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StartseiteWirtschaft und GesellschaftTeil 1: Wie sich der Buchhandel gegen Amazon wehrt04.08.2014

Sendereihe "Fachhandel gegen Internet" Teil 1: Wie sich der Buchhandel gegen Amazon wehrt

Dass sich Buchläden vom Versand-Riesen Amazon bedroht fühlen, ist bekannt. Derzeit zittern kleine Händler besonders vor der Amazon-Plattform Marketplace, auf der fast neue Bücher zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises angeboten werden. Eindrücke von einer Kulturkampf-Front.

Von Ludger Fittkau

Amazon-Pakete laufen über ein Laufband.  (picture alliance / dpa / Bodo Marks)
Mit dem Amazon-Angebot Marketplace werde in Deutschland die Buchpreisbindung angegriffen, so die Kritik einiger Buchhändler. (picture alliance / dpa / Bodo Marks)

"Das ist unser Wareneingang, da haben wir die 40 bis 60 Lkw pro Tag, die werden abgeladen, ein bisschen vorsortiert nach Größe. Und dann werden wir die Ware hier hinbringen, zu unserem sogenannten "Receive-Bereich".

Amazon-Standortleiter Gregory Bryan führt durch den Wareneingangsbereich des 17 Fußballfelder großen Logistikzentrums am Stadtrand von Koblenz. Die 40 bis 60 Lkw, die täglich hier Bücher und andere Waren an- und abfahren, sind für Ruth A. Duchstein eine reale Bedrohung. Sie leitet mit ihrem Mann die renommierte Buchhandlung Reuffel in der Koblenzer Innenstadt:

"Weil natürlich unsere Wege ... die Post ist nicht so schnell wie ein eigener Lkw. Und das ist etwas, was die Kunden heutzutage erwarten. Ich bestelle ein Buch und es muss morgen bei mir zu Hause sein. Das ist für den stationären Handel wirklich sehr, sehr schwierig, damit zu konkurrieren."

Buchhandlungen wie Reuffel in Koblenz, die seit langem mit einer Vielzahl von Lesungen das Koblenzer Kulturleben bereichern, seien aus Sicht von Amazon genauso überflüssig wie Buchverlage, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:

"Es ist das Ziel von Amazon, der Intermediär zwischen Autor und Leser zu werden, das heißt, alle Verlage und Buchhandlungen überflüssig zu machen. Deshalb hat der Jeff Bezos auch gesagt, wir müssen die Verlage jagen wie Gazellen."

Gejagt fühlt sich auch die Koblenzer Buchhändlerin Ruth A. Duchstein durch den US-Internetkonzern. Was sie zurzeit besonders ärgert, ist der sogenannte "Marketplace" von Amazon: Das ist eine Plattform, auf der Amazon ähnlich wie bei Ebay jedermann die Möglichkeit einräumt, kaum Gebrauchte, sogenannte "Leseexemplare" neu erschienener Bücher billiger anzubieten. Im Jahr 2013 wurden weltweit so bereits mehr als eine Milliarde Artikel verkauft. In Deutschland wird damit die Buchpreisbindung angegriffen, findet Ruth. A. Duchstein:

"Ein gebundenes Buch kostet 23 Euro. Ist da plötzlich angeboten für zwölf Euro. Und das ist eben die Platzierung auf diesem "Marketplace". Und wir haben schon häufiger das Gespräch: Wieso kostet das bei Amazon zwölf Euro? Und bis sie das erklärt haben, was ist der Amazon-Marketplace und was heißt denn dann Preisbindung. Also die Preisbindung und auch die vielen Nischen, die schon gefunden sind, das zu verwässern, das ist natürlich auch ein großes Thema. Ein zunehmendes Thema, finde ich."

Amazon-Standortleiter Gregory Bryan spricht beim Rundgang durch das Amazon-Logistikzentrum in Koblenz andere Themen an. Er erklärt etwa, wie man sich vor Ort darauf vorbereitet, im Weihnachtsgeschäft eine große Zahl von Saisonarbeitskräften zusätzlich unterzubringen:

"Wir müssen die Kantine ausbauen, sie werden auch sehen, dass wir ein Zelt aufgebaut haben mit Heizung und so, damit wir mehr Sitzplätze haben."

Ein Büchertisch war übrigens beim Rundgang durch die Amazon-Hallen in Koblenz weit und breit nicht zu sehen. Anders als in der Innenstadt in der Buchhandlung Reuffel. Dort stößt man aktuell etwa auf einen Büchertisch zu Thema "100 Jahre Erster Weltkrieg". Buchhändlerin Ruth A. Duchstein:

"Für den Buchhändler, sich zu überlegen, was könnte für meine Kunden interessant sein und für den Kunden zu sehen, was denkt mein Buchhändler, was ich lesen sollte zum Thema - das hat ja was mit dem Dialog zu tun. Und mit dem Vertrauen gegenseitig. Auch das ist was, was man natürlich mit Kunden, die man jahrelang kennt, eher aufbaut und umgekehrt auch der Kunde bei seinem Buchhändler hier sucht als im Netz."

Nicht auszuschließen, dass es dieser inhaltliche Dialog zwischen Buchhändlern und Kunden ist, der 2013 den Umsatz des stationären Buchhandels nach Jahren des Rückgangs wieder ein wenig steigen ließ – um knapp ein Prozent nach rund sieben Prozent Verlusten im Zeitraum von 2010 bis 2012. Rund 6.000 Buchhandlungen gibt es zurzeit noch in Deutschland – 2010 waren es noch rund 7000.

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