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StartseiteSport am Wochenende"Vom Almosen zum Beitrag übergehen"30.03.2019

Strukturreform im Handball"Vom Almosen zum Beitrag übergehen"

Der Deutsche Handballbund will sich weiter reformieren. Um die Strukturreform weiter voranzutreiben, orientiert der DHB sich an dem Vorbild des französischen Handballs. Die Finanzierung ist offenbar nur durch eine deutliche Beitragserhöhung zu realisieren.

Von Erik Eggers

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DHB-Präsident Andreas Michelmann beim Vorrundenspiel Deutschlands gegen Chile bei der Handball-WM in Frankreich. (imago - Camera 4)
Finanzieren will Verbandschef Michelmann die Strukturreform offenbar über eine deutliche Beitragserhöhung (imago - Camera 4)
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Die Vision von Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes, bedeutet nicht weniger als das ehrgeizigste Vorhaben in der Geschichte des 1949 gegründeten Dachverbandes. Er wolle mit einem "Haus des Handballs" eine neue Heimat des DHB schaffen, teilte er im Januar zu Beginn der Handball-WM mit. Dabei orientiert er sich an dem Vorbild des französischen Handballs, der in Creteil just ein modernes Trainings- und Verwaltungszentrum eröffnet hat. Als mögliche Standorte nannte er Berlin, Frankfurt oder eine Stadt am Rhein. Dortmund, der aktuelle Sitz des DHB, scheint keine Option mehr zu sein, aufgrund der nicht optimalen Fluganbindung und weiten Wege zur Politik oder dem Deutschen Olympischen Sportbund.  

Professionalisierung, Konzentration und Verdichtung

Zugleich mahnte Michelmann die 22 Landesverbände an, die 2017 auf dem DHB-Bundestag beschlossene Strukturreform durchzusetzen. Man brauche im Leistungssport und hinsichtlich der Mitgliederentwicklung effektivere Strukturen als bisher. Am liebsten wäre dem Präsidenten eine Reduzierung von 22 auf nur noch acht Landesverbände. Er wolle, so Michelmann, Professionalisierung, Konzentration und Verdichtung, andernfalls könne der deutsche Handball im Wettbewerb mit der Konkurrenz langfristig nicht bestehen.

Finanzierung über Beitragserhöhung

Finanzieren will der Verbandschef das offenbar über eine deutliche Beitragserhöhung. Man müsse "vom Almosen zum Beitrag übergehen", forderte Michelmann. Während der französische Dachverband jährlich rund zwölf Euro von jedem aktiven Handballer kassiere, seien es in Deutschland lediglich 80 Cent. Die 80 Cent erklären sich aus der Zahl der rund 760.000 Mitglieder, die im DHB organisiert sind – aktuell reichen die Landesverbände aus den Beiträgen, die sie von den gemeldeten Mannschaften einziehen, dem Dachverband rund 630.000 Euro jährlich weiter.

Beitragssteigerung um das Fünfzehnfache

Eine Erhöhung dieser Beiträge etwa auf das gleiche Niveau wie in Frankreich, also von derzeit 80 Cent auf 12 Euro pro Mitglied würde bedeuten, dass der Haushalt des DHB, der bei rund neun Millionen Euro liegt, auf fast das Doppelte steigen würde – damit ließe sich die Finanzierung einer neuen Zentrale sicher finanzieren. Aber die Landesverbände lehnen eine solche Erhöhung ab, weil dies, wie einige Landesfürsten glauben, einen Aufschrei an der Basis provozieren würde. Stattdessen fordern die Landesverbände eine Beteiligung der WM-Überschüsse, die sich wohl auf über zwei Millionen Euro belaufen.

Gefahr eines französischen Zentralismus

Doch nicht nur deshalb stößt die Vision Michelmanns auf Widerstand. Friedhelm Jakob, der Präsident des Pfälzer Handballverbandes, nennt sie gar eine "Illusion". Er befürchtet die Einführung eines französischen Zentralismus im DHB, so wie auch Wilhelm Barnhusen, der Präsident des mitgliederstarken Handballverbandes Westfalen. Eines der Kernargumente, dass viele Landesverbandsvertreter gegen eine radikale Verschlankung ihrer Strukturen vorbringen: die Gefahr, dass durch die Auflösung der Landesstrukturen auch Subventionen durch die jeweiligen Bundesländer verlorengehen könnten. Insofern sei eine Reduzierung auf minimal 16 Landesverbände realistisch, analog zu den 16 Bundesländern. Inzwischen hat der DHB-Präsident auf die Proteste reagiert und eine Struktur-Kommission installiert, in der der DHB, die großen Ligen und die Landesverbände vertreten sind. Sie soll einen Kompromiss finden für die Positionen, die noch so unversöhnlich scheinen. Auf das Gremium wartet viel Arbeit.

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