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StartseiteGesichter Europas"In der Zone bist du ein Stück Vieh"30.11.2019

Strafvollzug in Russland"In der Zone bist du ein Stück Vieh"

In Russland kommen knapp 400 Häftlinge auf 100.000 Einwohner. Das sind fünf Mal so viele wie in Deutschland. Folter, Schikane, mangelnde medizinische Versorgung - die Haftbedingungen in den "Zone" genannten Gefängnissen sind Gegenstand ständiger Beschwerden.

Von Gesine Dornblüth

Angestellte eines Moskauer Gefängnisses betreten einen langen Flur mit Hochsicherheitstüren im Juni 2016 (dpa/Alexey Filippov/Sputnik)
Reformen im Russischen Strafvollzug sind dringend nötig. (dpa/Alexey Filippov/Sputnik)
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Viele Lager und Lagertraditionen stammen noch aus Zarenzeiten. Versuche, den Justizvollzug zu reformieren, gehen nur sehr schleppend voran. Die Wärter sind schlecht bezahlt, das fördert Korruption. Häftlinge, die arbeiten, erhalten nur wenig Lohn. Sitzt jemand in Russland im Knast, ist die Verwandtschaft damit beschäftigt, sein Überleben zu sichern – mit Essenspaketen und Geldzuwendungen.

An die Zukunft der Häftlinge nach der Entlassung denkt kaum jemand. Das Thema Resozialisierung – etwa durch das Erlernen von Berufen in der Haft - ist in Russland kaum eines, dementsprechend hoch ist die Rückfallquote: Wer einmal saß, sitzt oft wieder.

Eine Reportage in fünf Teilen.

Nato-Flagge am 70. Jahrestag der Gründung der Organisation bei einer Zeremonie in Kopenhagen, Dänemark (Claus Bech / imago)Nato-Flagge am 70. Jahrestag der Gründung der Organisation bei einer Zeremonie in Kopenhagen, Dänemark (Claus Bech / imago)Dänemark und die Nato - Hilfe aus Tradition
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