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StartseiteEuropa heuteRegierungspartei will Wiedervereinigung vorantreiben19.05.2016

Wahlen in ZypernRegierungspartei will Wiedervereinigung vorantreiben

Die konservative Regierungspartei von Präsident Nicos Anastasiades wird bei den Wahlen am Wochenende in Zypern allen Umfragen zufolge erneut stärkste Partei werden. Anastasiades wird mit derselben Koalition aus Mitte-Rechts-Parteien weiterregieren können und will die Gespräche zur Wiedervereinigung mit dem türkischen Süden der Insel weiter vorantreiben.

Von Thomas Bormann

Ein Mann geht auf zypriotischer Seite an der "grünen Grenze" in Nikosia (picture-alliance / dpa/Carmen Jaspersen)
Ein Mann geht auf zypriotischer Seite an der "grünen Grenze" in Nikosia (picture-alliance / dpa/Carmen Jaspersen)
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Zypern Neue Hoffnung auf Wiedervereinigung

Zypern und die Türkei Die geteilte Insel

Der Präsidentenpalast liegt in einem schattigen Park auf einem Hügel am Rande der Hauptstadt Nikosia. Es ist sommerlich warm, die Sonne scheint, Vögel zwitschern. In dieser angenehmen Umgebung tagt die zyprische Regierung. Finanzminister Harris Georgiades ist stolz, dass Zypern drei Jahre nach dem Banken-Crash den Euro-Rettungsschirm schon wieder verlassen konnte und dass die zyprische Wirtschaft im vergangenen Jahr bereits wieder um 1,6 Prozent gewachsen ist.

"Fürs laufende Jahr erwarten wir noch bessere Werte von zwei bis zweieinhalb Prozent", sagt der Finanzminister. Zypern werde nicht den Fehler wiederholen, voll und ganz auf einen starken Bankensektor zu setzen, nein, Zyperns Wirtschaft sei jetzt gut und vielseitig aufgestellt:

"Der Tourismus ist natürlich das Flaggschiff der zyprischen Wirtschaft. Auch der Bereich Handel und Finanzdienstleistungen spielt weiterhin eine Rolle, aber nicht mehr in so großem Umfang wie vor der Krise. Die Schifffahrt ist sehr wichtig. Bei der Handelsschifffahrt, bei Reedereien zählt Zypern zu den führenden Ländern weltweit; und wir steigen in neue Zukunftsbranchen ein, zum Beispiel in den Energie-Sektor."  

Arbeitslosigkeit liegt bei 12 Prozent

Für viele Menschen auf Zypern aber ist die Krise noch nicht vorbei. Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar deutlich, doch sie liegt noch immer bei zwölf Prozent. Die Regierung stelle die Lage oft viel zu rosig dar, bemängelt Stefanos Koursaros, er vertritt die Beschäftigten im Einzelhandel:

"Viele Löhne sind drastisch gesunken. Manche sogar um 30 Prozent. Und außerdem sind wir Zyprer sind jetzt Europameister in Teilzeit-Jobs."

Trotzdem: Die meisten Zyprer spüren: Es geht wieder bergauf. Deshalb rechnet niemand bei der Wahl am kommenden Sonntag mit Überraschungen. Die konservative Partei DISY von Präsident Nikos Anastasiades wird allen Umfragen zufolge stärkste Kraft bleiben und ihren Kurs in der Wirtschaftspolitik fortsetzen.

Seit 42 Jahren geteiltes Land und geteilte Hauptstadt

Präsident Anastasiades hat den Zyprern noch etwas ganz anderes versprochen, nämlich die Wiedervereinigung der Insel noch in diesem Jahr. Seit 42 Jahren zieht sich eine schwer bewachte Stacheldrahtgrenze quer durch Zypern und auch mitten durch die Inselhauptstadt Nikosia. Im Süden leben die griechischen Zyprer, im Norden die türkischen Zyprer. Seit einem Jahr verhandeln beide Seiten über eine Wiedervereinigung.

Nur selten kommen beide Volksgruppen zusammen, wie etwa am vergangenen Wochenende bei einem Friedensfest für Kinder. Tauziehen, gemeinsam Bilder malen oder auch Hip-Hop tanzen, ganze Schulklassen sind aus beiden Teilen Zyperns zu diesem Fest gekommen. Ein Fest, auf dem die Kinder beweisen, dass türkische und griechische Zyprer durchaus gemeinsam feiern  können, obwohl beiderseits der Grenzlinie immer noch vor allem Misstrauen und Abschottung herrschen.

"Die meisten Kinder sehen hier heute zum ersten Mal in ihrem Leben jemanden von der anderen Seite", sagt Sehra, eine junge Lehrerin aus dem türkischen Teil der geteilten Inselhauptstadt Nikosia. Sie freut sich über das Lachen der Kinder. Chara stimmt zu. Sie ist ebenfalls Lehrerin, aber in Limassol im griechischen Süden der Insel:

"Es ist wunderbar, wie die Kinder hier zusammen spielen und Spaß haben. Sie leben vor, was Frieden ist!"

Beide Lehrerinnen, sowohl Sehra aus dem türkischen Norden, als auch Chara aus dem griechischen Süden wissen: Die meisten ihrer Landsleute sind skeptisch, ob griechische und türkische Zyprer bald wirklich wieder in einem Staat leben werden. Sehra und Chara aber wünschen sich genau das:

"Wir sind optimistisch, definitiv! Und hier bei diesem Fest sieht man doch, wie wir zusammen leben können."  

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