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StartseiteSport am WochenendeWeiter Rätsel um Pechsteins Blutanomalie08.02.2011

Weiter Rätsel um Pechsteins Blutanomalie

Ablauf der Dopingsperre beendet nicht die Diskussionen

Claudia Pechsteins Dopingsperre ist abgelaufen, ebenso pünktlich ihre Krankschreibung. Am Wochenende tritt die Eisschnellläuferin, der gerade die Sportförderung entzogen worden war, wieder bei einem Wettkampf an.

Von Grit Hartmann

Claudia Pechstein bald wieder zurück auf dem Wettkampf-Eis (AP)
Claudia Pechstein bald wieder zurück auf dem Wettkampf-Eis (AP)

"Ich bin wieder da. Und darauf freu ich mich ganz doll, dass ich offiziell wieder meine Runden auf dem Eis drehen kann, dass ich offiziell wieder Wettkämpfe mitlaufen werde, und hoffe, dass ich mit ´ner guten Leistung allen Fans, die darauf gewartet haben, dass ich zurückkomme, eben das wieder zeigen kann, wo ich hingehöre."

Claudia Pechstein war nicht wirklich weg: nicht vom Eis, sie hat ja hart trainiert, und schon gar nicht aus der Öffentlichkeit. Nun also die nächste Pressekonferenz. Wie schon vor Jahresfrist bemühten sich Vertreter der Hämatologen-Gesellschaft DGHO um Entlastung vom Dopingvorwurf. Neben dem Pechstein-Gutachter Winfried Gassmann trat nun Professor Stefan Eber in die Bütt. Der Münchner gilt als der deutsche Experte für Blutanomalien, wie sie die Kufenläuferin angeblich aufweist. Die von der DGHO seinerzeit festgestellte Sphärozytose, die Kugelzell-Anomalie, hat Eber nicht diagnostiziert. Eher eine Xerozytose, mit X. Man habe harte Tests dafür gemacht, sagte er dem Deutschlandfunk. Auch den, der als der zuverlässigste gilt, einen Elektrolyttest?

"Den haben wir gemacht, die Elektrolyte sind leicht verschoben in den Zellen. Natürlich ist es sehr schwer, die genaue Konzentration von Elektrolyten in den Zellen zu bestimmen. Da müsste man letzten Endes mit genauen Sonden in die einzelne Zelle hineingehen. Und in der lebenden Zelle die Elektrolytkonzentration zu bestimmen, das ist äußerst aufwändig und kaum durchführbar. Wir müssen uns also mit anderen gleichwertigen Tests begnügen."

Auch ein klarer genetischer Nachweis stehe in den nächsten Jahren nicht zur Verfügung. Eber ist seiner Sache trotzdem sicher. Wundern darf man sich deshalb über seinen Brief an den Bundestags-Sportausschuss, wo die Causa aktuell auch wieder debattiert wird: Es sei "völlig unerheblich", schreibt der Professor, woran exakt Pechstein leide; ihr Blut weise "Kennzeichen" sowohl der Xerozytose als auch der Kugelzellanomalie auf. Beides sind Membrandefekte der roten Blutkörperchen – allerdings verschiedenartige. Ist Pechstein also ein medizinischer Sonderfall? Das kann sein. Zwei weitere Deutungen: Entweder will Eber nicht sagen, dass die Kollegen vor einem Jahr daneben lagen. Oder aber: Es existiert nach wie vor keine klare, eindeutige Diagnose.

Wen wollen die Mediziner damit überzeugen? Ihr Multiple-Choice-Angebot ist nicht unbedingt eindrucksvoller als das viel gescholtene Indizienverfahren der Sportgerichte. Eber ersuchte IOC-Präsident Jacques Rogge, Pechstein bei den Spielen in Sotschi starten zu lassen. Die Chancen dieser Petition sind berechenbar. Claudia Pechstein aber glaubt an ihre olympische Zukunft:

#"Mir wurden durch die zwei Jahre auch die Olympischen Spiele in Vancouver gestohlen. Und das ist mein Ziel, eigentlich bei den Olympischen Spielen in Sotschi dabei zu sein und meine zehnte olympische Medaille zu holen."

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