Donnerstag, 23.09.2021
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteKalenderblattAls Skandalprinz George IV. den britischen Thron bestieg19.07.2021

Vor 200 Jahren gekröntAls Skandalprinz George IV. den britischen Thron bestieg

Als Thronfolger stand Prinz George IV im Ruf weder seine Finanzen noch die Libido im Griff zu haben und lieferte der Klatschpresse stetig Stoff. Ganz nach seinem Geschmack war seine Krönung am 19. Juli 1821 ein kostspieliges Kostümspektakel.

Von Winfried Dolderer

 Eine kolorierte, zeitgenössische Gravur zeigt die Krönungsprozession für den britischen König Georg IV., der in einer Sänfte getragen wird (IMAGO / United Archives International)
Krönungsprozession für Georg IV. am 19. Juli 1821 vor Westminster Abbey (IMAGO / United Archives International)
Mehr zum Thema

Wir haben die Macht! Hilft Vernunft gegen Missbrauch?

Prinzessin von Ahlden 31 Jahre Gefängnis für einen Ehebruch

Krisensitzung bei der Queen Königshaus ohne Hoffnung

Merkmale der Diktatur Plädoyer gegen den Begriff des Herrscherwahns

Zum Tod von Prinz Philip Offizier, Gentleman und Exzentriker

Fünf Stunden hatte die Zeremonie in Westminster Abbey gedauert, bevor das Krönungspublikum sich zum Festbankett versammelte. Dann raschelte etwas, "und ein unter Satin, Federn und Diamanten begrabenes Wesen walzt graziös auf seinen Sessel." - So schilderte der Maler Benjamin Haydon den Auftritt George IV., des soeben gesalbten Monarchen. "Der Saal erhebt sich in einer Art von gefiedertem, seidenen Getöse.vDer König sah aus wie ein prächtiger Vogel aus dem Orient."

Schleppe für zwei Millionen Euro

George IV. war der vorletzte Monarch aus dem Haus Hannover, das seit 1714 auf dem englischen Thron saß. Seine Krönung am 19. Juli 1821 ist als pompöses Kostümspektakel in die Geschichte eingegangen. Georges Hut war mit Straußenfedern geschmückt. Allein seine purpurne Schleppe war 24.000 Pfund, heute etwa zwei Millionen Euro, wert. Die Vertreter des Hochadels trugen Kostüme im Stil der elisabethanischen Epoche, vom König persönlich entworfen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 243.000 Pfund, das 24-Fache des Betrages, der fünf Jahrzehnte zuvor für die Krönung Georgs III. angefallen war.

Von dem Neuen auf dem Thron wäre auch gar nichts anderes zu erwarten gewesen. Als Veranstalter rauschender Feste kam ihm niemand gleich. Als sein Vater 1811 unheilbar erkrankte, feierte er seinen Amtsantritt als Prinzregent mit 2.000 Gästen. Der irische Dichter Thomas Moore notierte: nichts sei jemals auch nur halb so glanzvoll gewesen. Was man sonst im Theater mit üppigem Bühnendekor nachzuahmen versucht, gab es hier in Wirklichkeit."

George ließ sich "erster Gentleman Europas" nennen

George war gebildet und polyglott, ein spendabler Förderer der Künste und der Wissenschaften, und als junger Mann sah er blendend aus. Den "ersten Gentleman Europas" ließ er sich gerne nennen. Die Kehrseite in den Augen kritischer Zeitgenossen war, dass er weder seine Finanzen noch seine Libido im Griff hatte. Mit 16 verführte er eine Hofdame seiner Mutter, und seither reihte sich eine Mätresse an die andere. Eine Zeitlang war er mit zwei Frauen zugleich verheiratet und lieferte reichlich Stoff für Karikaturisten und die Klatschspalten einer im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts bereits relativ freien und rührigen Presse.

Mit dem Vater lag er über Kreuz. Georg III. verabscheute den lockeren Lebenswandel seines Ältesten. Er missbilligte auch dessen Klüngelei mit der liberalen Opposition im Unterhaus, den Whigs. Zum 18. Geburtstag gab es vom König einen Tadel: "Deine Vorliebe für Zerstreuungen haben die Zeitungen seit Monaten laut herausposaunt."

Unübersichtliches Liebesleben 

In Liebesdingen fiel George durch einen Hang zur Melodramatik auf. Als eine Dame seines Herzens sich seinen stürmischen Avancen hartnäckig verweigerte, verlor der damals 22-Jährige die Fassung. Eine Augenzeugin: "Er wälzte sich auf dem Boden, trommelte sich auf die Stirn, raufte sich das Haar, und schwor, er werde das Land verlassen und mit seiner Angebeteten nach Amerika fliehen."

Die britische Königin Elisabeth II, Prinz Harry, Herzogin Meghan bei einer Flugschau im Juli 2018. (picture-alliance / Matt Dunham) (picture-alliance / Matt Dunham)Großbritannien - Auf dem Weg in eine Republik?
64 Jahre regiert Queen Elisabeth II. bereits das Vereinigte Königreich Großbritannien. Die meisten Briten können sich die Monarchie ohne diese Königin kaum vorstellen. Trotzdem plädiert nur eine Minderheit dafür, diese Staatsform mit der Queen sterben zu lassen. Und auch die Beliebtheit ihres Nachfolgers, Prinz Charles, ist deutlich gestiegen.

Die Angebetete war die zweifach verwitwete irische Katholikin Maria Fitzherbert. Seinem Heiratsantrag entzog sie sich zunächst, weil sie ihre gesellschaftliche Position und die Erfolgsaussicht einer Ehe mit dem Thronfolger realistisch beurteilte. Sie ließ sich schließlich zu einer heimlichen Vermählung überreden und bekundete, "Mein ganzes Leben werde ich mich bemühen, dich von meiner Liebe zu überzeugen und meinem Wunsch, der beste Ehemann zu sein."

Der Schwur hielt neun Jahre. Dann heiratete George, ohne von Maria geschieden zu sein, ein weiteres Mal, diesmal standesgemäß eine Prinzessin von Braunschweig. Sein Vater, der König, hatte ihm gedroht, er werde ihn andernfalls auf seinen immensen Schulden sitzen lassen. Nach einem Jahr und der Geburt einer Tochter entfernte George die ungeliebte Gattin aus seinem Leben.

Prince Harry und Meghan, Duchess of Sussex sitzen bei ihrer Hochzeit am 9.Juni 2018 in einer Kutsche. (RoyalPress / picture alliance / Albert Nieboer) (RoyalPress / picture alliance / Albert Nieboer)Royaler Teilausstieg - Die Krone und die Kohle
Der Teil-Rückzug des Herzogs und der Herzogin von Sussex von ihren royalen Pflichten wirft ein Licht auf die königlichen Finanzen. Unter anderem geht es Meghan und Harry darum, nicht länger von Steuergeldern abhängig zu sein. Doch die Entflechtung von öffentlichen Mitteln ist komplex.

Neun Jahre auf dem Thron waren ihm nach der Krönung noch vergönnt. - Als der König im Juni 1830 gestorben war, rief ihm die "Times" nach: "Nie ist ein Mann weniger von seinen Mitmenschen betrauert worden."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk