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StartseiteHintergrundSportveranstaltungen im Zeichen des Terrors18.11.2015

Angst in den StadienSportveranstaltungen im Zeichen des Terrors

Nach der Absage des Länderspiels in Hannover bemüht sich der deutsche Fußball um die Rückkehr zur Normalität, doch bereits jetzt ist klar: Beim Thema Sicherheit wird aufgerüstet werden in den Stadien des Landes. Und auch für die geplante Bewerbung der Hamburger für Olympia 2024 könnte die Terrorgefahr entscheidend sein.

Von Philipp May

Polizisten sichern das Gelände rund um das Stadion in Hannover nach der Absage des Länderspiels Deutschland - Niederlande. (imago / MIS)
Nach der Absage des Freundschaftsspiels Deutschland-Niederlande kann von Business as Usual keine Rede sein: Die Angst hat sich mit in die Stadien geschlichen. (imago / MIS)
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Am Tag nach der Absage bemüht sich der deutsche Fußball um eine Rückkehr zur Normalität. Wie geplant solle der 13. Bundesligaspieltag über die Bühne gehen. Man müsse wachsam sein, aber für Panikmache gebe es überhaupt keinen Grund, so Hendrik Große Lefert, Sicherheitschef des Deutschen Fußballbundes:

"Es gibt keine konkreten Erkenntnisse auf jedwede Gefährdung von Spielen innerhalb der Bundesspielklassen."

Und doch: Von Business as Usual kann keine Rede sein, denn die Angst hat sich mit in die Stadien geschlichen. Ligapräsident Reinhard Rauball kurz nach der Absage des Länderspiels:

"Es ist natürlich ein trauriger Tag für Deutschland und es ist ein trauriger Tag für den deutschen Fußball. Mein Eindruck ist, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tage in vielen Facetten eine andere Wende bekommen hat."

Vereine stehen vor großer Herausforderung

Klar ist: Es wird aufgerüstet - vor und in den Stadien. Unter anderem mit gründlicheren Einlasskontrollen - Fans müssen sich auf lange Schlangen einstellen, sagen die Sicherheitsbeauftragten der Klubs voraus. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, geht bereits einen Schritt weiter. Er fordert auch eine Diskussion über drastischere Maßnahmen:

"Da werden sich viele Fragen wirklich stellen, die mich auch beunruhigen ein bisschen. Körperscanner, will man das, wenn man da an bestimmte Dinge denkt. Es wird meiner Ansicht nach für die Vereine eine deutliche Herausforderung bedeuten, einfach die Sicherungsstrukturen deutlich weiterzuentwickeln."

Ganzkörperscanner wie an Flughäfen, normalerweise ein absolutes Reizthema für Fangruppen, doch auf einmal kein Tabu mehr. Jetzt geht es nicht mehr um Pyrotechnik, sondern um die eigene Sicherheit, beziehungsweise das Gefühl davon. Denn auch schon vor den Anschlägen von Paris waren Sportveranstaltungen ein Ziel von Terroranschlägen. Die reale Bedrohungslage habe sich gar nicht groß verändert, glauben Experten.

Dennis Pauschinger, Sicherheitsexperte für Sportgroßereignisse an der Uni Hamburg, sieht ein ganz anderes Problem, gerade bei großen Fußballturnieren oder Olympischen Spielen. Denn die Stadien selbst seien relativ gut gesichert, so Pauschinger im WDR:

"Aber die Stätten sind natürlich an anderen Stellen auch verwundbar. Das hat man zum Beispiel auch in Atlanta 1996 gesehen, wo es ein Bombenattentat am Rande des Olympiaparks gegeben hat und nicht am Stadion."

Olympiagegner kritisieren die Hamburger Sicherheitsplanung

Um die Sicherheit der Sportler und Besucher während der Olympischen Spiele zu gewährleisten, hat London 2012 knapp 1,7 Milliarden Euro ausgegeben. Nun will Hamburg für Olympia 2024 in den Ring steigen, vorausgesetzt die Hamburger Bürger sprechen sich in einem Volksentscheid Ende des Monats dafür aus. Doch im Finanzierungskonzept der Stadt ist für den Posten Sicherheit nicht einmal eine halbe Milliarde Euro vorgesehen, weniger als ein Drittel des Budgets von London.

Der für Olympia zuständige Hamburger Staatsrat Christoph Holstein, erklärte dies vor einigen Wochen im Deutschlandfunk so:

"Die wichtige Sache ist, wir wissen heute, neun Jahre vor den Spielen, natürlich nicht, wie die Sicherheitslage Anfang der 20er-Jahre sein wird und dementsprechend sind wir bei der Frage der Sicherheit genauso vorgegangen wie in allen anderen Punkten. Wir haben gesagt, wir rechnen uns nichts schön, aber wir haben auch gesagt, wir malen auch nicht den Teufel an die Wand, wir nehmen einen Mittelwert, von dem wir davon ausgehen können, dass er realistisch ist."

Schon jetzt zerreißen Olympiagegner das Hamburger Zahlenwerk in der Luft. Und so könnte am Ende nicht zuletzt die Frage nach den Kosten für die Sicherheit im Zeichen der Terrorgefahr darüber entscheiden, ob Hamburgs Bürger in anderthalb Wochen Ja oder Nein zu Olympia sagen.

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