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Richard von WeizsäckerStaatsakt für Altbundespräsidenten angeordnet

Am 11. Februar soll in einem Trauerstaatsakt Richard von Weizsäckers gedacht werden. Das ordnete Bundespräsident Joachim Gauck am Samstagabend an. Es ist die erste Zeremonie dieser Art seit dem Tod der ehemaligen Bundestagspräsidentin Annemarie Renger vor acht Jahren.

Von Gudula Geuther | 01.02.2015

Eine deutsche und eine EU Flagge wehen am 31.01.2015 vor dem Schloss Bellevue in Berlin aus Anlass des Todes des Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker auf Halbmast. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist am 31.01.2015 im Alter von 94 Jahren gestorben.
Eine deutsche und eine EU Flagge wehen vor dem Schloss Bellevue in Berlin aus Anlass des Todes des Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker auf Halbmast. Richard von Weizsäcker starb am 31.01.2015 im Alter von 94 Jahren. (dpa / picture alliance / Soeren Stache)
Am 11. Februar soll in einem Trauerstaatsakt Richard von Weizsäckers gedacht werden. Das ordnete Bundespräsident Joachim Gauck am Abend an. Es ist die erste Zeremonie dieser Art seit sieben Jahren. Sie soll, das teilte das organisierende Bundesinnenministerium heute Mittag mit, um 11 Uhr im Berliner Dom mit einem Trauergottesdienst beginnen, gefolgt vom eigentlichen Staatsakt.
Nach militärischem Zeremoniell vor dem Dom liege die Beisetzung dann in den Händen der Familie. Später soll im Roten Rathaus ein Empfang stattfinden.
Auch jenseits der repräsentativen staatlichen Ebene gibt es Symbole des Gedenkens, etwa in der Berliner Staatsoper, dort erhob sich gestern das Publikum vor der Vorstellung für den früheren Regierenden Bürgermeister für eine Minute von den Sitzen. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach kündigte an, dass die olympische Flagge für drei Tage auf Halbmast wehen werde.
Würdigung des Altbundespräsidenten
Richard von Weizsäcker 1985 bei seiner Rede am Pult des Bundestags in Bonn.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei seiner vielbeachteten Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 im Bundestag in Bonn. (dpa / Heinrich Sanden)
Gestern hatten Spitzenpolitiker im In- und Ausland und Vertreter der Kirchen den Altbundespräsident gewürdigt. Bundespräsident Joachim Gauck sprach von Richard von Weizsäcker als moralische Instanz. Er habe ein Deutschland verkörpert, das seinen Weg in die demokratische Völkergemeinschaft gefunden habe. Nach außen und nach Innen. Mit Wirkung – so Gauck – auch im Osten Deutschlands.
"Nach Innen gelang es ihm, dem überzeugten Demokraten, vielen Bürgern die demokratischen Institutionen näherzubringen. Mit Reden, Handeln und mit seiner Ausstrahlung verkörperte er glaubhaft eine lebendige demokratische Bürgergesellschaft. Auch den Menschen in der DDR gab er zu Zeiten der Teilung Orientierung und Motivation, für Demokratie und Rechtsstaat einzutreten."
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, selbst Mitarbeiter von Weizsäckers in dessen Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin, äußerte sich am Abend. Im deutschen Einigungsprozess habe der erste Bundespräsident nach der Wiedervereinigung eine wichtige Rolle für Zusammenwachsen und Zusammenhalt erfüllt. Und er habe wichtige Beiträge geleistet zu dem heute so guten Verhältnis zu den Nachbarstaaten der Bundesrepublik, insbesondere zu Polen.
Kondolenzbuch liegt öffentlich aus
Der Eintrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Kondolenzbuch von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker
Der Eintrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Kondolenzbuch von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Kulturstaatsministerin Monika Grütters hob – wie die meisten, die sich äußerte - unter anderem seine Rede vom 8. Mai 1985 hervor, in der er den Tag der Kapitulation als Tag der Befreiung auch für Deutschland bezeichnete. Für die politische Kultur der Bundesrepublik sei das ein denkwürdiger Tag gewesen, weil er die Chance zur Verständigung und Versöhnung mit den von Nazi-Deutschland überfallenen Völkern auf eine neue Stufe gehoben habe.
Gestern hatten sich unter anderem der französische Staatspräsident Francois Hollande, Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der Generalsekretär des Europarates, Thorbjörn Jagland, zum Tod von Weizsäckers geäußert.
Im Schloss Bellevue in Berlin können sich Bürgerinnen und Bürger noch bis Montag in das Kondolenzbuch eintragen. In Bonn liegt es am Montag in der Villa Hammerschmid aus.