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StartseiteWirtschaftsgesprächZwischen Rodungsstopp und Kapitalerhöhung17.02.2020

Tesla in BrandenburgZwischen Rodungsstopp und Kapitalerhöhung

Im aktuellen Geschäftsbericht des Autobauers Tesla wird die sogenannte "Gigafactory Berlin" als ein Risikofaktor von vielen aufgeführt. Der Rodungsstopp auf dem künftigen Tesla-Gelände in Brandenburg könnte das Unternehmen finanziell zurückwerfen. Vergangene Woche hat Tesla eine Kapitalerhöhung angekündigt.

Von Silke Hahne

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Ein Tesla-Firmengebäude in Florida (Paul Hennessy/SOPA Images)
Tesla - die Aktien gehen weg wie geschnitten Brot (Paul Hennessy/SOPA Images)
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Was würde eine Verzögerung wirtschaftlich für Tesla bedeuten?

Es könnte Tesla finanziell zurückwerfen. Das Unternehmen hat auf volle Geschäftsjahre betrachtet noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Der Schuldenstand lag Ende 2019 bei mehr als elf Milliarden US-Dollar und so wird im aktuellen Geschäftsbericht des Unternehmens die sogenannte "Gigafactory Berlin" als ein Risikofaktor von vielen aufgeführt für die Geschäftslage. Darin steht auch, dass Tesla den Bau der Fabrik über Kredite finanziert und nicht über Einnahmen aus dem operativen Geschäft. Das würde auch nicht funktionieren, da Tesla ja keine schwarzen Zahlen schreibt.

Was ist der Grund dafür, dass Tesla letzte Woche angekündigt hat, nun nochmal neue Aktien auf den Markt zu bringen?

Das ist nicht ganz klar. Im Börsenangebot zur Kapitalerhöhung, den man bei der US-Börsenaufsicht dazu abrufen kann, heißt es: Tesla wolle mit dem Geld seine Bilanz stärken und ansonsten für Allgemeine Unternehmenszwecke einsetzen. Zwei Milliarden Dollar will Tesla einsammeln - viel Geld, und obwohl das ja den Kurs der bestehenden Aktien verwässert, ist der Kurs nach dieser überraschenden Ankündigung nicht dauerhaft abgesackt.

Das zeigt: Die Aktien gehen gerade weg wie geschnitten Brot, es gibt einen unglaubliche Hype um die Papiere und die Firma insgesamt. Und das allein könnte ja schon ein Grund sein, Aktien auszugeben. Es wäre ein kluger Schachzug: die Gunst der Stunde nutzen und Geld am Kapitalmarkt einzusammeln und damit vielleicht für schlechte Zeiten vorzusorgen. Aktuell ist Tesla an der Börse ja mehr wert als manch alteingesessenen Autobauer aus den USA oder auch aus Deutschland zusammen.

Braucht Tesla denn trotz des Börsenbooms Subventionen?

Angesichts der hohen Schulden vielleicht sogar mehr als andere Autobauer. Die Debatte ist vielleicht auch nicht ganz rational. Das zeigt vielleicht ein Beispiel ganz gut: Keine 150 Kilometer südlich der geplanten Tesla-Fabrik will BASF eine Fabrik für Batteriematerialien bauen und bekommt dafür auch mehr als 100 Millionen Euro allein vom Bund.

Der Topf für Batterieförderung in der EU ist insgesamt mehr als drei Milliarden Euro schwer, mehr als eine Milliarde kommt aus Deutschland, dutzende Firmen profitieren. Aber diese emotionale Debatte wird nur über Tesla geführt. Dabei steht nicht einmal fest, ob das Unternehmen Bundesmittel bekommt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat das abhängig von der Frage gemacht, ob dann in Deutschland von Tesla nicht nur produziert, sondern auch entwickelt und geforscht wird. Auch die Bewilligung von Landesmitteln steht noch aus. Es wird da also über ungelegte Eier diskutiert.

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