US-Notenbank
Trumps Kandidat für den Fed-Vorsitz - wer ist Kevin Warsh?

US-Präsident Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger des Chefs der Zentralbank Fed, Jerome Powell, vorgeschlagen. Wie groß seine Chancen auf das Amt sind, für welche Politik er steht und warum die Finanzmärkte auf die Personalie zunächst eher positiv reagiert haben.

    Der frühere Notenbankdirektor Kevin Warsh
    Trump-Kandidat Kevin Warsh (Getty Images via AFP / TASOS KATOPODIS)

    Wer ist Kevin Warsh?

    Warsh ist der Schwiegersohn des langjährigen Trump-Freundes Ronald Lauder. Der 55-jährige New Yorker gilt als ausgewiesener Finanzexperte. Von 2006 bis 2011 war er bereits Mitglied des Gouverneursrats der Fed. Zudem unterstützte er den damaligen Präsidenten George W. Bush in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Während der ​Finanzkrise 2008 galt Warsh als entscheidender Vermittler zwischen Notenbank und Wall Street. Zuletzt war er an der Eliteuniversität Stanford tätig.

    Für welche Geldpolitik steht Warsh?

    Warsh galt früher als "geldpolitischer Falke" - also als Verfechter hoher Zinsen, um die Preise stabil zu halten. Zuletzt stellte er sich jedoch hinter die Forderungen von Trump, die Leitzinsen zu senken. Er übte zudem deutliche Kritik an Fed-Chef Powell und lobte die Wirtschaftspolitik der Regierung.

    Warum hat Trump Warsh nominiert?

    Trump will mit drastischen Zinssenkungen die Wirtschaft ankurbeln. Auch würden sie helfen, die hohe US-Staatsverschuldung zu finanzieren. Warsh wolle "die Zinsen ganz sicher senken", erklärte Trump nun. Er beobachte ihn schon lange.
    Bereits 2017 soll Trump erwogen haben, Warsh als Nachfolger für die damalige Fed-Chefin Janet Yellen zu nominieren. Er entschied sich damals aber für Powell, was er später öffentlich bereute. In seiner zweiten Amtszeit hat Trump Powell wegen dessen zurückhaltender Zinspolitik wiederholt diffamiert und ihm mit einer Entlassung gedroht, was Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank auslöste. Diese wurden verstärkt, als Powell, der im Mai planmäßig aus dem Amt scheidet, strafrechtliche Ermittlungen durch das Justizministerium gegen sich öffentlich machte.

    Wie reagieren die Finanzmärkte?

    Die Kandidatur von Kevin Warsh wurde an den Finanzmärkten mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen. So erholte sich der Dollar, die Krisenwährung Gold verlor dagegen an Wert. Ökonomen attestieren Warsh nicht nur finanzpolitische Kompetenz, es wird ihm auch zugetraut, die Unabhängigkeit der Fed zu verteidigen - zumindest eher als anderen Kandidaten, die für die Nachfolge von Powell gehandelt wurden, etwa Trumps Wirtschaftsberater Hassett.
    Samuel Tombs, Analyst bei Pantheon Macroeconomics, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er halte es durchaus für möglich, dass Warsh im Amt wieder als finanzpolitischer Falke auftreten werde. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer glaubt das nicht. "Trump will bei der Fed loyale Gefolgsleute, die ihm nach dem Mund reden", sagte er dem Deutschlandfunk. Der Präsident werde den "Fehler" mit der Nominierung Powells aus seiner ersten Amtszeit sicher nicht wiederholen. Man müsse daher befürchten, dass die Unabhängigkeit der US-Notenbank unter Kevin Marsh als Vorsitzendem in den kommenden Monaten weiter erodiere.

    Ist die Wahl von Marsh sicher?

    Der Präsident der USA hat lediglich ein Vorschlagsrecht für das Amt des Fed-Chefs. Der Senat muss der Personalie zustimmen. Dort verfügen die Republikaner zwar über eine knappe Mehrheit, dennoch gilt die Zustimmung nicht als sicher. So erklärte der republikanische Senator Thom Tillis aus North Carolina, jegliche Nominierungen für die Fed zu blockieren, bis die Ermittlungen des Justizministeriums gegen Powell abgeschlossen sind. Elizabeth Warren, die ranghöchste Demokratin im Bankenausschuss teilte mit, die Nominierung von Marsh sei der jüngste Schritt von Trumps Versuchen, "die Kontrolle über die Fed zu erlangen".

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    Diese Nachricht wurde am 30.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.