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StartseiteNachrichten vertieftGauck würdigt "großen Deutschen"11.02.2015

Richard von WeizsäckerGauck würdigt "großen Deutschen"

Im Berliner Dom ist der verstorbene Altbundespräsident Richard von Weizsäcker geehrt worden. Beim offiziellen Staatsakt sagte sein Nachfolger Joachim Gauck, von Weizsäcker habe "für unser Land weltweit Achtung und Sympathie erworben".

Bundespräsident Joachim Gauck verneigt sich vor dem Sarg mit dem Leichnam des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Berliner Dom. (picture alliance / dpa/Markus Schreiber)
Der Sarg mit dem Leichnam des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Berliner Dom. (picture alliance / dpa/Markus Schreiber)
Weiterführende Information

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Im Berliner Dom waren mehr als 1.400 Menschen zusammengekommen, um am Trauergottesdienst für den Altbundespräsidenten teilzunehmen -  mehr als erwartet wurden, berichtet Frank Capellan im DLF. Unter den Trauergästen befand sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Erst nach dem Staatsakt wollte sie zum geplanten Ukraine-Gipfel nach Minsk aufbrechen.

Beim Staatsakt sprachen im Berliner Dom neben Bundespräsident Joachim Gauck auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Antje Vollmer (Grüne). Joachim Gauck beschrieb Weizsäcker in seiner Rede als einen Zeugen des Jahrhunderts  und sehr politischen Präsidenten. Dabei betonte Gauck vor allem die Bedeutung von Weizsäckers Rede am 8. Mai 1985. Er habe das gesagt, was 1985 "längst nicht alle wissen wollten." Er sei zu "glasklarer Eindeutigkeit" fähig gewesen.

"Politiker der anderen Art"

Frank-Walter Steinmeier sagte im Berliner Dom: "Nicht Armeen, nicht Krieg, nicht Zwang - sondern das Wort kann den Lauf der Dinge prägen." Für Richard von Weizsäcker habe im Wort die Hoffnung auf Frieden gelegen. Steinmeier bezog sich dabei indirekt auf die aktuelle politische Situation und auf die "heutige, stürmisch-bedrohliche Zeit". Richard von Weizsäcker habe der Welt das Vertrauen in Deutschland wiedergegeben. Und Vertrauen sei auf dem Weg zur Wiedervereinigung unverzichtbar gewesen.

Antje Vollmer sprach vor allem über die enge Freundschaft zwischen Vaclav Havel und Richard von Weizsäcker und ihre Art, Ost und West nach dem Krieg wieder zu versöhnen. Sie nannte Weizsäcker einen "Politiker der anderen Art" - nicht allzeit auf Sendung, sondern ein großer Zuhörer. Nach Gottesdienst und Staatsakt gab es ein militärisches Abschiedszeremoniell vor dem Dom und einen Empfang im Roten Rathaus. Später wird Weizsäcker in kleinem Kreis beigesetzt werden.

Soldaten tragen den mit einer Deutschlandflagge bedeckten Sarg die Stufen des Berliner Doms hinunter, dahinter gehen Marianne von Weizsäcker und Joachim Gauck. (dpa / Maurizio Gambarini)Soldaten tragen den Sarg des verstorbenen Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Berliner Dom. Dahinter seine Witwe Marianne von Weizsäcker mit dem amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck. (dpa / Maurizio Gambarini)

Weizsäcker, der sich insbesondere durch seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 Ansehen erworben hatte, war am 31. Januar im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war von 1984 bis 1994 Bundespräsident und somit auch zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung das deutsche Staatsoberhaupt.

"Unabhängig, unparteiisch, oftmals unbequem, aber immer respektiert"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete von Weizsäckers Leben als "ein Leben, das die deutsche Geschichte in sich und mit sich trug" sowie als eines "das so reich war, wie es für einen Menschen nur sein kann". Von Weizsäcker sei stets von allen verstanden worden, obwohl er sich differenziert und nachdrücklich geäußert habe. Das unterscheide ihn von der heutigen, häufig überhitzten Debatte.

Es habe die in von Weizsäckers Anwesenheit die Gefahr bestanden, dass neben ihm die alltägliche Politik verblasse. Das habe dieser selbst aber nicht gewollt. Er sei nicht das Gegenbild von Politik gewesen, sondern eine beeindruckende Form, wie sich Politik ausdrücken könne. Er bezeichnete den Altbundespräsidenten als "unabhängig, unparteiisch, oftmals unbequem, aber immer respektiert".

Richard von Weizsäcker hat die rechte Hand zum Schwur erhoben und spricht den Amtseid. (dpa / Egon Steiner)Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei seiner Vereidigung zur ersten Amtseid am 1. Juli 1984 im Bundestag in Bonn. (dpa / Egon Steiner)

(cc/vic/stfr)

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