Gesundheitspolitik
Zahl der Krankenkassen reduzieren: Bundesregierung zeigt sich offen

In der Debatte über die Zahl der Krankenkassen in Deutschland zeigt sich die Bundesregierung offen für eine Reduzierung.

    Eine Gesundheitskarte liegt auf vielen Euro Banknoten als Symbolbild für steigende Krankenkassenbeiträge und notwendige Reformen im Gesundheitssystem
    Dass eine Reform des deutschen Gesundheitssystems nötig ist, darüber sind sich die meisten einig. Die Frage ist nur: Wie? (picture alliance / SZ Photo / Wolfgang Filser)
    Man könne in der Tat überlegen, ob man so viele, wie es gegenwärtig seien, brauche, sagte Bundesgesundheitsministerin Warken der Bild am Sonntag. Die CDU-Politikerin regte eine Mindestversicherten-Zahl für Krankenkassen an. Das sei eine Frage, die sich die eingesetzte Expertenkommission noch einmal angucken wolle.
    Zuvor hatte sich bereits CDU-Generalsekretär Linnemann für nur noch zehn Krankenkassen ausgesprochen. Auch die SPD bekräftigte die Forderung. Ihr gesundheitspolitischer Sprecher, Pantazis, meinte, man brauche keine 90 Krankenkassen. Ein halbes Dutzend bis maximal ein Dutzend reiche aus.
    Hintergrund ist aktuell die Debatte über den Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsministerin Warken (CDU). Ihre Pläne für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung sehen Einsparungen von 20 Milliarden Euro im kommenden Jahr vor und im Jahr 2030 von gut 40 Milliarden Euro. Das Bundeskabinett wird voraussichtlich am Mittwoch darüber abstimmen. Eine Expertenkommission hatte Reformempfehlungen.

    1970 gab es noch 1.800 Krankenkassen, heute sind es 93

    Forderungen nach weniger Krankenkassen gibt es seit Jahrzehnten. Die Zahl der Krankenkassen hat sich nach Angaben ihres Spitzenverbandes im Lauf der Jahre ständig reduziert: Waren es 1970 noch 1.815 Krankenkassen, hatte sich 1990 die Anzahl bereits auf 1.147 reduziert. Im Jahr 2000 waren es noch 420. Derzeit gibt es nur noch 93 Kassen. Sie zählen zurzeit 74,6 Millionen Versicherte.
    Bei ausreichenden Einsparungen im Zuge der geplanten Reform könnten laut Warken Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen sinken. Neben Einsparungen sei dies aber auch von der Entwicklung der Konjunktur abhängig. Warken betonte, Ziel ihrer Reform sei es insgesamt, die Beitragssätze zu stabilisieren.

    Grüne erarbeiten Gegenentwurf

    Beim Koalitionspartner SPD gibt es noch Vorbehalte. SPD-Generalsekretär Klüssendorf kritisierte gegenüber den Funke-Medien, Warkens Entwurf verlagere zu viel Belastung auf die Menschen, die bereits hohe Beiträge zahlten. Er nannte als Beispiele höhere Zuzahlungen, Einschnitte bei Leistungen und Druck auf das Krankengeld. Klüssendorf forderte, stattdessen die Pharmakonzerne stärker zu belasten. Deutschland habe in Europa die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf. Der Entwurf müsse daher die Preisgestaltung der Pharmakonzerne begrenzen. 
    Die Grünen im Bundestag haben einem Zeitungsbericht zufolge einen Gegenentwurf erarbeitet. Dabei dringt die Partei auf eine Senkung der Beiträge, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe schreiben.
    Diese Nachricht wurde am 26.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.