
Chinas Staatsmedien greifen die Phrase immer wieder gerne auf: die sogenannte Goldene Ära der chinesisch-britischen Beziehungen. 2015 wurde sie ausgerufen, als Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping London den damaligen Premierminister David Cameron besucht hat. Daran erinnert die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Hua Chunying, vor dem Besuch der britischen Premierministerin Theresa May.
"Durch den Besuch von Premierministerin May in China haben wir den ersten Gipfel beider Länder, seitdem Präsident Xi Jinping 2015 zu seinem historischen Staatsbesuch in Großbritannien war. Damals haben beide Seiten eine globale und umfassende strategische Partnerschaft für das 21. Jahrhundert beschlossen. Den Beginn einer Goldenen Ära in den Beziehungen zwischen China und Großbritannien."
Aber damals, 2015, war auch noch kein Brexit. Chinas politische Führung hatte vor der Volksabstimmung an die Briten appelliert, für den Verbleib in der EU zu stimmen. Auch im eigenen Interesse: Eine Vielzahl chinesischer Unternehmen haben ihren EU-Hauptsitz in London. Erschließen von dort den europäischen Binnenmarkt. Großbritannien galt als wichtiges Sprungbrett für chinesische Investoren, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen.
Fürsprecher Chinas bei der EU
Im Gegenzug haben sich die Briten bei der EU in Brüssel oft als Fürsprecher chinesischer Handelsinteressen hervorgetan. Ob bei den Themen Marktwirtschaftsstatus für China oder Freihandelsabkommen mit der EU. Mit dem Brexit wird das nun alles schwierig. Großbritannien verliert für China an Bedeutung, auch wenn das in Peking offiziell keiner so sagen möchte. Stattdessen diplomatische Liebesgrüße aus dem chinesischen Außenministerium.
"China misst der Entwicklung der chinesisch-britischen Beziehungen außerordentliche Bedeutung bei. Wir hoffen, dass der Besuch von Premierministerin Theresa May uns Gelegenheit bietet, unsere Zusammenarbeit weiter auszubauen."
Große Entourage an Wirtschaftsvertretern
Die Gäste haben vor allem wirtschaftliche Interessen. Noch nie sind bei einem britischen Staatsbesuch in China so viele Wirtschaftsvertreter aus London mit gereist. Ziel ist perspektivisch ein bilaterales Handelsabkommen mit China. Die Wirtschaftsbeziehungen zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt sollen vertieft werden. Auch durch die Beteiligung am Mega-Projekt Neue Seidenstraße, sagt Jinny Yan, Chef-Ökonomin der chinesischen Bank ICBC.
"Großbritannien hat riesiges Interesse an der Initiative Neue Seidenstraße. Das kann langfristig ein Propeller für das britische Wirtschaftswachstum sein. Besonders nach dem Brexit."
Aber es geht nicht nur um Wirtschaft. Der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, hat im Vorfeld des Besuchs einen offenen Brief an Premierministerin May geschrieben und vor dem wachsenden Einfluss Chinas in Hongkong gewarnt. Freiheits- und Menschenrechte seien dort in Gefahr, weil Chinas politische Führung immer aggressiver Einfluss ausübe. May solle Chinas Präsident Xi Jinping deshalb an die Vereinbarungen erinnern, die bei Hongkongs Übergabe vor 20 Jahren getroffen wurden. "Ein Land, zwei Systeme" - diese Vereinbarung und die Autonomie Hongkongs seien in Gefahr.

