Frankreich Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2022

Wer wird der nächste Präsident oder Präsidentin Frankreichs? Am 10. April 2022 steht die erste Runde der Wahl an und das Feld der Kandidaten hat sich formiert. Nur der amtierende Präsident Emmanuel Macron gibt sich noch zögerlich - wohl aus taktischen Gründen.

Von Christiane Kaess | 04.01.2022

Der Élysée-Palast, Amtssitz des französischen Staatspräsidenten in Paris.
Macron hat also gute Chancen, die Wahl wiederzugewinnen - und damit weiterhin im Élysée-Palast zu bleiben. (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)
Im April wird in Frankreich ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gewählt. Einmal im Amt ist dieser mit einer großen Machtfülle ausgestattet und gestaltet die großen Linien der Politik des Landes. Die wichtigsten Parteien haben ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin bereits gekürt. Offiziell bestätigt werden diese erst am 11. März. Bis dahin müssen sie 500 sogenannte Schirmherrschaften gesammelt haben. Das ist die Unterstützung von Mandatsträgern – Bürgermeister oder Parlamentarier. Schon jetzt ist der Wahlkampf spürbar, obwohl er noch lange nicht offiziell begonnen hat.

Amtsinhaber Emmanuel Macron

Noch hat sich der Präsident nicht als Kandidat erklärt. Aber es gilt als sicher, dass er wieder antritt. Alles andere wäre eine große Überraschung. Wann und wie Macron seine erneute Kandidatur verkünden wird, ist unklar. Laut Wahlkalender bleibt ihm Zeit bis zum 26. Februar. Manche Beobachter glauben, der Staatschef wird seine Erklärung so lange wie möglich hinauszögern. Ihr Argument: Als Kandidat ist seine Position als Präsident geschwächt. Der liberale Macron gilt als Favorit. Umfragen bescheinigen ihm derzeit so beliebt zu sein wie kaum ein anderer französischer Präsident wenige Monate vor der Wahl.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch in Brüssel. Im Hintergrund eine blaue Europa-Fahne, der Präsident blickt in richtung Himmel
Frankreichs Emmanuel Macron hat gute Umfragewerte (picture alliance / dpa / Sputnik / Alexey Vitvitsky)
Macron hat also gute Chancen, die Wahl wiederzugewinnen, obwohl er von seiner Reformagenda, mit der er beim letzten Mal angetreten ist, nur wenig umsetzen konnte. Erst kam ihm die Protestbewegung der sogenannten „Gelbwesten“ in die Quere, dann Corona. Macron hat das Land – nach dem anfänglichen Katastrophenszenario mit überfüllten Krankenhäusern und monatelangem Lockdown -  relativ gut durch die Pandemie gebracht. Er hat im zentralistischen Frankreich großen Spielraum, Maßnahmen gegen die Pandemie zu ergreifen. Kritiker werfen ihm „Alleingänge“ vor. Der strikte Kurs führte zu einer hohen Impfquote. Davon profitiert Frankreich nun.
Der Wahlkampf fällt zusammen mit Frankreichs EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2022. Die europäische Bühne wird Macron als EU-Verfechter auch für den Wahlkampf nutzen.

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Die bürgerlich Rechte - Valérie Pécresse

Heute heißen sie „Les Républicains“. Davor trugen Frankreichs konservative Parteien die Namenskürzel UMP, UNR oder UDR. Sie stellten über Jahrzehnte zusammen mit den Sozialisten die zwei großen politischen Lager Frankreichs. Aber seit Jahren machen parteiinterne Streitereien den Konservativen zu schaffen. Dann sprengte auch noch Macron als Newcomer mit seiner Bewegung „La République En Marche!“ (Die Republik in Bewegung) bei der Präsidentschaftswahl 2017 das traditionelle Parteienspektrum.
Nun liegen alle Hoffnungen der bürgerlich Rechten auf der Kandidatin Valérie Pécresse. Ihre Werte in den Umfragen steigen und sie kann sich Chancen für die Stichwahl ausrechnen. Pécresse ist Regionalpräsidentin der Île de France. Sie leitet damit die politisch wichtige Region um Paris. Zudem hat sie schon als Ministerin unter dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy Regierungserfahrung gesammelt.
Die Republikaner haben ihre Kandidatin spät bestimmt und wussten lange Zeit nicht, wie. Schließlich entschied man sich für eine Wahl durch die Parteimitglieder – in der Hoffnung, die verschiedenen Lager zusammenzuführen. Mit Pécresse schicken die bürgerlich Rechten zum ersten Mal eine Frau ins Rennen um den Elysée. Pécresse verspricht, alles zu tun, um die illegale Migration zu stoppen, Ghettos zu „zerschlagen“, und die Sicherheit wiederherzustellen.  
Als Kandidatin der bürgerlich Rechten wird Valérie Pécresse bei der Präsidentschaftswahl 2022 antreten. Nach ihrer Nominierung am 12.12.2021 streckt sie die Arme in die Höhe
Als Kandidatin der bürgerlich Rechten wird Valérie Pécresse bei der Präsidentschaftswahl 2022 antreten. (dpa / picture alliance / Rit Heise/Xinhua)

Die extrem Rechte: Marine Le Pen und Eric Zemmour

Zum zweiten Mal könnte es im April aber auch zu einem Duell zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron kommen. Die extrem rechte Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National, RN, (früher Front National) stand in den Umfragen über Wochen immer wieder auf Platz zwei und käme damit in die Stichwahl.
Marine Le Pen hat in den vergangenen Jahren sich und ihre Partei „entteufelt“. Radikale Positionen, wie ein Austritt aus der EU oder der Eurozone, wurden aus dem Programm gestrichen. Le Pen tritt weniger hart auf als ihr Vater, Jean-Marie Le Pen, der die Partei fast 30 Jahre lang führte. Mit dieser Strategie der Normalisierung wurde der RN für viele Menschen im Land wählbar. Aber die Taktik stößt an ihre Grenzen. Kritiker werfen Le Pen vor, nicht mehr radikal genug zu sein.
Die extrem rechte Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National, RN, (früher Front National), Marine le Pen
Die extrem rechte Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National, RN, (früher Front National), Marine le Pen (picture alliance / dpa / Thomas Padilla)
In diese Lücke stößt der extrem rechte Publizist, Eric Zemmour. Zunächst wurde gerätselt, ob er es ernst meint mit seinen Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur. Dann erklärte sich Zemmour per Video-Botschaft: mit dramatischer Musik und abschreckenden Bildern von Gewalt in Frankreichs Stadtvierteln.
Der extrem rechte Publizist Eric Zemmour tritt bei den Präsidentschaftswahlen 2021 an
Der extrem rechte Publizist Eric Zemmour tritt bei den Präsidentschaftswahlen 2022 an (dpa / abaca / Blondet Eliot / ABACA)
Zemmour hat lange Zeit als Journalist und Kolumnist gearbeitet. In den letzten Jahren sorgte er in Talkshows er für hohe Einschaltquoten, seine Bücher verkaufen sich gut. Zemmour ist Anhänger der rechtsextremen Theorie, dass ein „Austauschen der Bevölkerung“ – von weißen Europäern durch nicht-weiße, vor allem arabische und afrikanische Einwanderer – im Gange ist. Lange Zeit brachte er seine islamfeindlichen Thesen auf intellektuellere Art ans Publikum als Marine Le Pen. In Umfragen zog er zeitweise an ihr vorbei und hätte damit ebenfalls Chancen, in die Stichwahl zu kommen. Allerdings sinken seinen Werte nach mehreren missglückten öffentlichen Auftritten wieder.  

Die Linken Parteien

Frankreichs politisch linkes Spektrum zerfällt in mehrere Parteien. Kein Kandidat hat laut Umfragen bisher Chancen, in den zweiten Wahlgang zu kommen. Dass sie sich vor dem ersten Wahlgang zusammen schließen ist dennoch unwahrscheinlich. Jegliche Vorstöße in diese Richtung blieben bisher ohne Erfolg.

Jean-Luc Mélenchon

Bei Jean-Luc Mélenchon ist nicht vorstellbar, dass er seine Kandidatur zugunsten eines anderen zurückstellen könnte. Zwar sehen ihn Umfragen weit unter den 20 Prozent der Stimmen, die Mélenchon bei der letzten Präsidentenwahl auf sich vereinen konnte (Platz 4 im ersten Wahlgang). Aber Mélenchon setzt oft auf Einzelgänge. Vielen gilt der wortgewaltige, erfahrene Politiker als populistisch. Als ehemaliges Mitglied der Sozialistischen Partei kritisierte er die Politik des damaligen sozialistischen Präsidenten Francois Hollande (2012-2017) als „zu rechts“. 
Jean-Luc Mélenchon ist Chef der äußersten Linken im französischen Parlament
Jean-Luc Mélenchon ist Chef der äußersten Linken im französischen Parlament und gilt als erfahrener Politiker (dpa / abaca | Ait Adjedjou Karim/Avenir Pictures/)

Anne Hidalgo

Für die sozialistische Partei tritt die Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, an. Dass sie in den Umfragen weit unten rangiert, spricht für das Drama der Sozialisten: seitdem Francois Hollande Präsident war, kommt die Partei auf Landesebene nicht mehr auf die Beine. Obwohl Hidalgo als Bürgermeisterin der Hauptstadt bekannt ist und in diesem Amt auch zuletzt bestätigt wurde, kommt ihre Kampagne für die Präsidentschaft nicht in Schwung. Hidalgo verspricht eine Verdoppelung der Gehälter von Lehrern und „würdige“ Löhne. Außerdem will sei eine Art Klimasteuer einführen für Haushalte mit einer hohen CO2-Bilanz.
Anne Hidalgo ist Bürgermeisterin von Paris und tritt für die Sozialistische Partei an. Hier bei einer Pressekonferenz im Dezember 2021
Anne Hidalgo ist Bürgermeisterin von Paris und tritt für die Sozialistische Partei an (dpa / picture alliance / Thibault Camus)

Yannick Jadot

Yannick Jadot kämpft für die Grünen (Europe Ècologie – Les Verts) für das Präsidentenamt. Jadot ist Mitglied des Europäischen Parlaments. In der Partei, die ihren Kandidaten durch eine Urwahl ermittelte, gilt er als pragmatisch. Jadot setzt sich unter anderem dafür ein, dass Unternehmen, die noch auf fossile Energie setzen, kein öffentliches Geld mehr bekommen. Er ist für einen „verantwortungsvollen“ Ausstieg aus der Atomenergie im Laufe von 15 bis 20 Jahren. Auf lokaler Ebene konnten Frankreichs Grüne in den letzten Jahren Wahlerfolge verbuchen. Sie stellen mittlerweile auch in ein paar Großstädten die Bürgermeister. Auf nationalem Niveau hat sich die Partei aber noch nicht so stark etabliert.
Yannick Jadot tritt für EELV ( Europe Ecologie les Verts ) bei der Präsidentschaftswahl 2022 an.
Yannick Jadot tritt für EELV ( Europe Ecologie les Verts ) bei der Präsidentschaftswahl 2022 an (picture alliance / abaca / Raphael Lafargue)

Fabien Roussel

Der Kandidat der Kommunistischen Partei Frankreichs, Fabien Roussel, fiel zuletzt durch seine Vorschläge auf, die Kaufkraft der Menschen in Frankreich zu stärken. Um den Mindestlohn um 20 Prozent zu erhöhen sowie Arbeit, Gehalt und Ausbildung für alle zu finanzieren, will Roussel eine Covid-Steuer einführen. Die sollen Unternehmen zahlen, die aus seiner Sicht von der Pandemie  profitiert haben – wie Amazon oder Facebook. Die Vermögenssteuer will Roussel verdreifachen.   
Fabien Roussel tritt für die Kommunistischen Partei Frankreichs an
Fabien Roussel tritt für die Kommunistischen Partei Frankreichs an (dpa / picture alliance / Le Tellec Stephane /ABACA)
Alles spricht bisher dafür: Frankreichs Wahlkampf für die Präsidentschaft spielt sich eher rechts ab.