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WADA-BerichtBelege für staatliches Doping in Russland

Der russische Viererbob von Alexander Subkow während der Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Er soll unbestätigten Berichten zufolge gedopt haben. (dpa-Bildfunk / EPA / Tobias Hase)
Der russische Viererbob von Alexander Subkow während der Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Er soll gedopt haben. (dpa-Bildfunk / EPA / Tobias Hase)

Die Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA haben gravierende Belege für staatlich gesteuertes Doping in Russland vorgelegt. Russischen Sportlern müsse deshalb die Teilnahme an internationalen Sportereignissen verwehrt werden, forderte die Organisation. Das IOC kündigte eine rasche Entscheidung an.

Der russische Sportministerium die Manipulationen überwacht. Das gab Sonderermittler Richard McLaren bei der Vorstellung des von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA initiierten Berichts bekannt. Während der Olympischen Spiele in Sotschi 2014 habe es ein systematisches und von höchsten politischen Kreisen gedecktes Doping-System in Russland gegeben.  

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem WADA-Bericht auf Englisch. (WADA)Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem WADA-Bericht auf Englisch. (WADA)

Demnach hat das russische Sportministerium die Manipulation mit Hilfe des Geheimdienstes FSB "gelenkt, kontrolliert und überwacht". McLaren hatte Aussagen des russischen Kronzeugen Gregori Rodtschenkow untersucht, denen zufolge die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi massiv auch unter Mithilfe staatlicher Behörden beeinflusst worden waren.

Unter anderem sollen massiv Dopingkontrollen manipuliert worden sein. Mehrere Dutzend russische Sportler, darunter mindestens 15 Medaillengewinner, sollen gedopt an den Start gegangen sein. Eine Entscheidung über eine mögliche Sperre Russlands muss nun das Internationale Olympische Komitee (IOC) treffen, McLaren oder die WADA haben keinerlei Entscheidungsbefugnis. 

McLaren betonte, die Untersuchung sei unabhängig und transparent abgelaufen. Der Kanadier war von der WADA mit der Untersuchung betraut worden. Er betonte, er wolle keine Empfehlung für das IOC geben. Sein Job sei gewesen, Fakten zu sammeln und zusammenzustellen. Die WADA selbst machte dagegen ihre Position klar: "Die WADA ruft die Sportbewegung auf, den russischen Sportlern die Teilnahme an internationalen Sportereignissen inklusive Rio zu verwehren, bis sich ein Kulturwandel vollzogen hat", teilte die Organisation mit.

IOC-Präsident Bach: Kein Komplett-Ausschluss Russlands

In knapp drei Wochen beginnen die Sommerspiele in Rio de Janeiro. IOC-Präsident Thomas Bach reagierte mit Entsetzen auf die Veröffentlichung und künftige erste Entscheidungen für Dienstag an. "Die Ergebnisse des Berichts zeigen einen erschreckenden und beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports und der Olympischen Spiele", wurde Bach in einer Stellungnahme zitiert. "Daher wird das IOC nicht zögern, die härtesten Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation zu treffen." 

Bach spricht in ein Mikrofon und gestikuliert. An der Wand im Hintergrund sieht man die Olympischen Ringe. (DPA / EPA / MARTIAL TREZZINI )Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, kündigte schnelle Entscheidungen an. (DPA / EPA / MARTIAL TREZZINI )

Das IOC werde die komplexen und detaillierten Anschuldigungen insbesondere gegen das russische Sportministerium prüfen. In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz werde das IOC-Exekutivboard am Dienstag beraten, um erste Entscheidungen zu treffen, die auch "vorläufige Maßnahmen und Sanktionen" mit Blick auf die Spiele in Rio beinhalten könnten. Zuvor hatte Bach immer skeptisch auf Rufe nach einem kompletten Ausschluss Russlands reagiert.

NADA fordert Komplettausschluss

Präsident Wladimir Putin kündigte erste Maßnahmen an. "Funktionäre, die in dem Bericht als direkt Beteiligte genannt werden, sollen bis zum Ende der Untersuchungen suspendiert werden", teilte er in Moskau mit. Zugleich forderte er von der WADA mehr objektive und auf Fakten basierende Informationen. Zugleich kritisierte Putin, dass der WADA-Bericht auf den Aussagen eines einzelnen Menschen mit einem "skandalösen Ruf" basiere. Damit spielte er auf den Whistleblower Grigori Rodschenkow an. Der frühere Anti-Doping-Funktionär hatte den WADA-Bericht ins Rollen gebracht.

Russland hatte vor der Veröffentlichung Forderungen von nationalen Doping-Agenturen nach einem kompletten Ausschluss kritisiert. Auch der Welt-Turnverband FIG betonte, dass nicht alle russischen Athleten gesperrt werden dürften. Sportler dürften nicht für Vergehen von Athleten anderer Sportarten und Verbände für schuldig befunden werden, heißt es in einer Erklärung. Formell müssten die internationalen Sportverbände in jeder Sportart eine Entscheidung treffen. In der Leichtathletik hat der Weltverband IAAF bereits die russischen Athleten von Olympia ausgeschlossen.

Die deutsche Anti-Doping-Agentur NADA dagegen teilte mit, der McLaren-Report lasse nur einen Schluss zu: "Die NADA fordert das Internationale Olympische Komitee auf, dafür zu sorgen, dass russische Sportlerinnen und Sportler nicht zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zugelassen werden."

(hba/ach)

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