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StartseiteWirtschaft und GesellschaftBerliner Mobilitätszentrum InnoZ wird aufgegeben30.04.2019

VerkehrBerliner Mobilitätszentrum InnoZ wird aufgegeben

Der fahrerlose Minibus Olli und der Medi Bus stammen aus dem Berliner Mobilitätszentrum InnoZ, an dem auch die Deutsche Bahn beteiligt ist. Jetzt wird das Innovationsprojekt stillgelegt, weil es nicht kostendeckend gearbeitet hat. Ein Aus für Innovation sei das nicht, sagen DB-Vertreter.

Von Anja Nehls

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Der selbstfahrende Bus Olli steht am 27.06.2017 auf einem Testgelände in Berlin. Dieser Minibus braucht keinen Busfahrer, er hat einen Computer an Bord. (dpa / Philipp Brandstädter)
Der selbstfahrende Bus Olli im Jahr 2017 (dpa / Philipp Brandstädter)
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Ein rot-weißer Bus der Deutschen Bahn steht auf dem Gelände, wo bis jetzt das InnoZ zuhause war. Das Innovationszentrum für Mobilität wird nun zum 1. Mai von der deutschen Bahn, mit 77 Prozent Hauptgesellschafter, vom Wissenschaftszentrum Berlin und vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt stillgelegt. Jürgen Kornmann von der Deutschen Bahn:

"Grund dafür ist vor allem, dass in den letzten Jahren die Forschungsaktivitäten, aber auch die Entwicklung von Innovationen im Mobilitätsbereich stärker von den DB eigenen Konzernbereichen übernommen worden sind."

Innovationsanstrengungen des Konzerns werden verlagert

Zum Beispiel von den neugeschaffenen Bereichen DB New Mobility, Digital Ventures oder Smart City und den dazugehörenden Tochtergesellschaften oder Beteiligungen wie ioki, clever shuttle, Mobimeo oder DB connect. Der rot-weiße Bus ist eine Entwicklung der DB Regio. Er soll zeigen, dass mit der Abwicklung des InnoZ die Innovationsanstrengungen des Konzerns nur verlagert werden. Arndt Hecker von DB Regio zeigt stolz das Innere des Busses, der später mal als rollende Arztpraxis in ländlichen Gebieten unterwegs sein soll:

"Wir stehen hier gerade im ersten Raum, das ist die Anmeldung und der Wartebereich. Diese Schiebetür lässt sich schließen, auch fast akustisch getrennt dann vom ersten Raum, so dass hier der Patient vom Arzt behandelt werden kann, parallel zum letzten Raum, wo wir auch nochmal einen Behandlungsraum haben."

Innovationsprojekte wie dieser neue Medi Bus seien in den letzten Jahren immer stärker von den jeweiligen Geschäftsfeldern der Deutschen Bahn selbst übernommen worden, so die Bahn. Auf der Internetseite des InnoZ heißt es zur Zeit:

"Vor diesem Hintergrund erscheint das vom InnoZ angestrebte und notwendige Umsatzwachstum mit dem Hauptgesellschafter Deutsche Bahn kurz- bis mittelfristig unrealistisch, da das InnoZ nach Ansicht der Gesellschafter nicht über die erforderliche Innovationskraft und die notwendigen Alleinstellungsmerkmale der Innovationsaktivitäten verfügt."

Verluste von 2,4 Millionen Euro

Tatsache ist: Das InnoZ arbeitete in den letzten Jahren nicht kostendeckend. Die Verluste betrugen im Jahr 2015 noch 250.000 Euro, 2017 waren sie bereits auf 2,4 Millionen Euro angewachsen. Bereits im vergangenen Jahr stiegen unter anderem deshalb auch die Miteigentümer Siemens und T-Systems aus.

2006 war das InnoZ gegründet worden- als neue Form einer organisationsübergreifenden Gestaltung von Innovationsaktivitäten, so die Bahn. Entwickelt wurde in dieser Zeit unter anderem der fahrerlose Minibus Olli, dessen Nachfolger jetzt auf Testfahrt im bayrischen Bad Birnbach unterwegs ist. Auf dem Gasometer Gelände in Berlin fuhr im Rahmen des Projekts Pole Position der selbstfahrende Shuttle Emily. Den Bereich autonomes Fahren aus dem InnoZ übernimmt jetzt unter anderem die hundertprozentige Bahntochter ioki in Frankfurt am Main und will unter anderem an das Projekt Pole Position anknüpfen, erklärt Chris Büttner von ioki:

"Da war ja auch ein Ziel, dass wir eine On-demand-App für dieses Fahrzeug entwickeln, also für die Fahrgäste, die dieses Fahrzeug nutzen wollen. Das heißt, wir versuchen damit quasi die letzte Meile Problematik in der Zukunft zu lösen und stellen uns vor, dass man dann irgendwann am Berliner Hauptbahnhof steht und außerhalb der Stadt so Richtung Friedrichshain, Lichtenberg möchte oder so, dass man dann einfach einen Shuttle, ein automatisiertes Shuttle rufen kann in der Zukunft und das bringt einen einfach flexibel und individuell zum Zielort."

Apps, Carsharing, autonome Shuttledienste und vieles mehr

Genau wie ioki sollen sich unter dem Dach der neuen Geschäftssparte New Mobilty auch noch andere DB Töchter und Beteiligungen mit dem Themenfeld Mobilität der Zukunft beschäftigen. Es geht um Apps als Buchungs- und Informationshilfe, um Carsharing, Leih-Fahrräder oder autonom fahrende Shuttledienste und um die Entwicklung von Computerprogrammen, die zum Beispiel Verkehrsströme analysieren können.

Die Projekte und Ideen, die bisher im InnoZ entwickelt wurden, werden nun einfach woanders fortgeführt, so die Bahn. Die meisten Mitarbeiter seien entsprechend bereits untergekommen. Die freigewordenen Räume am Gasometer in Berlin Schöneberg sollen weiterhin von der Deutschen Bahn genutzt werden. Das InnoZ war auf dem Gasometergelände Gründungsmitglied des sogenannten Euref Campus. Euref steht für Europäisches Energieforum. Das versteht sich als Symbol der Energiewende in Deutschland und ist Standort für Unternehmen aus den Bereichen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität.

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