
Woher kommt der Name "Donroe"-Doktrin?
Der Name war eigentlich eher ironisch gemeint und basiert auf der Monroe-Doktrin, die vor mehr als 200 Jahren vom damaligen US-Präsidenten James Monroe formuliert wurde. Die New York Post hatte den Begriff vor gut einem Jahr aufgegriffen und ihr den neuen Namen "Donroe" gegeben - der neue Anfangsbuchstabe steht dabei für das D in "Donald". Dem US-Präsidenten scheint das zu gefallen - nach der US-Militäraktion in Venezuela hat er den Namen selbst aufgegriffen.
Was war die Monroe-Doktrin?
Die Doktrin wurde 1823 von James Monroe formuliert. Es ging dem Präsidenten vor allem darum, Südamerika als wirtschaftlichen Erweiterungsraum der USA zu sehen. Viele Länder wurden in dieser Zeit von den europäischen Kolonialmächten Spanien und Portugal unabhängig und suchten nach einem eigenen Weg, ihr Land zu entwickeln. Den USA war es wichtig, Einfluss auf diese Länder - den von ihnen so deklarierten "Hinterhof" - zu nehmen.
Gleichzeitig ist in der Monroe-Doktrin formuliert, dass die Amerikaner sich nicht um Angelegenheiten in Europa kümmern wollen. Bemerkbar machte sich das beispielsweise im Ersten Weltkrieg - in diesen griffen die USA zwar mit eigenen Soldaten ein, allerdings erst im April 1917, also etwa anderthalb Jahre vor Ende des Krieges. Dieses Eingreifen der USA gilt gleichzeitig als Ende der Monroe-Doktrin, die bis dahin immerhin mehr als 90 Jahre gegolten hatte. Mehr Informationen zur Monroe-Doktrin finden Sie auch in diesem DLF-Kalenderblatt.
Wie ernst meinen es die USA mit der Durchsetzung der Doktrin?
Offenbar sehr ernst. Die Doktrin ist Teil der neuen, vor kurzem veröffentlichen Sicherheitsstrategie der USA. Darin heißt es: "Nach Jahren der Nichtbeachtung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin bekräftigen und durchsetzen, um die amerikanische Vorrangstellung in der westlichen Hemisphäre wieder herzustellen."
Auch Verteidigungsminister Hegseth knüpft an die Doktrin an. Er sagte in einer Rede vor Armeerekruten, im Jahr 2026 stelle Präsident Trump Dominanz und Abschreckung in der US-Hemisphäre wieder her.
Was könnte das jetzt für das Verhalten der USA bedeuten?
Konsequent angewandt bedeutet eine neue Monroe/"Donroe"-Doktrin, dass die USA sich vor allem um den von ihnen definierten Einflussbereich kümmern und andere Regionen - wie Europa - mehr oder weniger auf sich selbst gestellt sind. Auch vorhandene Bündnisse wie das der NATO würden dadurch an Bedeutung verlieren. Konkrete Konsequenzen hätte das entsprechend für die Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland. Die USA könnten sich hier weiter zurückziehen.
US-Präsident Trump deutete in Interviews bereits an, welche Länder er künftig ins Visier nehmen will. Nach der Festsetzung Maduros sagte Trump, Kolumbien sei auch "sehr krank" und werde von einem kranken Mann regiert, der gerne Kokain herstelle und es den Vereinigten Staaten verkaufe. Das, so Trump weiter, werde er nicht mehr sehr lange tun.
Auch mit Mexiko werde man wohl "was tun müssen", obwohl er die Präsidentin des Landes schätze. Mexiko aber werde von Drogenkartellen kontrolliert. Zudem steht eine Übernahme von Grönland weiter im Interesse des US-Präsidenten. Trump sagte, es gebe dort überall russische und chinesische Schiffe. Man brauche Grönland daher allein schon wegen der nationalen Sicherheit, zumal die Dänen mit dieser Bedrohung nicht fertig würden.
Der US-Politikwissenschaftler Andrew Denison hält es für möglich, dass die USA sich zuerst Kuba vornehmen. Denison sagte im Deutschlandfunk, Kuba sei jetzt ohne seinen Verbündeten Venezuela in einer ganz anderen Position. Sollten die USA auch dort eingreifen, würden die Machthaber in China und Russland das sicherlich nicht übersehen. Auch darum gehe es den USA mit ihrer Doktrin: den Einfluss von China und Russland in der amerikanischen Hemisphäre zurückzudrängen.
Welche Konsequenzen hat das für Deutschland und Europa?
Deutschland und Europa könnten viel stärker als bisher auf sich selbst gestellt sein - die USA als wichtiger militärischer Partner würden zunehmend an Bedeutung verlieren. Der SPD-Außenpolitiker Stegner sagte im Deutschlandfunk, bisher sei das Verhalten vieler deutscher und europäischer Politiker rein opportunistisch. Es folge dem Grundsatz: "Lasst uns US-Präsident Trump nicht verärgern, weil wir ihn noch brauchen". Das könne aber nicht der Maßstab sein.
Stegner riet den europäischen Staats- und Regierungschefs dagegen, besser zusammenzuarbeiten und auf die eigenen Stärken zu setzen. Deutschland könne beispielsweise seine Stärken als Mittelmacht ausspielen und habe auch eine starke Wirtschaftsmacht, die man nutzen sollte. Man müsse mit den Ländern zusammenarbeiten, die auf gleicher Ebene erreichbar seien. Der SPD-Politiker nannte dabei unter anderem Kanada und Japan.
Aus dem Deutschlandfunk-Programm
"Donroe"-Doktrin: Trump reklamiert westliche Hemisphäre für Amerika (Audio)
Diese Nachricht wurde am 06.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




