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StartseiteEuropa heuteEn Marche-Bewegung streift auch Berlin09.04.2018

Wählerbefragung zu EuropaEn Marche-Bewegung streift auch Berlin

Zur Vorbereitung auf die Europawahl 2019 nimmt "La République en marche" das nächste Großprojekt in Angriff: Durch eine Bürgerbefragung will die Bewegung des französischen Präsidenten Macron erfahren, was die Franzosen von Europa erwarten. Und der "Große Marsch für Europa" macht auch in Berlin Station.

Von Benjamin Dierks

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Die Flaggen von Deutschland, Frankreich und der Europäischen Union (EU) wehen im Ehrenhof des Bundeskanzleramtes in Berlin. (am 15.05.2012) (dpa / Soeren Stache)
Die Berliner Aktion ist Teil des neuen Großprojekts von Emmanuel Macron: "Die Idee ist ein genaues Bild davon, was die Leute in Frankreich von Europa denken, das heißt, was die Leute konkret erwarten." (dpa / Soeren Stache)
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Für einen "Großen Marsch" ist die Gruppe recht übersichtlich, die sich an diesem Nachmittag in einer kleinen Hotellobby in West-Berlin getroffen hat. Dabei soll er auch hier beginnen: der große Marsch für Europa - la Grande Marche pour l’Europe. Zehn Frauen und Männer sitzen sich in tiefen Ledersesseln gegenüber, während Laurent Couraudon versucht, seinen Videobeamer in Gang zu bringen. Schließlich ergreift er ohne visuelle Unterstützung das Wort und stellt sich der Gruppe vor.

"Je suis Laurent, je suis le responsable de groupe de travail Europe pour Berlin."

Laurent Couraudon arbeitet in Berlin bei einer Bank und gehört zu La République en Marche, der Partei des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Er engagiert sich in einer Gruppe von gut 25 Auslandsfranzosen ehrenamtlich für En Marche, wie die Partei kurz genannt wird. Couraudon ist für Europafragen zuständig und schwört seine Mitstreiter nun auf die Aufgabe ein, die heute vor ihnen liegt:

"Alors…"

In kleinen Gruppen sollen sie ausschwärmen und an belebten Plätzen, Lokalen und Sehenswürdigkeiten Franzosen auftreiben, die in Berlin leben oder die Stadt besuchen, und sie nach ihrer Meinung zu Europa befragen. Die Berliner Aktion ist Teil des neuen Großprojekts von Emmanuel Macron:

"Die Idee ist ein genaues Bild davon, was die Leute in Frankreich von Europa denken, das heißt, was die Leute konkret erwarten, was muss Europa machen, was muss Europa nicht machen."

Auch die EU-Kritiker sollen zu Wort kommen

Der Erfolg von Macrons proeuropäischem Wahlkampf war eine Sensation. Nun aber sollen vor der Europawahl im kommenden Jahr besonders auch die zu Wort kommen, die mit der EU ihre Probleme haben. In Frankreich ziehen die Unterstützer Macrons in den kommenden Wochen vor allem durch jene Wahlkreise, in denen die Menschen europafeindliche Kandidaten gewählt haben:

"Europa ist in Gefahr, vielleicht, weil Europa teilweise gescheitert ist. Und wir sind nicht naive Europa-Befürworter, wir verlangen was von Europa. Europa ist nicht nur Kommunikation und bla bla bla, wir lieben uns, das ist schön, das ist nett, das ist auch wichtig. Das ist Frieden, und Frieden ist sehr wichtig, aber es reicht nicht."

In Berlin wird die Umfrage weniger systematisch, Courodon und seine Mitstreiter wollen aber zeigen, dass sie Teil der Bewegung sind. Und schließlich sei ja von dem Problem nicht nur Frankreich betroffen, sondern ganz Europa.

Sobald alle En-Marche-Aktivisten die Umfrage-App auf ihr Handy geladen haben, bläst Laurent Couraudon zum Aufbruch. Er zieht mit einer anderen Aktivistin ein paar Straßenecken hinunter bis zum Kurfürstendamm. Vor dem Institut français treffen sie auf ihre ersten Interviewpartnerinnen, zwei junge Französinnen, von denen eine in Berlin und eine in Florenz lebt:

"Woran sie denken, wenn von Europa die Rede ist, fragt Laurent Couraudon."

Sorge über nationale Egoismen und Wirtschaftskrisen in Europa

"Freizügigkeit, Freihandel, offene Grenzen und kultureller Austausch"

antworten die beiden. Die Frauen sind Mustereuropäerinnen. Aber es kommen auch kritische Punkte zur Sprache: Die wirtschaftlichen Krisen im Süden Europas, das Wiedererstarken von Nationalismus, die Uneinigkeit bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Laurent Couraudon ist zufrieden:

"Man sieht, dass Europa eine wichtige Realität für die Leute ist - Ideal, aber auch eine gewisse Frustration. Das ist genau, was wir brauchen: Ideal als Motor und Frustration, um das zu verbessern".

Es wird für Laurent Couraudon und seine Mitstreiterin schwieriger als gedacht, auf dem Ku’damm weitere Franzosen zu treffen. Aber sie sind trotzdem zufrieden. Jede Umfrage geht über die App in die zentrale Auswertung ein. Damit leisten auch sie in Berlin ihren kleinen Beitrag zu Macrons Großem Marsch für Europa.

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