Freitag, 09. Dezember 2022

Sagen & Meinen
"Prorussische" Demonstrationen - wirklich?

Putin ist nicht gleich Russland. Wenn bei Autokorsos und Demonstrationen die russische Fahne weht, ist oft zunächst schwer erkennbar, wer da auf die Straße geht. Umso wichtiger ist für Medien die richtige Wortwahl.

Von Annika Schneider | 02.05.2022

Demonstranten stehen mit russischen Fahnen auf dem Tänzelfestplatz in Kaufbeuren
Russen demonstrieren in in Kaufbeuren (picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)
"Deutschlandweit finden so genannte prorussische Demonstrationen statt."
"Der prorussische Autokorso in Berlin sei unerträglich und makaber, kritisieren Innenpolitiker."
"Emotional ganz schön aufgeladen war heute eine prorussische Demonstration in Frankfurt."
"Ein prorussischer Autokorso."
Autokorsos und Demonstrationen mit russischen Flaggen - wie zuletzt in Frankfurt, Berlin und anderen Städten- werden meist als prorussisch bezeichnet. Dabei stehen die Teilnehmenden längst nicht für alle Russischstämmigen in Deutschland. Auch bei den Gegendemos gingen Migrantinnen und Migranten mit Russlandhintergrund auf die Straße. Genau hinsehen: Demo oder Gegendemo?

Genau hinsehen: Demo oder Gegendemo?

Auch sie setzen sich für ihr Heimatland Russland ein – allerdings für ein demokratisches, gegen Putin und den russischen Angriffskrieg. Sie schwenkten ebenfalls russische Fahnen, allerdings ohne den roten Streifen, als Zeichen für den Frieden.
07.05.2019, Berlin: Ein Schild mit der Aufschrift "BlaBla Ende" steht auf der Tincon, dem Festival für Jugendkultur, im Rahmen der Internetkonferenz "re:publica". Die Konferenz der Netzszene findet noch bis zum 08.05.2019 statt. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit
07.05.2019, Berlin: Ein Schild mit der Aufschrift "BlaBla Ende" steht auf der Tincon, dem Festival für Jugendkultur, im Rahmen der Internetkonferenz "re:publica". Die Konferenz der Netzszene findet noch bis zum 08.05.2019 statt. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit
Sagen & Meinen - Der Sprachcheck
Viel zu oft setzen sich fragwürdige Begriffe und Euphemismen in Medien fest, zum Beispiel das „Gute-Kita-Gesetz“, das „Familiendrama“ oder der „Lockdown“. Solche Formulierungen hinterfragen wir in der Reihe „Sagen & Meinen – der Sprachcheck“

Besser: Nicht pauschalisieren

Viele Teilnehmende der Autokorsos hingegen befürworten Putins Angriff auf die Ukraine, verteidigen die russische Armee und verbreiten Kriegspropaganda des Kremls. Treffender wäre es deswegen, die Proteste nicht als prorussisch zu bezeichnen, sondern sie sprachlich als das zu entlarven, was sie sind: pro Putin und kriegsverharmlosend.