Reform der Altersvorsorge
Sozialverbände kritisieren Empfehlungen der Rentenkommission - Lob vor allem für Kapitaldeckung

Die Diskussion über die bekannt gewordenen Vorschläge der Rentenkommission hält an. Die Empfehlungen etwa zum steigenden Eintrittsalter und zur Kapitaldeckung rufen gemischte Reaktionen hervor.

    Ein glückliches Paar mit weißem Haar steht mit einem Kaffeebecher in der Hand vor einem Schaufenster, im Hintergrund stehen Fahrräder.
    Ein älteres Paar auf einer Straße (Symbolbild) (picture alliance / Westend61 / Kniel Synnatzschke)
    Laut Medienberichten sehen die Vorschläge des Gremiums unter anderem vor, durch Geldanlagen am Aktienmarkt das Rentenniveau auf 50 Prozent zu steigern und das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, sodass es in den 2090er-Jahren bei 70 Jahren liegen könnte.

    Juso-Chef Türmer hält höheres Eintrittsalter für "nicht hinnehmbar"

    Der Juso-Vorsitzende Türmer sagte im Deutschlandfunk, es sei nicht hinnehmbar, dass für alle das Renteneintrittsalter an die allgemeine Lebenserwartung gekoppelt werden solle. Eine Kopplung des Renteneintritts an die Beitragsjahre sei die gerechtere Option, betonte Türmer.
    Lob kommt hingegen von Vertretern der Koalitionspartner: Der Vorsitzende der Senioren-Union, Hüppe, bezeichnete die Vorschläge als ausgewogen und maßvoll. Die Bundesregierung sollte ihnen im Grundsatz folgen und sie rasch umsetzen, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post". Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Radtke, bezeichnete die Vorschläge in den Zeitungen der Funke Mediengruppe als "starke Grundlage".

    AfD sieht "brauchbare Vorschläge", Grüne loben Kapitaldeckung

    Auch die Opposition findet in den Empfehlungen sinnvolle Aspekte. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der AfD, Springer, wies auf "brauchbare Vorschläge" hin - etwa, Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Springer kritisierte, dass Medien den Bericht bereits kennen, während das Parlament außen vor bleibe. Die Vorschläge sollen offiziell erst morgen vorgelegt werden.
    Die Grünen bewerteten die Ideen zur Kapitaldeckung positiv. Die Stärkung dieser Säule der Rente sei richtig und notwendig, sagte die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Haßelmann. Sie begrüßte eine weitgehende Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. Es müsse lediglich ein einfacherer Renteneintritt für jene gesichert sein, die tatsächlich nicht mehr arbeiten könnten.
    Die Chefin der Linken-Bundestagsfraktion, Reichinnek, wies die Vorschläge als "Schlag in die Magengrube" zurück. Es werde mehr Druck auf die Menschen gemacht, anstatt ein Rentensystem anzugehen, in das alle Erwerbstätigen einzahlten, sagte sie dem Portal "web.de".

    Ökonomen: Vorschläge gehen in die richtige Richtung

    Mehrere Ökonomen reagierten zurückhaltend positiv: Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Schnitzer, äußerte sich weitgehend zufrieden. Viele der Vorschläge deckten sich mit den eigenen von 2023, sagte die Ökonomin dem "Handelsblatt".
    Der Wirtschaftsweise Felbermayr bewertete die Empfehlungen im Deutschlandfunk als zu unambitioniert. Sie wiesen in Teilen in die richtige Richtung, blieben aber hinter den Forderungen der Wirtschaftsweisen zurück. Der Ökonom sprach sich für eine zielgenauere Ausschüttung der Mütterrente, eine Kopplung der Altersversorgung an die Inflation und eine Einbeziehung der Beamten in die Rentenkasse aus.
    Laut dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, sind die Vorschläge richtig. Es fehlten jedoch Mut und Konsequenz, betonte er. Sie änderten auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes an den drei größten Problemen: der Altersarmut, der zu starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit.

    Gewerkschaften lehnen höheres Eintrittsalter ab

    Gewerkschaften und Sozialverbände kritisierten vor allem eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erklärte, die Pläne gingen an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Menschen vorbei. Man lehne die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters ab.
    Die IG Metall warnte, sollte das Niveau der Alterssicherung gesenkt oder die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abgeschafft werden, werde dies in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie heftige Ablehnung hervorrufen. Der Sozialverband Deutschland erklärte, die Chance sei vertan worden, alle Beschäftigten in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.

    Weiterführende Informationen

    Die Vorschläge der Rentenkommission im Überblick
    Kommission empfiehlt Fondsmodell und steigendes Eintrittsalter (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 22.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.