Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine
Vier Jahre Krieg - wie geht es weiter?

Am 24. Februar 2022 haben russische Truppen die Ukraine überfallen. Seitdem wehrt sich das angegriffene Land mit internationaler Unterstützung gegen die Aggressoren. Wir geben einen Überblick über den Stand der Dinge und die mögliche weitere Entwicklung.

    Ein ukrainischer Soldat steht auf einem Friedhof in Kharkiw vor den Gräbern im Krieg gefallener ukrainischer Soldaten.
    Nach Schätzungen wurden im russischen Angriffskrieg schon mehr als 100.000 ukrainische Soldaten getötet. (picture alliance I dpa I David Young)
    Der ursprüngliche Plan von Russlands Präsident Putin - die schnelle Eroberung des Industriereviers Donbass in der Ostukraine - ist am unerwartet starken Widerstand der ukrainischen Armee gescheitert. Zwar verbleiben rechnerisch nur noch etwas mehr als zehn Prozent der Regionen Donezk und Luhansk unter der Kontrolle Kiews. Doch mit dem festungsartig ausgebauten Städtegürtel von Kostjantyniwka über Druschkiwka und Kramatorsk nach Slowjansk hat die ukrainische Armee trotz aller Schwierigkeiten weiter gut befestigte Verteidigungsstellungen in ihrer Hand. Zudem gelingen ihr immer wieder kleinere regionale Landgewinne. Ein Grund dafür ist nach Ansicht von Experten, dass Russland seit Kurzem keinen Zugang mehr zum Satellitenkommunikationsnetz Starlink des US-Milliardärs Musk hat.

    Wo wird sonst noch gekämpft?

    Beide Seiten überziehen den Gegner auch in Gebieten jenseits des Donbass mit Angriffen aus der Luft und verursachen so massive Schäden an der Infrastruktur und töten Zivilisten. Russische Drohnen attackierten zuletzt immer wieder die ukrainische Energieversorgung in nahezu allen Gebieten des Landes. Zu den Hauptzielen gehörten Wärmekraftwerke, Umspannwerke und kritische Übertragungsknotenpunkte. Die Ukraine ihrerseits versucht immer wieder, mit Drohnen russische Rüstungsfabriken und andere Produktionsstätten auch weit im Landesinneren zu zerstören.

    Soldatenmangel auf beiden Seiten

    Nach vier Jahren Krieg verzeichnen beide Seiten Schätzungen zufolge jeweils mehrere Hunderttausend an toten und schwer verletzten Soldaten. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf unabhängige Recherchen von Medien anhand öffentlicher Daten berichtet, verzeichnet die russische Armee bereits rund 220.000 Tote, die ukrainische Armee etwa 180.000 Tote und Vermisste. Westliche Schätzungen gehen regelmäßig von höheren Zahlen für Russland und geringeren Zahlen für die Ukraine aus. 
    Während Russland nach eigenen Angaben monatlich weiterhin fast 40.000 neue Soldaten rekrutiert, die mit einem hohen Sold gelockt werden, sind es in der Ukraine nach Auskunft von Präsident Selenskyj nur etwa 27.000 Mobilisierte im Monat. Kiew hat zudem immer stärker mit Fahnenflucht zu kämpfen. Wie Verteidigungsminister Fedorow im Januar bei seiner Vorstellungsrede sagte, werde bereits nach mehr als zwei Millionen wehrpflichtigen Männern gefahndet.

    Wie kann es weitergehen?

    Der ukrainische Präsident Selenskyj fordert eine Waffenruhe und dann eine Regelung für einen "gerechten Frieden". Zugleich setzt er auf eine Einigung in der EU, der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, mit denen das Land sich auch weiter gegen den Krieg wehren kann.
    In Russland verschärfen sich die zwar wirtschaftlichen Probleme unter dem wachsenden Druck der westlichen Sanktionen, doch ein wirtschaftlicher Kollaps ist derzeit nicht in Sicht. Das Land könnte den Krieg vermutlich noch über Jahre weiterführen.

    Die Rolle der USA

    Bei Bemühungen um einem möglichen Frieden spielen die USA eine wichtige, wenn auch zum Teil uneinheitliche Rolle. Einerseits hob Präsident Trump die Isolation Russlands auf und traf sich 2025 mit dessen Präsident Putin. Gleichwohl hat er aber russische Ölkonzerne sanktioniert und Käufer von russischem Öl mit Zöllen belegt, um den Kreml unter Druck zu setzen.
    Auch sein Verhältnis zu Selenskyj schwankt. Nach dem Eklat bei einem Empfang Selenskyjs vor einem Jahr im Weißen Haus sendete Trump auch wieder versöhnliche Signale in Richtung Kiew und traf sich mehrmals mit dem ukrainischen Präsidenten.

    Welche Rolle spielt Europa?

    Die europäischen Partner der Ukraine sind bislang nicht in den US-initiierten Verhandlungsprozess eingebunden. Selenskyj verlangt zwar eine Beteiligung der Europäer, der Kreml lehnt das jedoch ab, weil er Deutschland und andere westliche Staaten als Kriegspartei sieht.
    Die Forderung der Ukraine nach einer Aufnahme in die EU schon nächstes Jahr - als Teil einer Sicherheitsgarantie - wird unter anderem von Bundeskanzler Merz als unwahrscheinlich angesehen.

    Hauptprobleme für mögliche Friedensverhandlungen

    Die direkten Gespräche zwischen den Kriegsparteien unter US-Vermittlung kreisen um militärische, humanitäre und politische Fragen. Die Ukraine sieht auch Fortschritte etwa bei der Frage, wie ein künftiger Waffenstillstand überwacht werden kann. Im humanitären Bereich gibt es Austausche von Kriegsgefangenen und getöteten Soldaten. 
    Doch in den wesentlichen politischen Fragen, wie die verfeindeten Nachbarn künftig friedlich zusammenleben könnten, sind die Gespräche festgefahren. Kiew lehnt Russlands Liste mit Maximalforderungen als inakzeptabel ab. Unter anderem fordert der Kreml einen kompletten Verzicht der Ukraine auf den Donbass. Außerdem müsse die Ukraine neutral und blockfrei sein und der russischsprachigen Bevölkerung Minderheitsrechte einräumen.
    Präsident Selenskyj hat sich auf die US-Diplomatie eingelassen, weil aus seiner Sicht künftige Sicherheitsgarantien für sein Land ohne die Supermacht nicht funktionieren werden. Die Gesprächsbemühungen der USA haben jedoch noch keine Erfolge erzielt, obwohl Trump das Problem bis zum Sommer vom Tisch haben möchte, um vor den Wahlen zum US-Kongress im November einen Erfolg vorweisen zu können.
    (Mit Material von dpa)
    Diese Nachricht wurde am 23.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.