
Was schlägt die SPD vor?
Nach dem von Fraktion und Parteispitze veröffentlichten Papier sollen große Vermögen stärker und kleine und mittlere Erbschaften entlastet werden. Ein Freibetrag von etwa einer Million Euro pro Erbe soll die bisherigen kleinteiligen Regelungen ersetzen. "Wir wollen für mehr Leistungsgerechtigkeit sorgen", sagte Fraktionsvize Esdar in Berlin. Auch das Vererben etwa von Elternhäusern soll steuerfrei bleiben, wenn die Erben dort weiter wohnen. Für Firmen sind Freibeträge von fünf Millionen Euro vorgesehen, um Familienbetriebe zu sichern. Erben größerer Unternehmen müssen dagegen mit Mehrbelastungen rechnen.
Wie sind die Reaktionen auf das SPD-Konzept?
Aus der Union kommt Kritik an den Plänen der SPD. Fraktionsvize Middelberg sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Konzept würde vor allem den familiengeführten Mittelstand massiv zusätzlich belasten. Neben der Union lehnen auch mehrere Wirtschaftsverbände die Vorschläge das Konzept der SPD ab, ebenfalls mit Blick auf Familienunternehmen. Die Stiftung "Familienunternehmen und Politik" sprach von einem "Steuererhöhungskonzept aus der Mottenkiste", der Verband der Chemischen Industrie von einem falschen Signal zur falschen Zeit.
Wer zahlt bisher Erbschaftsteuer – und wie viel?
Grundsätzlich ist jeder erbschaftsteuerpflichtig, der durch den Tod einer anderen Person Vermögen erhält. Das kann Bargeld sein, aber auch das geerbte Haus, eine geerbte Firma, Wertpapiere, Unternehmensanteile oder wertvoller Schmuck. Bevor die Steuer berechnet wird, werden mögliche Schulden des Gestorbenen abgezogen.
Wie viel Erbschaftsteuer anfällt, hängt erst einmal vom Verwandtschaftsgrad und vom Wert des Erbes ab. Die Steuersätze liegen derzeit zwischen 7 und 50 Prozent.
Muss man auf jedes Erbe Steuern zahlen?
Nein, gewisse Summen können aktuell ohne einen Cent Steuern vererbt werden. Die meisten Erbschaften und Schenkungen liegen laut Statistischem Bundesamt innerhalb von Freibeträgen. So können etwa Ehepartner bis zu 500.000 Euro, die eigenen Kinder bis zu 400.000 Euro steuerfrei erben.
Legal Steuern sparen kann man auch über Schenkungen, bei denen Vermögen noch zu Lebzeiten übertragen wird. Hier gelten die gleichen Freibeträge wie beim Erben – allerdings nicht einmalig, sondern alle zehn Jahre erneut. Wer früh anfängt, kann also enorme Summen übertragen, ohne den Staat zu beteiligen.
Das Haus oder die Eigentumswohnung der Eltern kann man zudem steuerfrei erben, wenn man selbst für mindestens zehn Jahre einzieht und die Wohnfläche 200 Quadratmeter nicht übersteigt.
Was wird an dem bisherigen System kritisiert?
In der Kritik stehen unter anderem Ausnahmen und Steuerbefreiungen beim Vererben von Betriebsvermögen. Der Staat will mit diesen vermeiden, dass Betriebe aufgegeben werden müssen, weil die neuen Besitzer die Erbschaftsteuer aus dem Privatvermögen nicht zahlen können. Durch eine sogenannte Verschonungsregelung können Vermögen ab 26 Millionen Euro künstlich arm gerechnet werden, um keine Erbschaftsteuer zu zahlen. Studien zufolge machen Erbschaften die Vermögenden in Deutschland noch reicher.
Wie viel Erbschaftsteuer nimmt der Staat ein?
Wie viel Geld jedes Jahr in Deutschland vererbt oder verschenkt wird, weiß niemand genau. Wer unter den Freibeträgen bleibt, taucht in der Statistik der Finanzbehörden nicht auf. Geschätzt wird, dass jährlich 200 bis 400 Milliarden Euro durch Erbschaften und Schenkungen den Besitzer wechseln.
Im vergangenen Jahr kassierten die Finanzverwaltungen dafür laut Statistischem Bundesamt Erbschaft- und Schenkungsteuer in Höhe von 13,3 Milliarden Euro. Die Einnahmen fließen an die Länder, der Bund hat davon erstmal nichts.
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Diese Nachricht wurde am 13.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



