Sonntag, 05. Februar 2023

Fox News-Moderator Tucker Carlson
Lagerfeuer für die stramm rechtsdenkenden USA

Gegen den „Mainstream“, für Donald Trump, verbal auf Krawall gebürstet – so beschert Moderator Tucker Carlson dem Sender Fox News schon lange beste Einschaltquoten. Seine Sendung gilt in den USA inzwischen als eines der Zentren rechter Verschwörungsmythen. Warum, zeigt sich aktuell auch wieder im Krieg in der Ukraine.

Von Marcus Schuler | 31.03.2022

Tucker Carlson an einem Rednerpult
Tucker Carlson moderiert die erfolgreichste TV-Sendung unter den amerikanischen Nachrichtensendern (imago images/ZUMA Wire)
Der Ukraine-Krieg war keine 24 Stunden alt, da ätzte Fox News‘ Star-Moderator Tucker Carlson über die Regierung von Wolodymyr Selenskyj: "Welche Prinzipien verteidigen wir hier? Wir nehmen ein Regime in Schutz, das seine politischen Gegner verhaftet und oppositionelle Medien abschaltet. Was steht auf dem Spiel, abgesehen von einer Belohnung für Familie Biden?" Einen Tag vor dem Angriff durch Russland hatte Carlson behauptet, die Ukraine sei keine Demokratie. Das Land werde vom US-Außenministerium gesteuert. Mit seiner allabendlichen Show im TV-Sender Fox News ist der 52-jährige Kalifornier der Quotenkönig.
Im Schnitt schalten jeden Abend drei Millionen US-Amerikanerinnen und Amerikaner ein. Die einstündige Show - 20 Uhr Ost-Küstenzeit - ist die erfolgreichste TV-Sendung unter den amerikanischen Nachrichtensendern. Der Anti-„Mainstream“-Kurs, die radikalen, stets auf verbalen Krawall gebürsteten Aussagen bringen Werbekunden und entfachen ein Lagerfeuer für das stramm rechtsdenke Amerika. Seit Jahren verteidigt Carlson regelmäßig Putin und befindet sich damit stets auf einer Linie mit Ex-US-Präsident Donald Trump. Der hatte immer wieder davon gesprochen, wie großartig es doch sei, wenn man sich mit Russland verstünde.

Russische Staatsmedien zitieren Carlson

Carlsons Sendung hat sich mittlerweile zu eines der Zentren rechter Verschwörungsmythen in den USA entwickelt. Russische Propaganda und Fox-News befruchten sich hier seit Wochen gegenseitig. Am 6. März zum Beispiel strahlt Carlson eine Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums aus. Tenor: Die Ukraine betreibe mit Unterstützung der USA militärische Biowaffen-Labore. "Unsere Regierung finanziert seit Jahren Labore in der Ukraine, die unter anderem an biologischen Waffen arbeiten. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist wahr."
Während US-Internetunternehmen wie Facebook, Youtube und Twitter die russischen Staatsmedien in ihrer Reichweite beschnitten oder abgeschaltet haben, verbreiten in den USA jetzt rechtsextreme Telegram-Kanäle, Podcasts und Blogs die Propaganda Moskaus. Und in Russland spielen besonders gerne die Staatssender Putins Ausschnitte aus der Fox-News-Sendung von Carlson.

Hauptstadt-Journalisten gehen auf Distanz

Gemeinnützige Forschungsgruppen wie die "Alliance for Securing Democracy" in Washington machen schon seit Längerem auf die enge Verflechtung rechter Gruppierungen in den USA und russischen, vermutlich staatlich gelenkten Internet-Trollen aufmerksam. So hätten beide Seiten zuletzt die Impfkampagne in den USA bekämpft und versucht, Zweifel zu streuen. Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen sagt, irgendwann setzt sich nahezu jeder Verschwörungs-Mythos fest: "Wenn Menschen immer wieder mit Ideen konfrontiert werden, die nicht wahr sind, untergräbt das ihre Fähigkeit, sich mit dem Rest der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Sie fühlen sich nicht mehr an reale Fakten gebunden, über die Konsens herrscht."

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Auch die Hauptstadt-Journalisten in Washington gehen auf Abstand zu Carlson. Der Chef-Korrespondent von ABC, Jonathan Karl sagte vor ein paar Tagen: "Was hier gesagt wird, ist quasi ein Plagiat Putins. Und zwar fast Wort für Wort. Das ist nicht nur gerade der Fall, das läuft schon seit mehreren Jahren so." Mit dem Schmuddel-Image können Fox News und Tucker Carlson aber gut leben. Sowohl Einschaltquote als auch Werbeeinnahmen stimmen.