USA
Wie die neue Verteidigungsstrategie Europa in die Pflicht nimmt

Die US-Regierung hat eine neue nationale Verteidigungsstrategie veröffentlicht. Aus dem Dokument des Pentagon geht hervor, dass die Europäer sich in erster Linie selbst um ihre konventionelle Verteidigung kümmern sollen. Auch die Abschreckung gegenüber China wird darin hervorgehoben. Ein Überblick über wichtige Punkte.

    US-Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht bei einem Treffen der Ukraine-Verteidigungskontaktgruppe im NATO-Hauptquartier in Brüssel.
    US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nimmt die Europäer in die Pflicht. (AP / Omar Havana)

    Europa

    Verbündete sollten in Europa die Führung gegen Bedrohungen übernehmen, die für sie schwerwiegender seien als für die USA - "mit entscheidender, aber begrenzter Unterstützung der Vereinigten Staaten", heißt es. In der Vergangenheit wurde immer wieder darüber diskutiert, die Truppenstärke in Europa zu reduzieren.
    Die USA bekennen sich zum Bündnis der NATO. Zentral für die USA ist allerdings, das wird in der 34-seitigen Verteidigungsstrategie betont, dass ihre Verbündeten die NATO-Vereinbarung zur massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben umsetzen.

    USA und "westliche Hemisphäre"

    Im Sinne von Trumps Leitsatz "America First" soll der Verteidigungsfokus der USA auf dem eigenen Land liegen. Grenzen sollen gesichert und der Luftraum durch das Raketenabwehrsystem "Golden Dome" geschützt werden, das Trump auf Grönland errichten will. In diesem Vorhaben klingt bereits an, dass die USA ihren Fokus längst nicht auf die eigenen Landesgrenzen beschränken: "Gleichzeitig werden wir die Interessen Amerikas in der gesamten westlichen Hemisphäre aktiv und furchtlos verteidigen", heißt es.
    Man werde sich militärischen und wirtschaftlichen Zugang zu wichtigen Gebieten sichern, insbesondere zum Panamakanal, zu Grönland und zum Golf von Mexiko, den das Pentagon als Golf von Amerika bezeichnet. Auch das militärische US-Vorgehen gegen mutmaßliche Drogenschmuggler habe Priorität.

    China und Russland

    Die USA verfolgen einen Kurs, der nicht auf direkte Konfrontation mit China setzt. Das hatte schon das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und Chinas Staatschef Xi Oktober gezeigt, bei dem Trump sein gutes Verhältnis zu Peking hervorhob und es mildere Töne im Handelskonflikt gab. 
    Zugleich macht die US-Regierung in der Verteidigungsstrategie klar: Man wolle China im Indo-Pazifik durch Stärke, nicht durch Konfrontation abschrecken. Die Rede ist von einem Machtgleichgewicht im Indo-Pazifik, der für die USA als Handelsraum eine bedeutende Rolle spielt.
    Anders als China halten die USA Russland für eine "beherrschbare Bedrohung" für die östlichen NATO-Mitglieder. Moskau sei nicht in der Lage, die Vorherrschaft in Europa zu erlangen, heißt es.

    Verteidigungsstrategie folgt auf Sicherheitsstrategie

    Anfang Dezember hatten die USA ihre nationale Sicherheitsstrategie veröffentlicht, die als Bruch der US-Regierung mit der Tradition enger transatlantischer Kooperation gewertet wurde. Frühere Strategien hätten die nationalen Kerninteressen der USA nicht berücksichtigt und die Verteidigung anderer Länder zulasten US-Bevölkerung priorisiert, hieß es in dem Dokument. Nun gelte "America First" - Amerika zuerst.
    Diese Nachricht wurde am 24.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.