
Zum ersten Mal seit 1972 reisen Menschen wieder zum Mond. Während der etwa zehntägigen Artemis-II-Mission werden vier Astronauten den Mond umrunden. Dies ist eine Vorbereitung für eine Landung in einer späteren Mission, die noch während Donald Trumps zweiter Amtszeit, spätestens bis 2028, erfolgen soll.
China plant eine bemannte Mondlandung für das Jahr 2030. Während es beim Wettrennen um eine Mondlandung vordergründig um wissenschaftliche Erkenntnisse geht, steht hinter den Kulissen vor allem die Machtdemonstration und das politische Prestige im Vordergrund. Techmilliardäre hingegen erhoffen sich mit ihren Investitionen im Weltall eine langfristige Rendite. Mit einer Kolonisierung von Mond und All wird aber auch ein Heilsversprechen für die Menschheit verknüpft.
Wieviel verdienen private Akteure bisher im All?
Der neue Wettlauf zum Mond ist derzeit noch rein staatlich geprägt. Doch private Geldgeber investieren bereits große Summen in die Raumfahrt und erwirtschaften Profite im Weltraum. So betreibt das Unternehmen SpaceX von Elon Musk mit Starlink zwei Drittel aller Satelliten und verkauft darüber schnelle Internetverbindungen.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzen Experten den Gewinn von SpaceX für das Jahr 2025 auf acht Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 15 Milliarden. Den Großteil davon generiert das Starlink-Satellitennetzwerk.
Ein weiterer wichtiger Auftraggeber für SpaceX ist die US-Raumfahrtbehörde NASA. Das Unternehmen bringt mit seinen Raketen und Kapseln Astronautinnen und Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS. Dafür kassiert SpaceX 55 Millionen pro Astronautin oder Astronaut.
Das große Geld dürften jedoch die Mondmissionen bringen. Bislang werden diese nur von staatlichen Raumfahrtagenturen wie der NASA, der europäischen ESA, der kanadischen CSA und der japanischen JAXA finanziert. Diese nehmen für ihre Projekte jedoch zunehmend New-Space-Unternehmen wie SpaceX oder Blue Origin von Jeff Bezos unter Vertrag.
Sowohl SpaceX als auch Blue Origin entwickeln Mondlandefähren für die kommenden Artemis-Missionen zum Mond. Laut BBC erhält SpaceX für diese Verträge 2,9 Milliarden US-Dollar und laut Reuters erhält Blue Origin 3,4 Milliarden US-Dollar von der NASA.
Weitere Pläne für die ferne Zukunft
In Zukunft könnten kommerziell entwickelte Raumschiffe zum Mond von zahlenden Touristen gebucht werden. Darauf hofft zumindest Jeff Bezos, Eigentümer von Blue Origin. Sein Ziel ist es, bald Millionen Menschen ein Leben im All zu ermöglichen.
Elon Musk möchte mit SpaceX eines Tages den Mars besiedeln. Auch Investoren für den Bergbau im All gibt es bereits.
Wie viel Geld mit diesen sehr langfristigen Ideen zukünftig verdient werden kann, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen. Doch bei der Kolonisierung des Weltalls geht es Musk und Bezos zumindest nicht ausschließlich um Profit.
Fortschrittsglaube und Heilsversprechen
Laut dem Amerikanistik-Professor Jens Temmen hätten die beiden Multimilliardäre noch andere Ziele. Musk und Bezos wollten mit ihren Aktivitäten ein neues Weltraumzeitalter einläuten und die private Weltraumindustrie sowie die Raumfahrt als Lösungs- und Erlösungsprojekt verklären. Damit solle die Menschheit in eine glorreiche Zukunft geführt werden.
Die Zukunft der Menschheit im All werde dabei als existenzielle Notwendigkeit inszeniert, als Voraussetzung für das Überleben der Zivilisation angesichts der vielen Krisen auf der Erde – etwa Klimawandel und Ressourcenknappheit.
Bezos plant beispielsweise, Menschen ins Weltall umzusiedeln. Sie sollen in erdnahen Raumstationen wohnen. Noch in diesem Jahrzehnt soll mit „Orbital Reef“ eine erste kommerzielle Raumstation, ein „Gewerbepark mit gemischter Nutzung“, in der Erdumlaufbahn platziert werden.
Langfristig sollen dann Schwerindustrie und schmutzige Energiegewinnung ins All verlagert werden. Damit wolle er die Menschheit und den Planeten vor dem Schlimmsten bewahren, so Bezos. Die Erde könne zu einem Nationalpark werden, einem Ort der reinen Erholung.
Außerdem glaubt Musk, dass auf dem Mond schon in zehn Jahren eine sich selbst tragende Stadt realisierbar sei, wie er im Februar 2026 auf seinem Netzwerk X schrieb.
Michelle Hanlon, Expertin für Weltraumrecht an der Universität von Mississippi, bezeichnet die Artemis-II-Mission als Meilenstein: Die Menschheit lege damit den Grundstein für ihre eigene Zukunft. Sie kehre auf den Mond zurück, da ihr einige Seltene Erden und andere Rohstoffe ausgehen werden. Hanlon hofft auf die Entwicklung neuer Technologien und den Zugang zu neuen Ressourcen.
Der Amerikanist Temmen kritisiert diesen Fortschrittsglauben und die damit verbundenen Heilsversprechen für die Menschheit als wissenschaftlich nicht fundiert. Es sei gefährlich, dass damit die Abhängigkeit der Menschen von der Biosphäre der Erde und die Konsequenzen des Klimawandels heruntergespielt würden. Weltraumkolonisation sei keine Lösung für irdische Probleme.
Hinzu komme, dass Musks Visionen auf einer futuristisch-faschistoiden Ideologie beruhten. In dieser gehe es darum, die richtigen Menschen zu selektieren, die sich dann im Weltraum ausbreiten und eine kosmische Evolution der Menschheit auslösen würden, so Temmen. Obwohl all das sehr unausgegoren sei, habe es eine große Wirkung entfaltet.
Laut der Journalistin Jennifer Stange ist die von Elon Musk, Jeff Bezos und Peter Thiel imaginierte Zukunft der Menschheit eine, in der sich diejenigen, die es sich leisten können, einem drohenden Kollaps auf der Erde einfach entziehen.
Musk habe mehrfach betont, dass er sich als eine Art Hari Seldon sieht. Dieser ist der Held in den Foundation-Romanen von Isaac Asimov. In ihnen beschreibt der Science-Fiction-Autor eine Welt, in der eine kleine Elite, gestützt auf mathematische Berechnungen, die Menschheit durch eine Phase des Zusammenbruchs führen soll. Die dabei neu entstehende Ordnung wird nicht durch demokratische Prozesse bestimmt, sondern durch kluge Steuerung im Hintergrund.
Unklare Rechtslage im Weltall
Derzeit ist es noch nicht möglich, Land auf dem Mond oder dem Mars zu erwerben. Der Internationale Weltraumvertrag von 1967 verbietet es Staaten bislang, einen Himmelskörper oder Teile von ihm zu okkupieren.
Für den Weltraum wird darin eine weitgehende Freiheit der Forschung und der wirtschaftlichen Nutzung gewährt, die allerdings nicht schrankenlos ist. Sie soll zum Vorteil und im Interesse aller Länder – ungeachtet ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes – wahrgenommen werden. Denn die Erforschung und Nutzung des Weltraums ist laut Vertrag Sache der gesamten Menschheit.
Was das für Unternehmen bedeuten würde, die etwa Wassereis oder metallreichen Staub auf dem Mond abbauen wollen, ist ungeklärt.
Solange die Rechtslage so unklar ist, hängen New-Space-Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin am Tropf der staatlichen Raumfahrtagenturen, sagt Temmen. Sie sind auf das Geld angewiesen, das sie durch die Aufträge erhalten, um als Unternehmen zu überleben. Das gelte auch für kommende Artemis-Missionen, für die sie technologisches Know-how liefern.
Onlinetext: Rade Janjusevic












