Montag, 26. September 2022

Vor zehn Jahren im Bistum Limburg
Der Fall Tebartz-van Elst

Die Krise der katholischen Kirche in Deutschland kreiste zuletzt um die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Im August 2012 entbrannte hingegen ein zäher Skandal um den medial als „Protzbischof“ gescholtenen, damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Von Ulrich Pick | 19.08.2022

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst am 15. Juli.2017
Franz-Peter Tebartz-van Elst, ehemaliger Bischof von Limburg - hier 2017 bei einer Prozession im Kölner Dom (picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa)
Knapp zwei Jahre hatte es gedauert, bis endlich wieder Ruhe in Limburg einkehren konnte und Rom entschied, dass Franz-Peter Tebartz-van Elst dort nicht weiter Bischof sein dürfe. Zurückgelassen hatte der einstige Oberhirte ein Bistum mit Tausenden enttäuschten und erbosten Katholiken sowie eine umgebaute Bischofsresidenz, deren immense Kosten und überzogenen Luxus er immer wieder mit Ausflüchten zu vertuschen versucht hatte. „Protz-Bischof“ wurde er deshalb genannt – ein Begriff, der 2013 bis auf Platz 2 der Liste für das „Wort des Jahres“ kam.

Flugkosten und Staatsanwaltschaft

Angefangen hatte der Ärger am 19. August 2012: Da warf das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Bischof Tebartz-van Elst erstmals Verschwendung vor: Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, hieß es, um dort soziale Projekte zu besuchen. Das Bistum wies diese Darstellung zurück, und der Bischof versicherte, ein entsprechendes Interview habe es nie gegeben. Doch der "Spiegel"-Reporter hatte es verdeckt mitgeschnitten:
Tebartz-van Elst:„Wir sind zu diesen Projekten hingeflogen, und zwar so, wie es die Reisekondition der Deutschen Bischofskonferenz und auch unseres Bistums sind."
Reporter: „Aber erster Klasse sind Sie geflogen?“
Tebartz-van Elst: „Business Class sind wir geflogen.“

Residenz für zehn Millionen Euro renoviert?

Die Hamburger Staatsanwaltschaft schaltete sich ein und ermittelte gegen den Limburger Bischof wegen des Verdachts einer eidesstattlichen Falschaussage. Gleichzeitig sorgte die Kostenentwicklung beim Umbau seiner Residenz für immer größeren Ärger im Bistum. Denn die Summe kletterte immer höher. Lag sie im Jahr 2010 bei 2,5 Millionen Euro, stieg sie bis zum August 2012 auf 5,5 Millionen, bevor sie im Juni 2013 vom Bistum mit rund zehn Millionen angegeben wurde. Unverständnis und Empörung erregten hierbei vor allem der große Luxus im Bischofshaus: Von Kunstwerken für 450.000 Euro, Kappellenfenster für 100.000 Euro und einem nachträglich eingebauten Seilzug für einen Adventskranz für 50.000 Euro war die Rede. Kein Wunder, dass sich selbst engagierte Katholiken wie Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm echauffierten
„Der Kölner Dom ist auch kein Sparprogramm. Nur, der dient dem Gottesdienst. Und die Badewanne für 15.000 Euro dient keinem Gottesdienst.“

Unmut an der Basis

Angesichts der immer schlechter werdenden Stimmung im Bistum verfassten Katholiken in Frankfurt einen offenen Brief mit 4400 Unterschriften: Die Zukunft der Diözese sei gefährdet, hieß es, und die Bistumsleitung müsse dringend einen anderen Weg einschlagen, wolle sie weiterhin glaubwürdig sein. Bischof Tebartz zeigte sich reumütig:
„Wo ich Sie enttäuscht und verletzt habe, bitte ich um Verzeihung und Nachsicht. Wo Unachtsamkeiten oder Fehleinschätzungen meinerseits die Ursache dafür sind, tut mir das sehr leid.“

Wut und Entsetzen in Limburg

Bereits wenige Wochen später klangen diese Worte für viele Katholiken hohl. Rom hatte einen Gesandten nach Limburg geschickt, der sich ein eigenes Bild von der verfahrenen Lage im Bistum machen sollte, und Bischof Tebartz versprach volle Aufklärung über die Kosten. Kurze Zeit darauf, am 7. Oktober 2013, veröffentlichte die Bistumsleitung dann die endgültige Summe der Umbauarbeiten: 31 Millionen Euro. Wut und Entsetzen lagen über Limburg – zumal der für die Finanzkontrolle zuständige bischöfliche Vermögensverwaltungsrat davon sprach, hinters Licht geführt worden zu sein. Gleichzeitig kommentierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, die Lage seines Amtsbruders mit folgenden Worten: „Ich muss schon sagen, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da weiterleben könnte.“
 Sowohl Zollitsch als auch Tebartz reisten kurz darauf – unabhängig voneinander – zu Gesprächen nach Rom, und wenige Tage später, am 23. Oktober, schickte der Papst den Limburger Bischof in eine klösterliche Auszeit. Kurz darauf wurde auch das Verfahren gegen Tebartz wegen eidesstattlicher Falschaussage im Zusammenhang mit seinem Erste-Klasse-Flug nach Indien eingestellt. Er musste 20.000 Euro zahlen. Ein knappes halbes Jahr später gab dann der Vatikan bekannt, der Limburger Bischof werde nicht mehr in sein Bistum zurückkehren.
Die bischöfliche Residenz wird inzwischen von Tebartz‘ Nachfolger Georg Bätzing für Sitzungen und als Büro benutzt. In den Wohnbereich ist bislang noch niemand gezogen. Er wird laut Bistum für Ausstellungen und als Lager benutzt.