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StartseiteWirtschaft und GesellschaftInflationsattacke mit allen Mitteln10.03.2016

EZB LeitzinssenkungInflationsattacke mit allen Mitteln

Mit der Abschaffung des Leitzins verfolgt die EZB vor allem ein Ziel: Die Inflation wieder auf knapp zwei Prozent heranzuführen, um der Wirtschaft ein angemessenes Wachstum zu ermöglichen. "Maßnahmen einer lockeren Geldpolitik", so EZB-Chef Mario Draghi, die zudem Schulden reduzieren sollen.

Von Brigitte Scholtes

EZB-Präsident Mario Draghi. (AFP / Daniel Roland)
"Die Zinsen werden tief, sehr tief bleiben, und das für lange Zeit": EZB-Präsident Mario Draghi hat den Leitzins im Euroraum auf null Prozent gesenkt. (AFP / Daniel Roland)
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Die Europäische Zentralbank hat mehr als geliefert. Sie hat es geschafft, die Finanzmärkte zu überraschen. Die Notenbank senkt nicht nur wie erwartet die Einlagenzinsen der Banken von minus 0,3 auf jetzt minus 0,4 Prozent. Sie schafft den Leitzins ganz ab – den senkt sie von 0,05 Prozent auf null Prozent.

Sie pumpt statt 60 Milliarden Euro nun 80 Milliarden Euro im Monat in den Markt – und das bis März nächsten Jahres - dazu kauft sie nun auch Unternehmensanleihen. Und schließlich bietet sie den Banken noch vier Langfristkredite an, mit denen die sich faktisch zu Null Geld beschaffen können. EZB-Präsident Mario Draghi machte klar:

"Die Zinsen werden tief, sehr tief bleiben, und das für lange Zeit, und weit über den Zeitraum unseres Kaufprogramms hinaus. Aus heutiger Sicht und angesichts unserer heutigen Maßnahmen, die das Wachstum und die Inflation unterstützen werden, glauben wir nicht, dass es nötig sein wird, die Zinsen noch weiter zu senken. Natürlich können neue Fakten die Lage verändern."

EZB möchte eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent erreichen

Zuletzt war die Inflation in den negativen Bereich gerutscht. Die EZB möchte aber eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent erreichen, damit die Wirtschaft angemessen wachsen kann. Das soll geschehen, indem die Banken das billige Geld als zinsgünstige Kredite an die Wirtschaft weiterreichen. Denn die war zuletzt nur schwach gewachsen. Zumindest eines hat Draghi zunächst erreicht, sagt David Kohl vom Bankhaus Julius Bär:

"Man bemüht sich hier, nicht dieses Debakel von Dezember zu wiederholen, wo die Erwartungen enttäuscht wurden. Das hat natürlich auch handfeste Gründe. Erwartungen sind noch das einzige Instrument, mit denen man hier tatsächlich die Geldpolitik beeinflussen kann. Die ganz klassischen Instrumente – niedrige Zinsen, Stimulierung der Kreditnachfrage – das fällt aus in einem Umfeld, wo wir null Prozent Zinsen haben."

Man gebe nicht auf im Kampf, die Inflation an das von der EZB angestrebte Ziel von knapp zwei Prozent heranzuführen.

"Deflation vergrößert die reale Last von Schulden"

"We don’t give up in our fight to bring inflation back to our objective", wiederholte Draghi seinen Satz von 2014. Denn wenn man das täte und hätte statt Inflation Deflation, dann wäre das in einem Umfeld, in dem sowohl Staaten wie auch Private stark verschuldet seien, nur negativ:

"Sie wissen, dass eine der negativen Wirkungen der Deflation ist, den realen Wert und die reale Last von Schulden zu vergrößern. In dieser Hinsicht haben Maßnahmen einer lockeren Geldpolitik wie die heutigen einen sehr positiven Effekt, weil sie Schulden reduzieren statt sie zu vermehren."

Die Notenbanken seien am Ende ihrer Kräfte im Kampf gegen die niedrige Inflation? Dieses Argument hofft Draghi heute entkräftet zu haben:

"Die beste Antwort darauf geben wir mit unserer Entscheidung von heute. Es ist eine ziemlich lange Liste von Maßnahmen und jede davon ist sehr bedeutend und so gestaltet, dass sie die größtmögliche Wirkung entfaltet."

Die Inflation soll also bald wieder steigen und die Wirtschaft wachsen. Dann erst sieht Draghi seine Mission als erfüllt an.

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