschland Businessflüge, da hat man jetzt gemerkt, da lässt sich total viel auf online verlagern", forderte Tuncak im Dlf. Dies müsse verstetigt werden. Doch auch Urlaubsflüge müssten überdacht werden.

Eröffnung des BER-Airports: Lufthansa Pilot Peter Etzrot und sein Co-Pilot Kai Schleicher halten im Cockpit eines Airbus vom Typ A320neo ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift "Erstflug Lufthansa MUC-BER 31.10.2020" in der Hand.  (dpa / Peter Kneffel) (dpa / Peter Kneffel)BER-Eröffnung - "Ganz großer Impulsgeber für die gesamte Region"
Weltweit seien Standorte durch den Flugbetrieb belastet, doch ausgerechnet am BER fänden Proteste statt, kritisierte Udo Haase, früherer Bürgermeister von Schönefeld, im Dlf. Seit Anfang der 90er-Jahre war klar, "dass wir uns zu einer Flughafenstadt hin entwickeln".

Der Flughafen BER sei "eins der klimaschädlichsten Projekte Deutschlands". Der Flugverkehr insgesamt sei 2018 für sechs Prozent der menschengemachten Treibhausgase verantwortlich gewesen. Das sei viel, wenn man sich vor Augen führe, dass nur "ein kleiner Teil der Weltbevölkerung überhaupt fliegt" - würden alle so viel fliegen, "na dann, gute Nacht", so die Aktivistin.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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