Grönland-Streit
Wie die EU auf die US-Strafzölle reagieren könnte

EU-Ratspräsident Costa hat einen EU-Sondergipfel zu den Zolldrohungen von US-Präsident Trump wegen des Grönland-Streits einberufen. Im Raum steht eine Verschiebung des Handelsabkommens mit den USA. Damit könnte es zu zusätzlichen Zöllen in Höhe von 93 Milliarden Euro auf US-Produkte kommen. Frankreichs Präsident Macron schlug ein noch härteres Vorgehen vor.

    Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen unterhalten sich. Sie schauen ernst.
    Bundeskanzler Merz, Frankreichs Präsident Macron und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen im engen Austausch (picture alliance / NurPhoto / Emmanuele Contini)
    Costa erklärte, man wolle weiterhin konstruktiv mit den USA zusammenzuarbeiten. Es gebe ein gemeinsames transatlantisches Interesse an Frieden und Sicherheit in der Arktis, insbesondere durch Zusammenarbeit im Rahmen der Nato. 
    Bundesfinanzminister Klingbeil sagte bei einem Besuch seines französischen Kollegnen Lescure in Berlin, man bereite mit den europäischen Partnern Gegenmaßnahmen vor für den Fall, dass Trump seine Drohungen im Grönland-Streit aufrechterhalte. Man lasse sich nicht erpressen. Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Lange, sagte im Deutschlandfunk, Europa müsse klare Kante zeigen und notfalls erneut mit Gegenzöllen reagieren. Der SPD-Politiker sagte, dafür sehe er inzwischen eine breite Zustimmung innerhalb der EU-Staaten. Die Grünen-Fraktionschefin Dröge brachte zudem im ZDF einen Stopp von Energieimporten aus den USA ins Gespräch.

    EU plant Gegenzölle im Wert von 93 Milliarden Euro

    Bundesaußenminister Wadephul (CDU) stellte die ursprünglich für Mittwoch geplante Unterzeichnung des EU-Handelsabkommens mit den USA infrage. Damit würden ab 6. Februar automatisch zusätzliche Zölle für die USA im Volumen von 93 Milliarden Euro gelten. Diese würden etwa für US-Bourbon, Flugzeugteile, ​Sojabohnen ​und Geflügel gelten. Das Europäische Parlament hat nach Angaben von EVP-Chef Weber die Verabschiedung des Abkommens auf unbestimmte Zeit verschoben.

    Macron schlägt "Handels-Bazooka" vor

    Frankreich signalisierte, die Aktivierung des sogenannten Anti-Coercion Instrument (ACI) beantragen zu wollen, wie es aus dem Umfeld von Präsident Macron hieß. Das Instrument wird auch als "Handels-Bazooka" bezeichnet, weil es der EU weitreichende und flexible Möglichkeiten gibt. Das Gesetz ermöglicht, Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren zu verhängen. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden – oder für bestimmte Produkte Ein- und Ausfuhrbeschränkungen erlassen werden.
    Auslöser ist die Ankündigung von US-Präsident Trump, ab dem 1. Februar einen zusätzlichen zehnprozentigen Zoll auf Waren aus bestimmten EU-Ländern zu erheben, die sich gegen einen US-Kauf oder eine Annexion des zu Dänemark ​gehörenden Grönlands wehren. Deutschland und die übrigen betroffenen Länder kritisierten die angekündigten Sonderzölle in einer gemeinsamen Erklärung scharf.

    Weiterführende Informationen

    EU droht den USA mit Gegenzöllen – Gespräche sollen weiter gehen (Audio)
    Baerbock warnt vor weiterem Zerfall der Weltordnung
    Diese Nachricht wurde am 19.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.