Donnerstag, 26. Januar 2023

Dopingfall Walijewa
Freispruch in Russland

Der Dopingfall der jungen russischen Eiskunstläuferin Kamila Walijewa bleibt offen. Die russische Anti-Doping-Agentur verzichtet trotz positiver Dopingprobe auf eine Sperre, in Russland ist die Unterstützung für Walijewa groß.

Von Florian Kellermann | 22.01.2023

Kamila Walijewa in Peking
Kamila Walijewa in Peking (picture alliance/dpa/Peter Kneffel)
Das Urteil der russischen Anti-Dopingbehörde Rusada stieß in Russland auf viel Lob, allerdings nicht auf Begeisterung. Schließlich hatte die Rusada Kamila Walijewa zwar frei gesprochen. Gleichzeitig hatte es ihr aber auch den Titel der russischen Meisterschaft im Eiskunstlauf 2021 entzogen. Swjetlana Schurowa, ehemalige Eisschnellläuferin und heute Parlamentsabgeordnete, sagte dem Sport-Fernsehkanal „Match TV“:
„Das war eine Art Kompromiss, denn die Tatsache der positiven Probe im Dezember 2021 bleibt. Eine Bestrafung musste sein. Das ist gerecht gegenüber den Mädchen, deren Proben sauber waren. Und hier hatten wir nun einmal den Nachweis einer minimalen Dosis einer verbotenen Substanz.“
Die Goldmedaille von 2021 geht damit an die damals Zweitplatzierte Alexandra Trusowa über. Kamila Walijewa selbst äußerte sich bisher nicht zu der Entscheidung der Anti-Dopingbehörde. Allerdings änderte sie ihre Einträge in sozialen Netzwerken und strich dort die Erwähnung ihres Titels von 2021.

Russische Sportlerin des Jahres

Der Fall Walijewa hatte in Russland im vergangenen Jahr hohe Wellen geschlagen, vor allem während der Olympischen Winterspiele in Peking. Wohl auch deshalb kürte das staatliche Umfrageinstitut Wziom vor kurzem Walijewa zur Sportlerin des Jahres 2022. Bei einer repräsentativen Umfrage hatten am meisten Russinnen und Russen ihren Namen genannt. Und das, obwohl Walijewa bei der russischen Meisterschaft im Eiskunstlauf 2022 nur den zweiten Platz belegt hatte.
Auch russische Sportjuristen stehen hinter dem Verdikt der Rusada. Es sei salomonisch, erklärte der Jurist Alexej Sergejew gegenüber dem Fernsehsender der Stadt Moskau „Moskau24“. Walijewa dürfe nicht für vier Jahre disqualifiziert werden, wie die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gefordert hatte. Ihr stünden auch die Medaillen von den Olympischen Spielen und der Europameisterschaft zu:
„Nach jener positiven Dopingprobe gab es einige weitere Proben, die alle negativ waren. Sowohl vor den Olympischen Spielen als auch während den Spielen, und auch vor und nach der Europameisterschaft 2022. Aber wie der Internationale Sportgerichtshof CAS nun entscheidet, wissen wir nicht. Es gibt international schon einige politisch motivierte Entscheidungen im Sport, wegen der militärischen Spezialoperation in der Ukraine. Das kann auch die Entscheidung des CAS beeinflussen.“

Entscheidung gegen Walijewa sähen russische Experten als politisch motiviert

Mit „Spezialoperation“ ist der russische Angriffskrieg in der Ukraine gemeint. Wie Sergejew äußerten sich auch andere Kommentatoren: Wenn beim CAS eine Entscheidung gegen Walijewa falle, dann sei das eine sachlich falsche Entscheidung, politisch motiviert – oder um international die russische Konkurrenz auszuschalten.
Das russische Parlament arbeitet indes daran, dass die Entscheidung des CAS, wie immer sie ausfällt, keinen Einfluss auf Wettbewerbe in Russland haben soll. Abgeordnete haben einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach Russland Entscheidungen des CAS nicht mehr akzeptieren muss. Russland müsse hier seine Souveränität zurückerhalten, so die Autoren des Gesetzes.