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StudieBegeisterung für Willkommenskultur hat nachgelassen

In großen Buchstaben steht auf Englisch "Refugees Welcome" (Flüchtlinge willkommen) am 25.05.2016 an einer Mauer am Ufer der Oder in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). (dpa-Zentralbild)
Der Ausspruch "Refugees Welcome" steht seit dem vergangenen Jahr sinnbildlich für die Willkommenskultur in Deutschland. (dpa-Zentralbild)

Die Einstellung der Deutschen zum Zusammenleben mit Migranten und Flüchtlingen hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verändert. Laut einer Studie der Universität Bielefeld befürworten zwar 43 Prozent die "zunehmende Vielfalt" in der Gesellschaft. Ressentiments seien aber längst nicht mehr nur am rechten Rand zu finden.

Die zunehmende Vielfalt in der Gesellschaft finden zwar noch immer 43 Prozent der Befragten gut, das sind aber vier Prozentpunkte weniger als noch zwei Jahre zuvor. Das ist ein Ergebnis der Studie "ZuGleich - Zugehörigkeit und (Un-)Gleichwertigkeit", die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Die Forscher unter der Leitung des Sozialpsychologen Andreas Zick von der Universität Bielefeld hatten jeweils zum Jahreswechsel 2013/14 und 2015/16 die Einstellungen, Meinungen, Gefühle und Vorstellungen von Menschen gegenüber Zuwanderern untersucht. Für die repräsentative Studie wurden bundesweit 2.006 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 94 Jahren befragt, 391 von ihnen hatten einen Migrationshintergrund. Erstellt wurde die Untersuchung im Auftrag der Mercator-Stiftung, die mitteilte, dass Ressentiments gegen Zugewanderte längst nicht mehr nur am rechten Rand zu finden seien.

Mehrheit befürwortet Aufnahme von Flüchtlingen - aber nicht für immer

Die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet zwar die Aufnahme von Flüchtlingen. So sind 73 Prozent der Meinung, dass jeder Flüchtling das Recht auf eine bessere Zukunft, auch in Deutschland habe. Drei Viertel aller Befragten sprachen sich zudem für eine religionsunabhängige Aufnahme von Geflüchteten aus.

Dass daraus ein dauerhafter Aufenthalt wird, wollen viele aber nicht. 55 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden sollten, sobald sich die Lage dort verbessert hat. 17 Prozent lehnten das ab, 28 Prozent positionierten sich dazwischen.

Mittlerweile zeigten sich deutliche Veränderungen der Integrationskultur, so der Leiter der Studie, Andreas Zick. "Die heftigen Debatten der letzten zwei Jahre scheinen ihre Spuren in der Wahrnehmung und den Meinungen der Bevölkerung hinterlassen zu haben."

Mehr Gegner als Befürworter der Willkommenskultur

Die Haltungen zum Leitbild der Willkommenskultur haben sich laut Studie umgekehrt. Während in 2013/14 die Befragten eine stärkere Willkommenskultur eher befürworteten (36 Prozent) als sie zurückzuweisen (31 Prozent), lehnt der größere Teil diese nun klar ab (36,7 Prozent). Auch Befragte mit Migrationshintergrund sind gegenüber einer Willkommenskultur mittlerweile zurückhaltender eingestellt. Von ihnen würden sich 41,5 Prozent über eine stärkere Willkommenskultur freuen, während sich mehr als jeder Vierte (rund 28 Prozent) dagegen ausspricht.

Um den Rückgang aufzuhalten, bedürfe es einer Weiterentwicklung von der Willkommenskultur zur "Ankommens- und Anerkennungskultur, die zivilgesellschaftliches Engagement und die Akzeptanz von Migranten fördert", so Zick.

(vic/tgs)

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