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StartseiteThemaDie SPD und die Suche nach Kandidaten04.09.2019

Rennen um den VorsitzDie SPD und die Suche nach Kandidaten

Wer soll die SPD führen? Und wer will das überhaupt? Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles hatten SPD-Spitzenpolitiker zunächst reihenweise abgewunken. Doch nun ist es eng geworden auf dem Kandidaten-Karussell: Acht Duos und ein Einzelbewerber haben sich beworben. Hier eine Inventur.

Leere Stimmzettel-Boxen stehen beim SPD-Landesparteitag vor der Bühne.  (dpa/Bernd Wüstneck)
Wer darf seine Stimme angeben bei der Wahl zum neuen SPD-Vorsitz? (dpa/Bernd Wüstneck)

Der SPD-Chefsessel ist seit dem Rücktritt von Andrea Nahles im Juni vakant. Bewerbungen waren bis zum 1. September möglich. Danach sollen sich die Kandidaten in 23 Regionalkonferenzen der Parteibasis vorstellen. In einer Mitgliederbefragung im Oktober wird der Vorsitz faktisch bestimmt. Die formelle Wahl soll dann auf einem Parteitag Anfang Dezember erfolgen. Dort wollen die Sozialdemokraten per Satzungsänderung eine künftige Doppelspitze ermöglichen. 

Mit Blick auf die geplante Doppelspitze waren Duos bestehend aus mindestens einer Frau zur Kandidatur aufgerufen, Einzelbewerbungen jedoch auch möglich.  Offiziell nominiert sind allerdings nur diejenigen, die von mindestens fünf SPD-Unterbezirken oder einem Bezirks- oder Landesverband unterstützt werden

Acht Duos und ein Einzelbewerber haben den Hut in den Ring geworfen: 

Die Tandems 

Olaf Scholz und Klara Geywitz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz (Montage) (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen / ) (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen / )

Und er tut es doch: Bundesfinanzminister Olaf Scholz wurde nach Andrea Nahles' Rücktritt vom Parteivorsitz schnell als möglicher Nachfolger gehandelt. Doch der Vizekanzler hatte unter Verweis auf sein zeitraubendes Regierungsamt eine Kandidatur wochenlang ausgeschlossen, Mitte August gab er überraschend bekannt, doch zu kandidieren. Noch überraschender stellte er kurz darauf die bundespolitisch eher unbekannte Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz als seine Ko-Bewerberin vor. Sie hat gerade ihr Mandat im brandenburgischen Landtag verloren.

Hilde Mattheis und Dierk Hirschel

22.08.2019, Berlin: Hilde Mattheis (SPD), DL21-Bundesvorsitzende, und Dierk Hirschel (SPD), DL21-Vorstandsmitglied, beantworten auf einer Pressekonferenz zu ihrer Kandidatur für den SPD-Vorsitz Fragen von Journalisten. (picture alliance / dpa) (picture alliance / dpa)

Mit der Forderung nach einem "radikalen Neustart" setzt ein Duo vom linken Parteiflügel zum Sprung auf den SPD-Vorsitz an: Die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis bildet ein Tandem mit Dierk Hirschel, Chefökonom der Gewerkschaft Verdi. Er forderte eine "Re-Sozialdemokratisierung" der SPD. Dafür müsse etwa Hartz IV überwunden und ein Mindestlohn von 12 Euro eingeführt werden. Mattheis sprach sich für einen "radikalen Neustart" aus. Es gelinge der SPD in der Großen Koalition nicht, eine wirklich soziale Politik zu machen.

 Gesine Schwan und Ralf Stegner 

Kandidaten-Duo für den SPD-Parteivorsitz: Gesine Schwan und Ralf Stegner (dpa/ Carsten Rheder, Imago, Bildkombo: Deutschlandradio) (dpa/ Carsten Rheder, Imago, Bildkombo: Deutschlandradio)

Mit  Gesine Schwan und Ralf Stegner haben zwei Kandidaten mit hohem Bekanntheitsgrad ihre Hüte in den Ring geworfen. Die zweimalige Bundespräsidentschaftskandidatin Schwan, 76, wollte gerne mit dem Juso-Chef Kevin Kühnert antreten. Jetzt steht der 59-jährige Parteivize Stegner an ihrer Seite. Beide suchen nach linken Mehrheiten: rot-rot-grün.  

Petra Köpping und Boris Pistorius

Die beiden SPD-Politiker Petra Köpping und Boris Pistorius (dpa/ZB/Robert Michael) (dpa/ZB/Robert Michael)

Ein Ost-West-Kandidaten-Duo bilden Boris Pistorius und Petra Köpping. Pistorius, 59-jähriger Innenminister aus Niedersachsen, und Petra Köpping, 61-jährige Integrationsministerin aus Sachsen, werden Erfolgschancen beigemessen, auch wenn sie nicht unbedingt für einen Neustart stehen. Pistorius bedient den rechten Flügel und gilt als Law-and-Order-Mann, Köpping als Ost-Vertreterin, die die Partei dringend braucht.

Karl Lauterbach und Nina Scheer

Die SPD-Politiker Karl Lauterbach und Nina Scheer in Portraits nebeneinander (imago/fotomontage dlf)Die SPD-Politiker Karl Lauterbach und Nina Scheer (imago/fotomontage dlf)

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach ist als Gesundheitsexperte medial präsent. Er bewirbt sich gemeinsam mit seiner Abgeordnetenkollegin Nina Scheer um den Parteivorsitz – und plädiert für ein Ende der Großen Koalition sowie auf Bundesebene für ein Bündnis mit Grünen und Linken. Scheer widmet sich vor allem umwelt- und energiepolitischen Fragen. Sie steht für die sozial-ökologische Strömung in der Partei.

Michael Roth und Christina Kampmann

Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, und Christina Kampmann (SPD), Landtagsabgeordnete in NRW, die gemeinsam für den SPD-Parteivorsitz kandidieren. (Thomas Imo/photothek / picture alliance) (Thomas Imo/photothek / picture alliance)

Unter das Motto "Mit Herz und Haltung" hat das Duo Christina Kampmann und Michael Roth seine Kampagne gestellt. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt und die ehemalige NRW-Familienministerin wollen unter anderem Kommunalpolitiker und Nicht-Mitglieder stärker einbeziehen. Sie wollen außerdem die Parteistrukturen reformieren, stehen links und sind im Blick auf die Große Koalition skeptisch.

Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken

Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, beide SPD (dpa / Federico Gambarini / Michael Kappeler) (dpa / Federico Gambarini / Michael Kappeler)

Kurz vor knapp nominierte der Landesvorstand der Partei in Nordrhein-Westfalen einstimmig den früheren NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken aus Baden-Württemberg. Walter-Borjans sprechen Beobachter gute Chancen zu. Als NRW-Finanzminister holte er Geld von Steuerhinterziehern in die Kassen - durch "Steuer-CDs" voller Datensätze über Steuerbetrüger. Zusammen mit Saskia Esken will er das Steuersystem umkrempeln und die Gegensätze zwischen Arm und Reich anpacken.  

Ausgestiegen

Karl-Heinz Brunner

Der Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner (SPD) spricht im Plenum im Bundestag. (pa/dpa/Soeder) (pa/dpa/Soeder)

Der bayerische Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner zog als Einzelkämpfer ins Rennen um den SDPD-Vorsitz . Der 66-Jährige Verteidigungspolitiker gehört dem konservativen Seeheimer Kreis in der SPD an und begründete seine Kandidatur in einem Zeitungsinterview damit, im Bewerberfeld "einen "deutlichen Überhang der GroKo-Gegner und des linken Parteispektrums" zu sehen.

Update (17.09.2019): Heinz Brunner hat seine Einzelbewerbung für den SPD-Vorsitz zurückgezogen. "Mit diesem Schritt möchte ich eine deutlichere Zuspitzung im Kandidierendenfeld und damit eine klarere Wahlentscheidung ermöglichen", heißt es dazu in einer persönlichen Erklärung Brunners.

Simone Lange und Alexander Ahrens

17.08.2019, Sachsen, Leipzig: Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, und Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen, sitzen auf einem Pressetermin. Sie bilden eines von mehreren Teams, die sich um den Bundesvorsitz der SPD bewerben. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (picture-alliance/Willnow) (picture-alliance/Willnow)

Auch dieses Kandidaten-Team hat sich klar gegen die Große Koalition ausgesprochen: Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, und Alexander Ahrens, Stadtoberhaupt von Bautzen, plädieren für einen schnellstmöglichen Austritt aus der Regierungskoalition.

Update (04.09.2019): Simone Lange und Alexander Ahrens zogen zum Auftakt der Regionalkonferenz ihre Bewerbung zurück. Sie unterstützen stattdessen den ehemaligen Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Walter-Borjans, der mit der Bundestagsabgeordneten Esken antritt

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