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Prozess gegen Trumps Berater
Der tiefe Sturz des Paul Manafort

Der Ex-Wahlkampfchef von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, steht ab heute wegen Steuer- und Bankbetrugs vor Gericht. Der 69-Jährige wird beschuldigt, Einkünfte in Millionenhöhe verschwiegen zu haben. Ein zweiter Prozess droht Manafort im September: Dann soll es um seine Rolle in der Russlandaffäre gehen.

Von Thilo Kößler | 31.07.2018
    Donald Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort (17.7.2016).
    Donald Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort. (AP / J. Scott Applewhite)
    Es ist der erste Prozess, der im Zusammenhang mit den Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre eröffnet wird. Und doch hat er praktisch nichts mit den Vorwürfen zu tun, die eigentlich im Fokus der Mueller-Kommission stehen - dass nämlich das Wahlkampfteam von Donald Trump möglicherweise in aktiver Verbindung mit jenen russischen Geheimdienstleuten stand, die die Wahl zugunsten von Donald Trump beeinflussen sollten.
    Die Rolle Manaforts in diesem zentralen Komplex der Russlandaffäre wird in einem zweiten Prozess im Mittelpunkt stehen, der im September in Washington gegen ihn eröffnet wird. In dem Prozess, der heute beginnt, nimmt das Gericht in Alexandria/Virginia Manaforts Geschäftsbeziehungen zum Moskau-treuen ukrainischen Regierungschef Victor Janukowitsch ins Visier, lange bevor Manafort zum Wahlkampfhelfer Donald Trumps avancierte.
    Viktor Janukowitsch, ehemaliger Ministerpräsident der Ukraine
    Viktor Janukowitsch, ehemaliger Ministerpräsident der Ukraine (dpa)
    Manafort verdiente in der Ukraine 60 Millionen US-Dollar
    Manafort begann seine lohnenswerte Beratertätigkeit für die Ukraine im Jahre 2006 - und in den acht Jahren bis zur Flucht Janukowitschs nach Moskau strich Manafort sage und schreibe 60 Millionen US-Dollar ein, wie jetzt unmittelbar vor Prozessbeginn aus dem Umfeld Muellers bekannt wurde. Geld, das der geschäftstüchtige Manafort entweder dem amerikanischen Fiskus vorenthielt oder aber über eine Vielzahl von Konten am Finanzplatz Zypern sauber wusch: Das trug ihm jetzt die Anklage wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Bankbetrug ein.
    Als die ukrainische Geldquelle im Zuge der politischen Umbrüche dort versiegte, geriet der umtriebige Manafort mit seinem überzogenen Lebensstil schnell in finanzielle Nöte, was ihn offenbar zu allzu kreativer Buchführung zwang. 35 Zeugen bietet Sonderermittler Mueller in diesem Prozess auf: Immobilienhändler, die Manafort insgesamt sechs millionenschwere Luxushäuser und -appartments in bester Lage vermittelten; Banker, die ihm das finanzierten; oder ein Herrenausstatter, bei dem sich der extravagante Angeklagte Anzüge im Wert von 850.000 US-Dollar schneidern ließ.
    Trumps ehemaliger Wahlkampfchef Paul Manafort steht am 22. Juni 2016 vor amerikanischen Flaggen in einem Hotel in New York City.
    Trumps ehemaliger Wahlkampfchef Paul Manafort pflegte einen höchst extravaganten Lebensstil (imago stock&people)
    Unter den Zeugen befinden sich gute Bekannte, die Paul Manafort zu Falschaussagen anstiften wollte, als er bereits unter Anklage stand. Das brachte ihm im Juni die Haft ein. Manafort ist dabei der einzige von fünf Angeklagten aus dem Umfeld der Russland-Ermittlungen, der sich bisher beharrlich weigert, mit Sonderermittler Mueller zu kooperieren - hartnäckig streitet er alle Schuld ab. Jetzt will Mueller ganz offensichtlich den Druck auf den Angeklagten erhöhen.
    Warum arbeitete Manafort für Trump unentgeltlich?
    Denn auch im Kontext der unmittelbaren Russlandermittlungen dürfte Manafort eine zentrale Rolle spielen. Weshalb, so lautet eine der zentralen Fragen, war es dem Mann mit den exzellenten Russlandkontakten möglich, unter dem massiven Druck wachsender Schulden Donald Trump seine Wahlkampfdienste ohne jede Bezahlung anzudienen?
    Diese Kontakte in die oberste russische Oligarchenschicht waren es denn auch, die Paul Manafort nach nur wenigen Monaten den Job als Wahlkampfmanager kosteten. Im Trump-Lager wuchs in den letzten Tagen die Nervosität beträchtlich. Manafort wisse nichts, ließ sich Trumps Anwalt Rudy Guiliani verlauten.
    Donald Trump selbst überzieht den Sonderermittler mit immer schärferen persönlichen Vorwürfen - erst am Sonntag bezichtigte er Bob Mueller eines Interessenkonflikts im Zusammenhang mit einer hässlichen Geschäftsbeziehung, wie Trump vage schrieb. Worum es dabei ging, ließ auch sein Anwalt Rudy Giuliani gegenüber dem Fernsehsender CNN offen.