Newsblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Wahlsieger Siegmund auf der Suche nach Mehrheit

+++ Einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Spitzenkandidat des Wahlsiegers AfD, Siegmund, angekündigt, gemeinsam mit anderen Fraktionen und einzelnen Abgeordneten des Landtags eine Mehrheit zu suchen.

    Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, steigt aus einem Wagen und winkt in die Kamera, hinter ihm stehen zwei Personenschützer mit dunklen Sonnenbrillen.
    Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD laut Spitzenkandidat Siegmund bereits Gespräche mit anderen Parteien gesucht. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
    Sein Ziel sei es, schnellstmöglich eine stabile Mehrheit auf den Weg zu bringen, sagte Siegmund in Berlin. Zuvor hatte er erklärt, bereits in der Wahlnacht mit anderen Parteien ins Gespräch gekommen zu sein. Unklar war aber, mit welchen. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze erklärte im Deutschlandfunk, seine Partei werde sich nicht an einer Brandmauer-Koalition, also einem Bündnis aller Parteien außer der AfD, beteiligen. Die SPD signalisierte eine mögliche Zustimmung zum Vorschlag des BSW, einen überparteilichen Ministerpräsidenten einzusetzen.

    +++ Nach dem Wahlerfolg der AfD wollen zivilgesellschaftliche Akteure in Sachsen-Anhalt aktiv bleiben – jetzt erst recht.

    Es gehe darum, Menschen zu unterstützen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden, teilte etwa der Flüchtlingsrat des Landes mit. Dessen Sprecher Saaeid kündigte weiteres Engagement für Betroffene an, Zitat: „Wir werden Schutz organisieren“.

    +++ Der Spitzenkandidat der SPD in Sachsen-Anhalt, Willingmann, hat angedeutet, dem Vorschlag des BSW, einen überparteilichen Ministerpräsidenten einzusetzen, möglicherweise zuzustimmen.

    Willingmann sagte in Berlin, er halte das nicht für das Mittel der Wahl. Aber wenn es zur Auflösung einer Blockade führen könnte, sollte man es auch nicht a priori ablehnen.

    +++ Die Bundesvorsitzende der SPD, Bas, hat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt inhaltliche Konsequenzen angekündigt.

    Bas sagte in Berlin, die Menschen hätten offene Fragen bei Gesundheit, Rente und Pflege. Wer ein langes Leben gearbeitet habe, müsse sich auf Sicherheit im Alter verlassen können. Sie betonte, wenn Menschen hörten, dass sie mehr und länger arbeiten sollten, weniger krank sein sollen und es grundsätzlich härter wird, schaffe das Verunsicherung und auch Misstrauen. Diese Rhetorik sei schädlich, betonte Bas. Bundeskanzler Merz hatte vermehrt betont, dass Arbeitnehmer in Deutschland mehr arbeiten müssten und zu häufig krank seien. Bas nannte den Kanzler in ihrer Kritik nicht namentlich.

    +++ Bundeskanzler und CDU-Chef Merz hat nach der Wahl in Sachsen-Anhalt seine Erschütterung über den Sieg der AfD zum Ausdruck gebracht.

    Merz sagte in Berlin, mit dem gestrigen Tage habe sich nicht nur in Sachsen-Anhalt etwas verändert, sondern in ganz Deutschland. Zudem sieht Merz Auswirkungen auf die internationale Lage. Er betonte, wenn fast 60 Prozent bei sehr hoher Wahlbeteiligung politische Parteien wählten, die die demokratischen Spielregeln grundlegend infrage stellten, sei das ein Wahlergebnis, mit dem man nicht zur Tagesordnung übergehen könne. Wörtlich fügte Merz hinzu: "Das macht etwas mit uns, auch mit mir persönlich."

    +++ CDU-Spitzenkandidat Schulze kündigt nach Wahlniederlage Konsequenzen an.

    Er werde dem CDU-Landesvorstand am Abend einen Vorschlag für das weitere Verfahren unterbreiten, sagte Schulze auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Merz. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt sprach von einer schweren Niederlage. "Wir haben als CDU keinen Regierungsauftrag mehr, wir sind Opposition." Der Regierungsauftrag liege jetzt bei der AfD.

    +++ Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ataman, sieht den AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt als einschneidendes Ereignis für Angehörige von Minderheiten.

    Für viele Menschen sei das Wahlergebnis ein Schock, erklärte sie in Berlin. Vor allem Menschen mit Behinderungen, Zuwanderer und deren Nachkommen, queere Personen sowie Juden und Muslime hätten Angst.
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    Diese Nachricht wurde am 07.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.