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US-Notenbank Fed
Taktgeber für die Weltwirtschaft?

Monatelang hielt FED-Präsidentin Janet Yellen die Finanzmärkte in Atem. Mitte Dezember dann die Entscheidung: Der Leitzins wird angehoben. Nicht nur für die USA ein entscheidender Schritt, sondern für Volkswirtschaften weltweit. Aber wird die US-Notenbank auch 2016 den Ton angeben?

Von Marcus Pindur | 30.12.2015

    Die US-Notenbank-Chefin Janet Yellen
    Die US-Notenbank-Chefin Janet Yellen (Imago / Xinhua)
    Über ein Jahr lang hatte die Vorsitzende der Federal Reserve Bank, Janet Yellen, die Märkte vorsichtig auf eine Zinserhöhung vorbereitet. Die Betonung liegt auf "vorsichtig", denn es gebe immer noch einige Unwägbarkeiten, sagte Janet Yellen noch im Juli:
    "Es gibt immer noch eine leichte zyklische Schwäche am Arbeitsmarkt. Die Zahl derer, die sich aktiv um Arbeit bemühen, hat sich verringert. Und viele, die einen Teilzeitjob haben, wollen lieber Vollzeit arbeiten. Außerdem hinken die Lohnzuwächse noch hinterher."
    Es dauerte noch ein halbes Jahr, bis die amerikanische Notenbank, die Fed, sich zum denkbar kleinstmöglichen Zinsschritt durchringen konnte. Ein Viertelprozentpunkt mehr – damit liegt der amerikanische Leitzins erstmals seit sieben Jahren nicht mehr bei null Prozent. Es sei richtig, dass die Fed vorsichtig vorgehe, so David Wessel, Finanzexperte der Brookings Institution, eines Washingtoner Thinktanks.
    "Weil das so ein großer Schritt in der Geldpolitik ist, nach sieben Jahren Nullzinsen, will Janet Yellen besonders vorsichtig sein, um die Wirtschaft nicht aus dem Tritt zu bringen. Aber dann wird sie schrittweise die Zinsen anheben."
    Janet Yellen selbst sprach von 1,5 Prozent Ende 2016 und 2,5 Prozent 2017. Mit der moderaten Erhöhung blieben die Zinsen aufs Ganze gesehen immer noch sehr niedrig. Jetzt sei wegen der stabilen wirtschaftlichen Lage der richtige Zeitpunkt, die Zinsen zu erhöhen.
    "Hätten wir zu lange abgewartet, dann hätte die Gefahr einer Überhitzung der Konjunktur und einer stark überhöhten Inflationsrate bestanden. Und dann hätten wir die Zinsen abrupt erhöhen müssen."
    Die Nullzinsen in den USA, nach wie vor die größte Ökonomie der Welt und deshalb immer von globaler Bedeutung, erleichterten die Kreditvergabe und kurbelten den Konsum an. Doch billiges Geld ist zwar gut für die Konjunktur, könnte aber auf Dauer eine Spekulationsblase und eine Überhitzung der Konjunktur zur Folge haben.
    Kritiker der Zinserhöhung, wie das britische Nachrichtenmagazin "The Economist", sehen dagegen die global-konjunkturellen Risiken der Entscheidung. Sie stärke den Dollar und ziehe Kapital aus den Schwellenländern ab, die gerade in eine kritische Phase einträten. Die Abkühlung der Konjunktur in China habe auch für andere Schwellenländer wie Brasilien und Indien Konsequenzen.
    Doch Janet Yellen ist in erster Linie der amerikanischen Ökonomie verpflichtet, und die sieht der Wirtschaftswissenschaftler Jakob Kierkegaard von Peterson Institute for International Economics in Washington in einer guten Lage.
    "Die USA sind in einer vergleichsweise guten strukturellen Situation gegenüber vielen europäischen Ländern. In den USA besteht zum Beispiel nicht die Notwendigkeit zu Arbeitsmarktreformen. Die USA sind bereits eine vergleichsweise flexible Wirtschaft. Deshalb hat die expansive Geldpolitik hier auch schneller Wirkung gezeigt als in Europa."
    Doch Janet Yellen hat sich auch für 2016 Spielraum gelassen. Sie wird die konjunkturelle Entwicklung in den USA genauso wie die weltwirtschaftlichen Risiken im Auge behalten – weil diese auch sehr schnell Rückwirkungen auf die amerikanische Wirtschaft haben. Klar scheint für 2016 lediglich zu sein, dass der amerikanische Leitzins weiter steigt – wie schnell jedoch, das hängt von vielen Unwägbarkeiten ab. Klar ist aber auch: Die Zinserhöhung ist eine gute Nachricht für die gesamte Weltwirtschaft. Ihr liegt nämlich die Einschätzung zugrunde, dass die größte Industrienation der Welt sich von der schwersten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren erholt hat.