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StartseiteSprechstundeWenn der Schmerz zur Fessel wird18.09.2018

RheumaWenn der Schmerz zur Fessel wird

Geschwollene Gelenke, starke Schmerzen: Rheuma beeinträchtigt Betroffene in ihrem Alltag mitunter so massiv, dass einfachste Handlungen unmöglich werden. Hinzu kommen oft die Nebenwirkungen von Cortison und Schmerzmitteln, die bei einem akuten Schub eingenommen werden. Wie Patienten geholfen werden kann.

Von Lennart Pyritz

Hände einer an Arthritis erkrankten Patientin werden von einer Ergotherapeutin massiert. Die Massage der Hände wärmt und mobilisiert die entzuendeten Gelenke der Hand.  (picture alliance / dpa )
Geschwollene Gelenke verursachen Rheuma-Patienten viele Beeinträchtigungen. Eine Massage kann Linderung bringen (picture alliance / dpa )
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Ein Zimmer in der Klinik für Rheumatologie des Krankenhauses Porz am Rhein: Im Bett liegt eine 76-jährige Patientin und erzählt dem am Fußende stehenden Oberarzt Dennis Scheicht ihre Krankengeschichte. Sie habe niedrig dosiert Cortison eingenommen. Als die Schmerzen durch einen rheumatischen Schub und Rückenbeschwerden stärker wurden, nahm sie zusätzlich hohe Dosen des Schmerzmittels Ibuprofen – mit dramatischen Folgen.

"Das ist quasi so ein klassischer Fall, den wir sehen: Dass aufgrund der Schmerzsituation bei den Patienten es auch dazu kommen kann, dass der Bedarf an Schmerzmedikation so hoch ist, dass auch mal die Medikation so eingenommen wird, dass es jenseits der Empfehlung ist. Bei ihr kam es dann zu einer schlimmen Magenschleimhautentzündung mit Magenblutung. Und in dem Rahmen hat sie sehr viel an Blut verloren."

Geschwollene Gelenke führen zu starken Beeinträchtigungen

Zunächst war die Patientin in einer Leverkusener Klinik behandelt worden. Nachdem die Magenentzündung im Griff war, wurde sie schließlich nach Porz verlegt. Dort gehen die Ärzte jetzt gezielt gegen den akuten Schub rheumatoider Arthritis vor, unter dem die Frau leidet.

"Also die Gelenke sind sehr stark betroffen. Das heißt: Hände, Gelenke, Füße – so dick. Und im Körper übrigens auch. Also das heißt im Nacken und hier in den Gelenken, so dass ich also nachts auch gar nicht schlafen konnte.  Und morgens ist das ganz schlecht, weil Du kannst morgens gar nichts machen. Also diese Decke zum Beispiel hochzuheben, ist so schwierig für einen, der solche Schmerzen hat, die kriegt man gar nicht hoch. Du kannst nichts machen. Du kannst Dir noch nicht mal den Popo abputzen."

Cortison - ein Medikament mit starken Nebenwirkungen

Dennis Scheicht greift nach einer Hand der Patientin: "Wenn man sich die Gelenke hier anschaut und auch so ein bisschen tastet, dann merkt man: Das ist kein normales Handgelenk, sondern da ist eine Entzündung drin, und da hat sie wahnsinnig viel Probleme. Was wir jetzt gemacht haben: Wir haben das Cortison noch ein Stück weit höher gesetzt. Da muss man allerdings vorsichtig sein, weil Cortison ein Medikament ist, dass viele Nebenwirkungen machen kann.
Und deswegen geht es ihr auch aktuell noch nicht so gut, dass sie aus dem Bett springt, ne? Wir würden natürlich heute im Verlauf des Tages auch noch mal schauen mit Ultraschall, wo eine Entzündung ist, und können dann im Zweifel auch ganz gezielt, wenn das notwendig ist, auch mal mit einer Injektion antientzündliche Medikamente an den Ort des Geschehens bringen. Das können wir definitiv mal machen."

Patienten werden neu auf Rheuma-Behandlung eingestellt

Bei Bedarf erhält die 76-Jährige magenschonende Schmerzmittel, um eine erneute Magenentzündung zu vermeiden. Neben der akuten Therapie soll der stationäre Aufenthalt auch dazu dienen, die Patientin auf das für sie optimale Rheuma-Medikament einzustellen, das als Basistherapie im Alltag dient.

Oberarzt Dennis Scheicht ist in jedem Fall zuversichtlich, dass die Patientin die Klinik weitgehend beschwerdefrei verlassen wird.

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