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Zypern unter ZugzwangEine Insel inmitten internationaler Konflikte

Wie unter einem Brennglas konzentrieren sich auf der geteilten Mittelmeer-Insel Zypern gleich mehrere Konflikte der europäischen Peripherie. Da ist zum einen der eskalierende Streit ums Erdgas. Zum anderen kommen seit Monaten mehr und mehr Flüchtlinge nach Zypern und überfordern den Inselsüden.

Von Manfred Götzke | 04.04.2020

Der Krisenstaat Zypern, fotografiert aus dem All
Der Krisenstaat Zypern, fotografiert aus dem All (imago images / UIG)
Beide Teile Zyperns – der griechische wie der türkische – wollen die Erdgasvorkommen vor der Küste ausbeuten. Zudem kommen seit Monaten mehr und mehr Flüchtlinge nach Zypern, weil viele andere Flüchtlingsrouten geschlossen sind. Die wenigsten Menschen reisen allerdings übers Meer. Sie fliegen von der Türkei aus in den Nordteil der Insel und überqueren im Schutz der Dunkelheit die Demarkationslinie in den Süden – der Weg in die EU. Der Inselsüden ist mit den Asylverfahren komplett überfordert.
Und die Friedensverhandlungen der seit 1974 geteilten Insel – sie sind angesichts dieser massiven Konflikte längst wieder zum Erliegen gekommen.
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