
Eigentlich wollte sich die unabhängige Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" – eingesetzt von Bildungsministerin Karin Prien – erst im Sommer äußern, doch der öffentliche Druck war wohl zu groß geworden. Etwa, weil wir, durch Studien belegt, wissen: Das Alter der Nutzerinnen und Nutzer von Instagram, Snapchat und TiKTok sinkt immer weiter. Schon Sechsjährige konsumieren.
Und gleichzeitig wird deutlich, welche psychischen Probleme und Risiken die Nutzung mit sich bringt, gerade wenn das menschliche Gehirn sich noch entwickelt. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen zehn Prozent der Minderjährigen in Deutschland – immerhin 630.000 Kinder und Jugendliche – suchtartiges Nutzungsverhalten.
Andere haben verstanden, dass die Zeit drängt
Die Zeit drängt also, und das hat man in anderen Ländern schon längst verstanden. In Großbritannien und Frankreich zum Beispiel: Die Regierungen dort haben einen Gesetzgebungsprozess zum Verbot von Social Media unter 16 beziehungsweise bis 14 Jahren eingeleitet. Österreichs Regierung will bis Juni einen Gesetzesentwurf vorlegen. Ganz zu schweigen von Australien, das als erstes Land der Welt seit Dezember soziale Medien für Jugendliche unter 16 bereits blockiert.
Und in Deutschland? Hier sammelt die zuständige Ministerin erst einmal monatelang wissenschaftliche Expertise ein. Der Bericht heute ist zwar gründlich und soll ein Arbeiten der Politik deutlich machen, ganz nach dem Motto: Wir haben verstanden! Direkt ändern wird sich nach diesem Montag aber noch lange nichts.
Die konkreten Empfehlungen kommen erst Ende Juni
Denn: Konkrete Empfehlungen der Expertenkommission kommen dann doch erst Ende Juni. Dann ist parlamentarische Sommerpause und anschließend wird sich zeigen: Natürlich werden viele der Empfehlungen nicht auf Bundes-, sondern auf Landesebene durchzusetzen sein. Föderalismus ist das Stichwort.
Und dann werden wir erleben, wie unterschiedlich die 16 Bundesländer diese Empfehlungen annehmen, umsetzen oder weitertreiben.
Dabei hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schon im August 2025 auf ein Verbot wie in Australien gedrängt und das mit Zahlen und Fakten aus der Forschung hinterlegt. Sie ist dabei zu ähnlichen Ergebnissen gelangt, wie sie auch jetzt im Bericht der Expertenkommission zu lesen sind.
Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl
Auf ein weiteres Versäumnis beziehungsweise ein Zeitproblem sei an dieser Stelle verwiesen: Der Einfluss Künstlicher Intelligenz wird in dem Expertenpapier nur am Rande erwähnt. Gerade zu den Folgen für Minderjährige und altersspezifische Risiken der KI-Nutzung gibt es bislang wenig Forschung - sowohl international als auch in Deutschland.
Auf diese Leerstelle verweisen die Expertinnen und Experten des Prien-Gremiums selbst. Was bleibt ist das ungute Gefühl: Deutschland ist verdammt spät dran und die Zeit drängt.

















